Mitmenschlich in Thüringen – Brief der Bischöfin an die Gemeinden

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Liebe Schwestern und Brüder in den Kirchengemeinden!

Die Situation in unserem Land hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Seit meinem letzten Brief an Sie im September scheint die Spaltung in unserer Gesellschaft noch größer geworden zu sein: Viele Menschen, auch in unseren Kirchengemeinden, engagieren sich für hier ankommende Flüchtlinge, leisten unkompliziert und bis an die Grenzen der eigenen Kraft Hilfe, leben eine großherzige Willkommenskultur. Mit großer Dankbarkeit lässt mich all das denken an die Worte Jesu im Evangelium des Reformationstages: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Zugleich wird auf unseren Straßen offen Hass und Gewaltbereitschaft demonstriert: Menschen gegenüber, die in unserem Land Schutz suchen, aber auch gegenüber denen, die sich für Hilfe- und Schutzsuchende einsetzen. Das ist bedrückend und alarmierend. Ich frage mich: Welche grundlegenden Werte für ein Zusammenleben in einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft sind jetzt besonders wichtig – unabhängig von politischen oder religiösen Überzeugungen, verbindlich und tragend für alle?
In diesen Tagen hat sich im Freistaat Thüringen ein breites Bündnis zusammengefunden, das einen grundlegenden Wert in den Mittelpunkt stellt: Mitmenschlichkeit. Unter der Überschrift „Mitmenschlich in Thüringen“ tritt dieses breite Bündnis aus allen Teilen der Gesellschaft ein für ein Thüringen der Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Die Erklärung dieses Bündnisses, die ich als Erstunterzeichnerin ausdrücklich unterstütze, füge ich diesem Brief bei. Die Regionalbischöfin und die Regionalbischöfe im Thüringer Bereich sowie zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter unserer Kirche unterstützen ebenfalls als Erstunterzeichner diese Erklärung und das Bündnis.
Für den 9. November ruft das Bündnis um 18 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Erfurter Domplatz auf. Ich bitte Sie herzlich, diese Erklärung und den Aufruf zur Kundgebung in Ihren Gemeinden bekannt zu machen und zu unterstützen. Bitte nehmen Sie an der Kundgebung am 9. November teil. Thüringen braucht ein starkes öffentliches Zeichen für Demokratie und Mitmenschlichkeit. Ich bitte Sie herzlich, dazu beizutragen, gerade an diesem Tag, an dem vor 77 Jahren Hass und Gewalt über Mitmenschlichkeit triumphiert haben! Gerade an diesem Tag, an dem vor 26 Jahren der friedliche Einsatz für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit zur Überwindung trennender Mauern und einem neuen Miteinander geführt hat! Treten wir heute als Kirche, als Kirchengemeinden und als einzelne Christinnen und Christen gemeinsam mit anderen für Mitmenschlichkeit, Vielfalt und Demokratie ein – im Namen der Barmherzigkeit, die Jesus verkündigt und gelebt hat!

Mit herzlichen geschwisterlichen Grüßen bin ich Ihre

Ilse Junkermann

Landesbischöfin
der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Erklärung Mitmenschlich in Thüringen
Mitmenschlich in Thüringen: Brief an die Gemeinden 9. Nov.15

EKM – Pressemeldung: Mitmenschlich in Thüringen

Reformationstag – Dialogpredigt im Gottesdienst

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Gottesdienst am Reformationstag

Reaktion auf diesen Gottesdienst

Am Reformationstag findet unser zentraler Gottesdienst in Herressen statt. In diesem Gottesdienst werden Vikar Neubert & Pfr. Robscheit miteinander streiten: Hat Luther Recht, wenn er sagt, es sei nicht nötig gute Werke zu tun? Oder hat er das gar nicht gesagt? Reicht allein der Glaube?

Lassen Sie sich überraschen!

Am Reformationstag, 31. Oktober 17:00 sind Sie ganz herzlich zum Gottesdienst nach Herressen eingeladen.

Die kleine Dorfkirche wird geheizt sein. Musikalisch wird der Gottesdienst am Reformationstag von Herrn Lindenborn an der Orgel ausgestaltet werden.

