Pfarrer Robustheit

This entry is part 65 of 84 in the series geistliches Wort

„Lieber Pfarrer Robustheit,…“ so wurde ich neulich in einer e-mail angesprochen, die automatische Rechtschreibprüfung konnte mit „Robscheit“ offensichtlich nichts anfangen. Ich habe geschmunzelt und mir fiel ein, dass mir einmal beinahe ein richtiges Malheur passiert wäre: Im Einladungsbrief für die Kirchennacht in Kapellendorf wurde aus dem geplanten Aufbauen der Schlafplätze: „16:00 treffen wir uns zum Komasaufen.“ – Habe ich aber beim Korrekturlesen noch bemerkt! Stellen Sie sich vor, es wäre mir durchgerutscht! Wie oft passiert sowas in der Hektik! Wir sind unachtsam und plötzlich, ohne dass wir uns einer Schuld bewußt sind, stoßen wir andere Menschen vor den Kopf. Manchmal ist es Oberflächlichkeit, manchmal ein anderes Verständnis von Humor, manchmal andere Traditionen oder ein anderer Sprachcode. Da wird „mein Dicker“ als Kosename verwendet, ein anderer wär zu tiefst beleidigt. Wenn das schon so schnell in unserem unmittelbaren Umfeld geschieht, wie schnell wird das erst gehen, wenn wir mit Fremden zu tun haben! Es ist abzusehen, dass unser Land vielfältiger werden wird & damit die Anzahl der Fettnäpfchen zunimmt. Einem Syrer ein Gehacktesbrötchen oder eine Bratwurst als Spezialität anzubieten, wird wohl nicht auf Gegenliebe stoßen.
Oder aber wir sind die, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, übergangen oder nicht ausreichend gefragt. Wie gehen wir mit solchen Verletzungen um? Machen wir „dicht“, sind beleidigt und ziehen uns in die Schmollecke zurück? Damit ist niemandem geholfen! Es hilft nur eins: Menschenliebe und, ja und etwas innere Robustheit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Ein Fest mit vielen Tönen

Gemeindefest Kapellendorf
Gemeindefest in Kapellendorf

Gemeindefest in Kapellendorf: Am Samstag, dem 27.6. waren weit über 150 Gäste in Kapellendorf und haben Musik, Spiel, Schauspiel, Speis und Trank genossen.

Ein großes Fest, das nur durch die Zusammenarbeit von Stadt und Land, Gemeinde, evangelischer Schule und der Diakonie möglich wurde. Die Grundschüler steuerten Dekorationen für das Fest bei und sangen zum Auftakt für die Festgemeinde von den Tönen in Gottesmelodie. Außerdem war gleich zu Anfang auch ein Clown in der Kirche zu erleben. Anschließend dirigierte Mike Nych das Kammerorchester Apolda, den Posaunenchor und den Kapellendorfer Kirchenchor zur Kaffeekantate und anderen musikalischen Gaumenfreuden. Die beeindruckenden Solo-Instrumentalisten und Solo-Sänger waren alle lokale Talente: Josephin Heurtel, Jakob Schaller, Karol Geßner und Jürgen Schwarz. Der neue Kinderchor aus Kapellendorf trat zum ersten Mal auf.

Gleichzeitig fand im Gewölbekeller des Pfarrhauses ein Puppenspiel in düster-heimeliger Atmosphäre statt: Die Konfirmanden der 7. Klasse hatten die Bremer Stadtmusikanten neu interpretiert.

Nur durch das zeitgleiche Doppelprogramm war es möglich, dass alle etwas erleben konnten: Kirche und Keller waren zum Bersten voll.

Vielen fleißigen Kuchenbäckerinnen und Stullenschmierern ist es zu verdanken, dass danach alle etwas zu essen vorfanden — neben ausnehmend schön gefalteten Servietten.

Man konnte auch Grußkärtchen an die Welt beschriften, die am Ende an Gasballons in den Himmel entlassen wurden. Die Ballons, die am weitesten fliegen, werden übrigens mit einem Preis ausgezeichnet. Vorher allerdings gab es noch Gelegenheit, ein Hör-Quiz zu gewinnen.

Insgesamt waren sich alle einig: Das Wetter war mittelmäßig — das Fest war großartig!  Conrad Neubert

Gemeindefest Kapellendorf

Friedenssäule in Kapellendorf

Seit 1988 mahnt eine Friedenssäule vor der Kapellendorfer Kirche an den Frieden. An diese Säule, in vier Sprachen beschriftet, hatte der zahn der zeit genagt, die Schrift war nur noch zu erahnen. Anläßlich eines Besuches aus dem französischen Partnerdorf, Saint Savin, wurde am Vorabend des Weltfriedenstages eine neue Säule eingeweiht, auf der die Friedensbotschaft nun auch in französisch zu lesen ist: „Möge Friede die Erde erfüllen“.

Familie Pißler hat sie gespendet. Hans-Joachim Pißler, der vor kurzem verstorben ist, war 1988 dabei und Initiator unserer wachsenden deutsch-französischen Partnerschaft. Ihm hat heute auch unser Dank und unsere Erinnerung gegolten.

Technik

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Sie kennen das auch, liebe Leserinnen & Leser, die vielen kleinen, praktischen Helferlein im Alltag. Gestern bei Figaros Hochzeit musste ich wieder daran denken: Die Leichtfüßigkeit des Alltages der Bediensteten gab es nur in der Oper. Im richtigen Leben war deren Leben ebenso mühevoll, wie das aller anderen einfachen Leute. Allein die Reinigung der Kleidung ist mit heute gar nicht mehr vergleichbar: Rüschen & Spitze mußten ständig abgetrennt & wieder angenäht werden, Gewaschen wurde mit dem Waschbrett („Was bitte ist das?“, fragen jetzt die Jüngeren) und das Wasser selber mußte auch geschleppt und im Kessel erhitzt werden. Waschmaschine, Trockner & Geschirrspülmaschine sind schon tolle Erfindungen. Und das Auto! Telefon nicht vergessen! Und den Computer…
Sie merken, uns fallen dutzende Geräte ein, durch die unser Leben einfacher wird; aber sie machen auch abhängig. So eine Situation wird im Alten Testament beschrieben: Die Israeliten sind Sklaven des ägyptischen Pharao, wie sind sie dazu geworden? Es wird nicht von einem Krieg berichtet, nein, sondern Generationen früher war es bequemer, sich in ägyptische Abhängigkeit zu begeben. Heute sind wir in der gleichen Situation: wir geben aus Bequemlichkeit stückchenweise unsere Freiheit auf. Wie zu allen Zeiten, reden sich die Betroffenen das dann selber schön, um die bittere Wahrheit zu verdrängen; denken Sie an „Biedermann und die Brandstifter“! Und heutzutage? Am deutlichsten wird das beim bedenkenlosen Umgang mit der Computertechnik, vor allem von Leuten, die nicht wirklich davon Ahnung haben. „Bei facebook und whatsapp sind Sie nicht der Kunde, sondern die Ware“, so kürzlich ein Mahner. Wie nennt man das, wenn Menschen zur Ware werden?
Ob Gott uns wieder einen Mose schickt, oder sollten wir mündig genug sein, unsere Freiheit nicht leichtfertig aufzugeben?

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

August 2015

Möbelhaus?

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Jetzt sitze ich nun im blau-gelben Möbelhaus, trinke kostenlosen Kakao & frage mich nach wie vor, was ich eigentlich hier mache. „Nun, wir brauchen schon lange verschiedenste Dinge, diese Einkaufstour war einfach mal wieder fällig!“, so könnte die klare Antwort der Gattin lauten.
Stimmt das? Brauchen wir die Dinge, die wir nachher an der Kasse bezahlen werden tatsächlich? Oder hätte man nicht Ähnliches auch viel näher besorgen können?
Sie merken schon, liebe Leser, dass ich von der Notwendigkeit dieses Einkaufs nicht restlos überzeugt bin & geben mir vielleicht recht. Aber Sie, liebe Leserinnen, können meine Bedenken möglicherweise gar nicht teilen & Ihnen leuchtet sofort ein, dass neue Gläser oder Kissen existentiell wichtig sind.
Würde nun meine Frau weiterschreiben, wäre es ihr vermutlich ein Leichtes, dutzende Beispiele aufzuführen, wo mir Dinge wichtig sind, die sie wiederum für verzichtbar hält.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wird das nicht anders gehen. Vorstellungen, Wichtungen & Werte sind nicht bei allen Menschen deckungsgleich. Das wäre auch sehr langweilig. Doch es macht das Leben nicht nur spannend, sondern auch anstrengend. Als Menschen können wir nur dort gut zusammenleben, wo wir unsere eigenen Vorstellungen nicht zum Maß aller Dinge erheben. Toleranz, Empathie und das Über-den-eigenen-Schatten-Springen sind in einer Beziehung zweier Menschen unverzichtbar. Keineswegs bedeutet das, dass alle eigenen Vorstellungen geopfert werden müssten, im Gegenteil! Je genauer ich selber weiß, was mir wichtig ist, desto leichter fällt es Kompromisse zu finden.
So wie im Miteinander zweier Menschen, ist es auch zwischen den Kulturen: Nicht alles, was uns wichtig erscheint ist das in den Augen anderer auch & manches, was uns an anderen Kulturen befremdet, bereichert in Wirklichkeit auch unser Leben. Eine Ehe, in der es immer nur nach einem Partner geht ist ebenso armselig wie ein Volk, dass nicht mehr genügend Kraft hat, Fremdes in seiner Mitte zu tolerieren.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Nachtrag: Ich bin dann doch mit durch die Regale geschlendert (natürlich nicht, um meine Frau von unnützen Käufen abzuhalten!) und siehe da, das eine oder andere wanderte durch meine Hand in den Einkaufswagen.

August 2015

Arm gebrochen

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Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht erinnern Sie sich. Vor zwei Jahren hatte ich in einem geistlichen Wort darüber berichtet, wie ich zu Fuß in Kleinromstedt zu einem Gemeindebesuch war. Damals wollte ich nur das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. In dieser Woche nun war ich nach Apolda und zurück gelaufen. Diesmal allerdings, weil ich wegen meines gebrochenen Armes nicht Autofahren kann & ich einen angekündigten Besuch nicht absagen wollte. Den Bus hatte ich verpasst (Versuchen Sie mal mit einer Hand sich einen Zopf zu binden!) Also bin ich gelaufen.
Wieder ging es mir so, dass die lange Zeit, in der man nichts anderes macht als zu gehen, geschenkte Zeit zum Nachdenken ist.
Doch es ist nicht nur die schöne Erfahrung der terminlichen Leere, weswegen ich Ihnen das schreibe. Schon auf dem Hinweg die erste Überraschung: Herr B. hatte zufällig erfahren, dass ich zu Fuß unterwegs bin, hat sein Auto geholt, mich in Herressen aufgelesen und quer durch Apolda gefahren. Auf dem Rückweg dann immer wieder Leute, die ich eigentlich schon länger mal sprechen wollte, doch extra mit dem Auto bin ich nie hingefahren. Jetzt hatte ich ja Zeit! Und so habe ich schließlich auch ohne schlechtes Gewissen in Oberndorf die Einladung von Fam. W. angenommen & mich mit ihnen in den schattigen Hof gesetzt, über Tauben, gebrochene Arme, Kirchenführungen und Dacharbeiten geplaudert und ein kühles Bier genossen.
Als ich am frühen Nachmittag wieder in Kapellendorf angekommen bin, war ich zwar etwas geschafft, aber auch sehr zufrieden! Ich fühlte mich als Mensch und nicht als Rädchen im hektischen Getriebe!
Manchmal, liebe Leserinnen & Leser, sind es die Widrigkeiten und Hindernisse, die uns als Menschen leben lassen. Wir wünschen uns Sorgen oder Probleme nicht, aber hin und wieder kann es uns gelingen, gerade wegen dieser Unbilden (mit-)menschlicher zu sein. Ich wünsche Ihnen solche Erfahrungen, auch ohne wochenlang gehandicapt zu sein!

Ihr Pfr. Robscheit
aus Kapellendorf

Juni 2016

Als gäbe es kein morgen mehr…

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Liebe Leserinnen & Leser!

Erinnern Sie sich an den Weltuntergang Ende 2012? Der Maya-Kalender ist ausgelaufen, und manch einer vermutete dahinter ein geheimes Wissen um das Ende der Welt. War aber nicht so, die Erde drehte sich weiter, die Mayas hätten, so wie wir am 31. 12., einen neuen Kalender begonnen. Anders als bei uns gibt es in diesem Kalendarium neben den einzelnen Jahren auch 50-Jahres Abschnitte. Ein weiterer Unterschied ist, dass am Jahresende 10 kalenderlose Tage vorgesehen sind. Damit wird u.a. auch das Schaltjahr ausgeglichen. Zehn besondere Tage, die als gefährlich empfunden wurden. Da war der Gedanke an ein Weltende also auch nicht völlig abwegig. Solche besonderen Tage erleben wir auch gerade! Diesen Eindruck muss man jedenfalls haben, wenn man heute (Freitag) Mittag in Weimar oder Apolda unterwegs ist: Die Leute kaufen ein, als gäbe es am Montag nichts mehr.
Aber, liebe Leserinnen & Leser, tatsächlich erleben wir gerade 10 besondere Tage! Eigenartigerweise spielen sie im christlichen Feiertagskalender aber keine Rolle. Es sind die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr unter seinen Jüngern, und der Heilige Geist ist noch nicht auf sie gekommen. Das ist doch durchaus eine kritische Zeit!? So ohne göttlichen Beistand!
Warum werden diese Tage nicht als eine bedrohliche, gar gottverlassene, Zeit begangen? Besonders ruhig zum Beispiel?
Ganz einfach, wir sind nicht gottverlassen! Himmelfahrt und Pfingsten erklären, wie die irdische Wirksamkeit Jesu ein zeitliches Ende fand, und wie es dazu kam, dass aus einem verängstigten kleinen Häuflein, in kürzester Zeit eine gewaltige religiöse Bewegung entstand. Aber ganz gewiss sind sie nicht Anzeichen eines baldigen Weltunterganges! Sie können, den Samstag also genießen, am Montag werden die Geschäfte auch wieder öffnen.

Ihr Pfr. Robscheit

Mai 2015

Beten

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„Bete!“, so heißt der morgige Sonntag, liebe Leserinnen & Leser! Dieser Sonntagsname ist durchaus als Aufforderung gedacht.
„Bete!“ – der Fuchs am Abend nimmt sich das zu Herzen: „Lieber Gott, ich gehe mit knurrendem Magen zu Bett. Bitte lass doch morgen dem Hasen sich ein Bein brechen!“
Auch der Hase betet: „Lieber Gott, danke, dass ich heute so flink war. Aber bitte, lass doch dem Fuchs heute Nacht die Zähne ausfallen!“
Ist das Beten? Nein, das ist absurd, werden sie antworten. Und was nützte es dem Fuchs, wenn der lahme Hase Opfer eines Greifvogels wird? Doch worum könnten die beiden bitten?
Wie kann man überhaupt: Beten? Womit das ist vergleichbar?
Mit dem Schwimmen! Wie das Schwimmen ist Beten etwas, dass man lernen kann & wie beim Schwimmen ist der Moment, in dem man am Ertrinken ist, dafür nicht geeignet. Wie das Schwimmen hat auch das Beten mit Vertrauen zu tun: Beim Schwimmen vertraut man darauf, dass das Wasser einen tatsächlich trägt. Das hat man zwar als Nichtschwimmer gehört, man sieht auch Menschen schwimmen, aber diese Erfahrung fehlt. Man kann viel über das Schwimmen wissen, aber wie das ist, wenn man sich vom sicheren Boden abstößt, sich fallen lässt und spürt, dass man getragen wird, diesen Moment muss man selbst erleben! Nicht anders ist es beim Gebet! Erst ein paar Trockenübungen, doch irgendwann muss man der Kraft des Gebetes vertrauen und sich fallen lassen.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Das Land, wo Milch und Honig fließen…

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Das Land, wo Milch und Honig fließen…

Mit dieser Verheißung, liebe Leserinnen und Leser, beginnt unsere auf Wanderung begründete abendländische Kulturgeschichte im Morgenland. Der Aufbruch ins gelobte Land durch zahlreiche Entbehrungen. Ganz unterschiedlich können die Motive sein, der Traum vom besseren Leben, der in den letzten Jahrzehnten viele unserer Nachbarn bewogen hat, hier ihre Zelte abzubrechen und westwärts zu ziehen. Oder die Flucht vor Krieg, Misshandlung oder Tod. So wie bei jener Frau, nennen wir sie Maria.
Marias Eltern hatten sich bemüht, dass aus ihr etwas besseres als „nur“ Bäuerin wird. Sie sollte Lehrerin werden. Dann der Krieg, fremde Soldaten, nur durch Glück und einen leisen Schlaf ist sie nicht misshandelt worden. Flucht, innerhalb von Stunden ging es los. Erst in die eine Richtung, dann wieder zurück. Zwischen den Fronten, wieder in der Hand der Feinde. Dann Zwangsarbeit, schließlich ein Lichtblick. Endlich in Deutschland, Thüringen. Doch hier nur angefeindet: „Diese Habenichtse!“
Hier ganz unten, niedere Arbeiten; aber wenigstens ein Dach über dem Kopf, kein Krieg. Maria konnte wieder schlafen.
Siebzig Jahre ist das jetzt her. Maria hat geheiratet, Kinder bekommen & in der Landwirtschaft so verlässlich gearbeitet, dass sie jetzt noch dafür Anerkennung erntet. Maria ist dankbar; aber sie wird wohl nie vergessen wie es ist, als Heimatlose herumgetrieben und ungewollt zu sein.
Ich frage mich manchmal, ob es ihr wohl gelungen ist, dieses Gefühl auch an ihre Enkel und Urenkel weiterzugeben – und die damit verbundene Menschlichkeit.
Das Land, wo Milch und Honig fließen, es ist nicht an einem bestimmten Ort, sondern dort wo Menschen ihre Menschlichkeit bewahren. Lassen Sie uns unsere Heimat so ein Land sein!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

April 2015

Zeit

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Der Flugzeugabsturz in den Alpen hat uns, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche alle beschäftigt. Erst flüchtige Nachrichten; dann Gewissheit. Schließlich erste Meldungen zur Unfallursache und inzwischen Spekulationen über das „Warum?“

Das Leben so vieler Menschen ist jäh zu Ende, wieviele Pläne oder Träume sind damit vorbei! 150 Menschen sind gestorben, Sie aber leben. Ihnen ist noch Zeit geschenkt. Hat das eine Bedeutung? Für Sie? Für jemand anderen?

Wie gehen wir mit der Lebenszeit um? Mit unserer und mit der anderer Menschen: bereichern wir diese, oder vergeuden wir sie? Trauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende eines Tages zurückzublicken und sich Rechenschaft über die vergangenen 12 Stunden zu geben? Plätschert Zeit einfach oberflächlich dahin oder gelingt es, dem Leben Tiefe zu geben?

Vor uns liegt die Karwoche, sie sollte die ruhigste Woche des Jahres sein. Eine Woche, die uns die die Beschränktheit & Endlichkeit unseres irdischen Lebens vor Augen hält: Leiden, Tod, Sinnlosigkeit. Eine Woche, an deren Ende aber auch ein großes Versprechen steht: letztlich ist nicht die Lebenszeit entscheidend, sondern wie wir uns bemüht haben, dieser uns gesetzten Spanne Tiefe zu geben. Denn dann gibt es auch in unserem endlichen Leben Unendlichkeit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

März 2015