 

Hintergrund (Auszug aus der Pressemeldung der EKM)

Laut Überlieferung soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen zu den Themen Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Diskussion darüber herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation ein. Im Kern bestritt er die herrschende Ansicht, der Ablass sei die Voraussetzung, den Menschen von der Sünde zu erlösen.

Die Reformation hatte weitreichende Folgen. So ist es gemäß dem „Priestertum aller Gläubigen“ für evangelische Gemeinden selbstverständlich, dass auch Laien nach einer Ausbildung Gottesdienste halten können sowie Mitglied der Kirchenleitung sind. Außerdem werden Frauen zu Pastorinnen ordiniert. Unmittelbar mit der reformatorischen Bewegung ist das evangelische Pfarrhaus entstanden und Pfarrer gründeten Familien. Luther hatte selbst durch seine Heirat mit Katharina von Bora das Ende des Zölibates für die evangelischen Geistlichen eingeleitet. Weltlichen Bezug erlangte Luthers Wirken, indem er dafür gesorgt hatte, dass Kommunen eigene Sozialhaushalte bekamen.

Ein Christ auf dem Jakobsweg – ein besonderer Gottesdienst

Unter diesem Motto fand der ungewöhnliche „Zu Gast in…“ – Gottesdienst am 25. 10. 2015 in Hammerstedt statt. Torsten Christ berichtete auf sehr eindrucksvolle Weise von seiner Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg. Der Bericht war Information & Predigt zugleich (und dann mit 45 Minuten sicherlich eine der längsten Predigten, die bisher im Kirchspiel gehalten worden sind). Doch obwohl es in der Kirche kalt & die Bänke unbequem waren, verging die Stunde Gottesdienst wie im Flug. Mit etwa 50 Gästen war der Gottesdienst außerordentlich gut besucht.

Pfr. Robscheit hatte den knappen liturgischen Rahmen übernommen, I. Reimann begleitete die Gemeinde musikalisch auf der Hammond-Orgel.

Im Gemeinderaum für das anschließende Kaffeetrinken musste noch umgeräumt werden, damit schließlich alle Platz fanden & die Kaffeemaschinen liefen im wahrsten Sinne heiß. Aber schließlich fanden alle eine Sitzgelegenheit & konnte Kuchen & Kaffee genießen.

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Besonders emotional war, dass zwei der Pilger, die Torsten Christ auf dem Weg kennen gelernt hatte, von dem Gottesdienst erfahren hatten und aus Hamburg extra angereist waren.

Die Pilgerfahrt nach Santiago auf dem Jakobsweg dürfte zu den bekanntesten Pilgerzielen im Christentum gehören. Weitere Informationen über den Jakobsweg finden Sie hier:
Berichte über den JakobswegJakobsweg – Wikipedia
Deutsche Jakobswege
Jakobsweg – Info

Mehr über die „Zu Gast in…“ Gottesdienste erfahren Sie hier.

Ohne Identität?

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Ohne Identitästnachweis nach Deutschland einreisen – „Schon wieder Flüchtlinge!“, werden Sie, liebe Leserinnen & Leser jetzt vielleicht stöhnen. Aber Halt! Es geht um keine Flüchtlinge! Es geht um mich & natürlich auch um Sie!
Die Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern können, mit welchem Unbehagen man vor den wenigen passierbaren Grenzen der DDR gewartet hat: Zig mal überprüft, ob man alles dabei hat, dennoch die Angst, irgendetwas könnte passieren. Vielleicht weil man komisch guckt, oder der Zöllner gerade Ärger mit seinen Kindern hatte, es regnete oder gar die Sonne schien. Kennen Sie das Gefühl noch?
Können Sie sich vorstellen, wie es mir ging: Vor zwei Wochen habe ich in Italien plötzlich festgestellt, dass ich keine Papiere dabei hatte. Und ich wußte, dass in Bayern bei der Einreise kontrolliert werden würde. Ohne Identitätsnachweis an der Grenze! Wer bin ich? Bin ich in den Augen der Behörde überhaupt da?
Wieviel entspannter ist es da doch Gott gegenüber! Da brauchen wir keinen Ausweis, kein Zeugnis, da reicht es Mensch zu sein, es gilt Gottes Zusage: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein!“ Vor Gott können wir unsere Identität nicht verlieren & wir brauchen sie nicht zu beweisen.
„Und an der Grenze, was war da?“, werden Sie vielleicht fragen. Zunächst langes Warten im Stau. Ein mulmiges Gefühl, aber keine Angst. Vermischt mit Dankbarkeit, in einem Land leben zu dürfen, in dem Menschlichkeit ein Ideal ist und die Würde des Menschen vor allen Gesetzen kommt. „Irgendwie wird es schon gehen!“, versuche ich mich zu beruhigen. Dann schließlich der Grenzbeamte, frierend auf der halbseitig gesperrten Autobahn. Er schaut ins Auto, blickt mich an und winkt uns durch. Wer ihn wohl bewogen hat, so zu handeln?
Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Klage der EKM in Sachen Kommunale Kirchbaulasten

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Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)

Klage der EKM in Sachen Kommunale Kirchbaulasten vorerst gescheitert
Kirchen wollen Klärung vor dem Bundesverfassungsgericht

Die Klage der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gegen die Gemeinde Hochheim (Landkreis Gotha) in Sachen Kommunale Kirchbaulasten ist heute vor dem Verwaltungsgericht Weimar gescheitert. Das Gericht gab in der heutigen mündlichen Verhandlung eindeutig zu erkennen, sich in dem zeitnah ergehenden Urteil der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig vom Dezember 2008 anzuschließen. Danach seien vertragliche Baulastansprüche von Kirchengemeinden gegen Kommunen im Beitrittsgebiet mit der deutschen Einheit „untergegangen“. Damals ging es um einen Fall der Kommune Häselrieth (Hildburghausen). Die EKM wird nun nach Zugang des Urteils Berufung beim Oberverwaltungsgericht in Weimar einlegen. „Die abschlägige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar kommt nicht überraschend und ist für uns auch keine Enttäuschung“, sagt Oberkirchenrat Stefan Große, Finanzdezernent der EKM. „Wir streben eine Klärung vor dem Bundesverfassungsgericht an. Dafür müssen wir aber den Weg durch die Instanzen bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen.“

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25 Jahre Deutsche Einheit?

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25 Jahre Deutsche Einheit? „….jetzt auch noch im geistlichen Wort!“ – vielleicht stöhnen Sie so, liebe Leserinnen & Leser. An diesem Wochenende werden Sie an der 25 nicht vorbeikommen. Und wahrscheinlich werden Sie zwischen all den Sonntagsreden auch immer die finden, die in die schöne Einheits-Suppe spucken. So wie ich: Es gibt die Einheit doch gar nicht! Unterschiedliche Löhne werden gezahlt, die Arbeitsplätze sind ungleich verteilt & die Jugend wandert der Arbeit hinterher. Es lassen sich viele Punkte finden, die die große Unterschiede belegen, die es zwischen Bayern beispielsweise und Schleswig-Holstein gibt, ebenso auch zwischen Thüringen und Brandenburg, Hessen und Berlin. Sind damit Ungerechtigkeiten verbunden? Hin und wieder: ja! Sollten die ausgelichen werden? Ja! Soll alles einheitlich sein? Nein! Das Nebeneinander & miteinander Ringen bereichern uns! Oft ist das mühsam & mit Schwierigkeiten verbunden, aber es bewirkt Entwicklung. Das ist in unserem Land nicht anders als in der Kirche. Natürlich ist es manchmal schwierig, andere Frömmigkeiten neben sich zu tolerieren und es schmerzt, dass beim Abendmahl ein Riss durch die Christenheit geht. Aber dennoch (oder gerade deswegen?) sind wir alle Teil der Kirche Jesu Christi; einem Haus mit vielen Wohnungen! Wir Christen haben das in unserer Kirchengeschichte fast 2000 Jahre lang immer wieder neu lernen müssen & dürfen: eine Einheit in der Vielfalt zu sein; an diesem Wochenende mit der bescheidenen 25 wird uns vor Augen gehalten, dass wir auch ganz irdisch eine Einheit in der Vielfalt sind: als Thüringer, als Deutsche, als Europäer, als Mensch.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit