Archiv der Kategorie: geistliches Wort

Reformationsfest und Halloween

This entry is part of 85 in the series geistliches Wort
Reformationsfest und Halloween

Kaum ein Fest erregt die Gemüter so wie Halloween. Da sind auf der einen Seite die Kinder, die sich gruselig verkleiden wollen und um Süßigkeiten betteln. Und auf der anderen Seite die, die diesen Brauch ablehnen, entweder weil er aus Amerika kommt, weil er offensichtlich aus kommerziellem Interesse forciert wurde oder weil er für das ehrwürdige Reformationsfest Konkurrenz ist und dieses in den Hintergrund drängt. Selbst 2017!

Ich mag Halloween auch nicht. Allerdings, als Kinder sind wir auch bettelnd durch Eisenach gezogen. Nicht am 31. 10. sondern zu Luthers Geburtstag: Märzelmännchen hieß das. Dieser Brauch bezieht sich auf Luthers Schulzeit. Luther war damals mit anderen Schülern durch Eisenach gezogen, sie haben vor den Häusern gesungen und dafür etwas Geld oder Essen bekommen. Folgerichtig haben wir auch als Kinder gesungen, sonst gab es die begehrten Süßigkeiten nicht. Nicht viel anders als Halloween. Und gruselig war das auch – vielleicht unser Gesang, ganz sicher aber im Dunkeln bei irgendwelchen Fremden klingeln!

Liebe Leserinnen und Leser, wie halten Sie´s mit dem neuen Brauch? Wie positionieren Sie sich in diesem „Kulturkampf“? Gibt es Süßigkeiten, verkleiden sich Ihre Kinder oder Enkel? Oder ignorieren Sie die Klingel?

Für alle, die besorgt sind, dass unser wichtiger Reformationstag von Halloween verdrängt wird und so das Abendland wieder ein Stück weiter untergeht, eine wahre Begebenheit. Heute in der Grundschule: „Was feiert Ihr denn eigentlich zu Halloween?“, fragt die Lehrerin. Ein Erstklässler: „Na, dass Martin Luther die Thesen angenagelt hat!“

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 4.11.2017 in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Wo ist Merlot?

This entry is part 1 of 85 in the series geistliches Wort
Das ist, liebe Leserinnen und Leser, nicht die bange Frage nach Wein an einem lauen Sommerabend. Merlot ist ein Hühnerkücken, inzwischen in der Hühnerpubertät. Sein Nest war verlassen worden, das Ei schon ganz kalt, aber irgendwie hatte ich den Eindruck es ist noch Leben darin und so  habe ich mich darum gekümmert, als er geschlüpft war den Winzling  in einer Tasche am Körper getragen und ihn jeden Abend aus der Voliere ins Haus geholt. Wenn ich das mal vergessen hatte oder spät nach hause kam, stand er schimpfend an der Tür...
Und gestern war Merlot weg. Nirgendwo zu sehen. Ich bin zweimal durch die Voliere gegangen, alle anderen Vögel waren da. Aber kein Merlot. Sie können sich denken, wie traurig ich war. Wie sollte er herausgekommen sein oder ein Marder, Waschbär oder ähnliches hinein? Aber irgendwie mußte das Unheil ja passiert sein!
Es hat mir keine Ruhe gelassen. Ich hatte eigentlich genug zu tun. Doch alles andere blieb liegen, ich bin nocheinmal in die Voliere gegangen und habe buchstäblich jeden Stein umgedreht. Da habe ich ihn gefunden! In eine Mauerspalte war er voller Übermut hineingekrochen und nicht wieder herausgekommen. Die Freude war groß, bei mir und auch bei Merlot.
Auch uns, liebe Leserinnen und Leser, geht es manchmal wie Merlot. Aus irgendeinem Grund verkriechen wir uns in eine Ecke. Dann haben wir uns so ins Abseit manövriert, dass wir im übertragenen Sinne nicht mehr heraus kommen. Mir tut es da gut zu wissen, dass auch mich jemand suchen wird. Dass Gott mich nicht verloren gibt!

Ihr Th.-M. Robscheit

Gutes, das uns widerfährt

This entry is part 84 of 85 in the series geistliches Wort
Gutes, das uns widerfährt

Sanfter Wind, Blätterrauschen, ein paar Wölkchen, Sandstrand in der Sonne, Menschen, die im Schatten entspannen. Dazu plätschert unterhaltsam leise Klaviermusik. Als ich ankam hat mich lachend ein braungebrannter Mann begrüßt! So kann man das Leben genießen. Nein, liebe Leserinnen und Leser, ich bin nicht in einer Bar in der Karibik, ich bin an Gottes Gartenhaus! „Ach, Apolle“, werden Sie vielleicht enttäuscht denken: „Nichts Besonderes!“

Oder doch? Heute, am Montag, zwölf Uhr zur Andacht haben die Stühle nicht gereicht. Wie selbstverständlich sind immer mehr Menschen gekommen. Wir haben weitere Stühle hingestellt, aber auch die waren im Nu besetzt. Wieso war es für so viele Menschen ganz normal, zu einer Andacht zu gehen? Was ist hier anders als Sonntag 10:00 in einem der Dörfer unseres Kirchspieles?

Der Wind weht Fetzen des „Halleluja“ herüber. Die Menschen sind gelassen. Der Alltag ist für viele von ihnen irgendwo weit weg. Blumen, Blüten, man hört spielende Kinder. Und aus all dem erwächst das Bedürfnis zu verweilen, hier an Gottes Gartenhaus. Zu hören, zu singen, Gott zu danken.

Vielleicht fällt es vielen von uns schwer, an einem ganz normalen Sonntag den Alltag so weit hinter uns zu lassen, innerlich zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Nicht all das erledigen zu wollen, was in der Woche liegengeblieben ist (und was eigentlich auch noch weiter liegen kann). Hier an Gottes Gartenhaus ist das alles weit weg. Ingo spielt; die „Moldau“ schwingt durch die Seele. So einen Sonntag, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich Ihnen morgen. Dazu auch das Bedürfnis, dankbar zu sein für all das Gute, das uns im Leben widerfährt.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Was das wieder kostet!

This entry is part 83 of 85 in the series geistliches Wort
Was das wieder kostet!

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben diesen Satz auch schon gesagt oder zumindest gehört: „Was das wieder kostet! Muss das denn sein?“ Und oft ist die ehrliche Antwort: „Nein, das muss eigentlich nicht sein.“

Mir ging es so im Urlaub. Wir waren in Frankreich unterwegs, Paris war nicht so weit weg. Soll man da mal hinfahren? 70 km hin, 70 km wieder zurück? Einfach so, um durch die Stadt zu latschen? Von den fälligen Parkgebühren kann ich in Apolda eine Woche lang parken! Und beim Espresso hatte man den Eindruck, man kauft den halben Laden gleich mit. Muss das sein? – nein, muss nicht.

Es gibt unzählige weitere Beispiele, wo Geld einfach so ausgegeben wird, im privaten wie im öffentlichen Bereich: Die Gartenschau! War das nötig? Wohl kaum. Und das kostet nicht nur Geld. Denken Sie an die Zeit der ehren-und hauptamtlichen Mitarbeiter!

Muss das denn sein? – muss es nicht. Aber dieses unnötig ausgegebene Geld, die investierte Zeit ist keineswegs sinnlos vertan oder gar vergeudet! Denn das Leben gewinnt an Qualität. An die Besuche auf der Gartenschau werden sich die meisten noch Jahrzehnte erinnern und einen warmen Nachhall in Ihrer Seele spüren.

Ich kann Ihnen nur Mut machen: Vergeuden Sie hin und wieder Zeit oder Geld, es lohnt sich! Die Stunden mit meiner Frau in Paris werde ich sicherlich bis zu meinem Lebensende nicht vergessen. Das Geld schon.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erstmals veröffentlich in der Thüringer Allgemeinen, Weimarer Land; 22. 07. 2017

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

This entry is part 82 of 85 in the series geistliches Wort

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück

Ostern wird von uns oft in Verbindung gebracht mit dem Aufwachen der Natur nach dem Winter: Die Vögel sind eifrig dabei alles für den Nachwuchs vorzubereiten, Die ersten Blumen blühen, in den Weidenkätzchen summen die Hummeln. Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Ostern meint aber weitaus mehr, als nur das sichbare Erwachen der Natur zu neuem Leben. Ostern feiern Christen als das Fest: Der Sieg des Lebens über den Tod. Mühselig verpackt ist diese Botschaft, zu groß um sie in menschliche Worte fassen zu können. Das Leben.

Damals am Karfreitag in Jerusalem waren am Kreuz mit Jesus alle Hoffnungen jämmerlich zu Grunde gegangen. Lähmung, Trauer, Tod. Und schon hatte man sich damit abgefunden, der Leichnam sollte balsamiert werden.
Doch dann hat sich das Leben, die Hoffnung als viel stärker erwiesen, als alles Nierderträchtige dieser Welt, das Böse und der Egoismus: Jesus lebt!

Jesus lebt? Wo denn, werden Sie fragen, wo denn in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Hunger, Not, Lüge, Bosheit und Selbstsucht. Wo ist denn der Sieg des Lebens?
Er ist mittendrin: dort wo Menschen diese Hoffnung leben, wo sie sich vom Schlechten nicht erdrücken lassen, ankämpfen, dort grünt im Tale Hoffnungsglück.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest.

Reden hilft

This entry is part 81 of 85 in the series geistliches Wort
Reden hilft

Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie sich schon einmal über ein Behördenschreiben geärgert? Von der Renten- oder Krankenkasse, dem Ordnungs- oder Bauamt? Da sitzt einer sich den Hinter platt, hat von Tuten und Blasen keine Ahnung und mit einem schöden 0-8/15 Text wird mein berechtigtes Anliegen einfach abgebügelt? – so in etwa sind dann unsere Gedanken. Ein ähnlicher Fall ist mir in dieser Woche mit unserer kirchlichen Grundstücksverwaltung passiert und ich muss zugeben, die Gedanken & Worte in meinem Kopf waren nicht nur freundlich. Viel Arbeit für die Katz! Nun, was habe ich gemacht? Erstmal bin ich eine große Runde mit unserem Dackel gelaufen. Danach war ich etwas ruhiger. Das Problem aber war damit nicht gelöst. Einen bösen Brief schreiben?

Die Menschen am anderen Ende des Vorgangs  in einem Büro sind ja in aller Regel nicht bösartig, sondern haben eine andere, manchmal auch unvollständige Sicht auf die Sache. Am nächsten Tag habe ich im Amt angerufen und meine Sicht der Dinge dargelegt. Reden hilft! – Reden, nicht Vorträge halten. Das bedeutet, auch den eigenen Blickwinkel zu verschieben und die Ansichten des Gegenüber zu hören.

Reden hilft, liebe Leserinnen und Leser, auch dort, wo wir mit Gott und der Welt unsere Probleme haben. Dieses Reden nennt man Beten. Aber auch hier geht es nicht nur um Sprechen. Man muss auch zuhören können und das ist zugegebener Maßen etwas schwieriger, schwieriger vielleicht sogar, als von dem eigenen Standpunkt dann etwas abzurücken.

Also, liebe Leserinnen und Leser, bleiben Sie im Gespräch, mit Gott und der Welt!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

veröffentlich in der Ausgabe der Thüringer Allgemeinen
vom 01. 04. 2017

Abtauchen

This entry is part 80 of 85 in the series geistliches Wort
Abtauchen

Abtauchen: Wir verwenden das Wort meistens in Zusammenhang mit irgendwelchen dubiosen Gestalten, die sich der Polizei oder anderen, ebenfalls dubiosen, Gestalten entziehen wollen. Wir kennen das alles zur Genüge aus zahlreichen Krimis. Wir wissen auch, dass dieses Ansinnen nur dann erfolgversprechend ist, wenn möglichst alle Verbindungen gekappt & liebe Gewohnheiten aufgegeben werden. Kein Handy vor allem! Und dann weg, nichts mehr hören oder sehen!

Manchmal, liebe Leserinnen und Leser, ist es uns auch danach: einfach untertauchen, Abschalten & Ruhe finden, weil die Hektik, das Gezerre, die Anforderungen oder das Genöle um uns herum einfach alles zu viel ist. „Ach, wäre das schön!“, denken sie vielleicht mit einem Seufzer und fahren fort: „aber das geht ja leider nicht…“ – und Ihnen fallen viele Dinge ein, bei denen Sie unverzichtbar sind, wo es ohne Sie einfach nicht geht. Oder sollte das etwa eine Fehleinschätzung sein? Könnte ich doch verzichtbar sein & die Welt würde sich nicht aufhören zu drehen, wenn ich mal untertauche?

Sie wissen, wie die Antwort ausfallen muss (so schwer uns das zuzugeben auch fallen mag): ja, ich könnte eine Zeitlang untertauchen & die meisten würden das gar nicht bemerken.

Die meisten nicht, liebe Leserinnen und Leser, aber Sie & ihre Seele, die bemerken das Abtauchen in eine andere Welt sehr wohl! Sie werden beruhigt und gestärkt – und zurück an der Oberfläche sehen Sie manches mit anderen Augen oder ganz neu.

Einfach mal Abtauchen, in anderen Sphären schweben: Sie müssen dazu nicht bis ans Meer, keine weite Reise ist dafür nötig! Die Ruhe einer Kirche oder die Gemeinschaft beim Singen laden Sie dazu ein. Lassen Sie die Gedanken schweifen, atmen Sie tief und gleichmäßig – & vor allem: kein Handy!

Ihr Th.-M. Robscheit

veröffentlich in der Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 18. 02.2017

Zeit für einen Freund?

This entry is part 79 of 85 in the series geistliches Wort
Zeit für einen Freund?

Was machen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr Alltag durch eine schlechte Nachricht plötzlich in Frage gestellt wird? Wie setzen Sie Prioritäten, wenn Sie erfahren, dass ein Freund schwer krank ist?

Gehört es sich da nicht, alles andere hinten an zu stellen und einen Besuch zu machen? Doch was sagt man da? Wie verhält man sich, wenn einem das Elend des anderen ins Gesicht springt? Ich habe gestern so eine schlechte Nachricht erhalten: M. Ist schwer krank. Noch habe ich nicht angerufen und bin auch noch nicht auf dem Weg zu ihm. Was ist jetzt richtig? Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich seit Montag etwa 31 Stunden Sitzungen, Besprechungen und Verhandlungen hinter mir haben, 6 Stunden Gemeindebesuche, eine Trauerfeier und eine Hochzeit, ich werde diese und die Gottesdienste für Sonntag und Montag vorbereitet haben. Insgesamt etwa 60 Stunden „gute“ Gründe, sich um den schweren Gang zu drücken. Und jetzt am Wochenende? Jeden Tag mehrere Gottesdienste, keine Zeit, leider. Da kann ich nicht in den Thüringer Wald fahren um M. zu besuchen.

Merken Sie etwas, liebe Leserinnen und Leser? Es ist ganz einfach, sich um schwere Besuche herumzudrücken, einem Menschen nahe zu sein, dem das Leben übel mitspielt. Doch gerade da erweist sich Freundschaft, Liebe, Mitmenschlichkeit. Gerade da werden wir gebraucht, vielleicht  auch unser Glaube & unsere Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und greife jetzt mit einem mulmigen Gefühl zum Telefon.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 30. 11. 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Apolda

HAMSTERRAD-NEIN DANKE

This entry is part 2 of 85 in the series geistliches Wort

HAMSTERRAD-NEIN DANKE

Ein Hamsterrad sieht von innen auch aus wie eine Karriereleiter.“ Kennen Sie diesen Spruch? Ich habe ihn das erste Mal im Urlaub auf einer Internetseite gelesen und dachte bei mir: „Betrifft mich nicht und im Urlaub schon mal gar nicht“. Nun ist der Urlaub vorbei, die Kinder sind wieder in der Schule und ich merke, wie mein Rad sich wieder zu drehen beginnt. Die Termine häufen sich, die Aufgaben vervielfältigen sich und das Handy ist wieder mehr in der Hand als in der Jacke. Scheinbar betrifft mich dieser Spruch doch, obwohl ich gar keine Karriereleiter weiter besteigen möchte. Aber wenn ich aus der Karriere eine Alltagsleiter mache, dann stecke ich wohl mittendrin im Hamsterrad des Lebens. Kommt Ihnen das bekannt vor? Im Urlaub schwärmt man noch von der südländischen Gelassenheit und nimmt sich fest vor, diese beizubehalten. Man genießt die Ruhe in den Bergen oder am Meer und spürt wie sehr Körper und Seele diese Momente der Besinnung brauchen. Doch kaum ist der Alltag zurück, überfallen uns all die Verpflichtungen, Aufgaben und Alltagsarbeiten wieder. Eh man sich versieht, hat das Alltagshamsterrad einen fest im Griff. Der Wochenspruch für die kommende Woche lautet: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42, 3) Gott möchte nicht, dass unser Rad sich so schnell dreht, dass wir Schaden nehmen. Gönnen Sie sich doch ab und zu mal einfach eine Pause. In einer geöffneten Kirche zur Ruhe kommen, ein gutes Buch lesen (Ja, die Bibel ist zu empfehlen. Sie werden staunen wie viele gute Lebensweisheiten darin zu finden sind.) oder bei einem Spaziergang die Natur genießen. Halten Sie inne und sagen sich: HAMESTERRAD-NEIN DANKE. Gutes Gelingen wünscht

Ihr Torsten Christ (Lektor)

Der Beitrag erschien am 13. August 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Anmerkung: Torsten Christ ist ehrenamtlicher Lektor in unserem Kirchspiel

fester Grund

This entry is part 77 of 85 in the series geistliches Wort
fester Grund

„O tempora, o mores!“, diesen Ausruf Ciceros aus dem Jahre 70 v. Chr. möchte man in diesen Tagen wieder aus der Mottenkiste der Zitate hervorkramen! Was sind das für Zeiten, was für ein Verfall der Sitten! In wenigen Monaten ist vieles, was uns fest und unverrückbar erschien, ins Wanken geraten, bricht zusammen, die Welt ändert sich rasend schnell. Dazu kommt noch die von geistig Gestörten verbreitete Verunsicherung. Was sind das für Zeiten, was herrschen da für Sitten?

Aber ist das neu? Machen nur wir die Erfahrung der Verunsicherung? Nein, natürlich nicht. Und auch nicht jetzt plötzlich! Denn auch unser ganz normales Leben ist von Unsicherheit geprägt, oft unbewußt wird Unstetigkeit lebensbestimmend: die Arbeit, die Beziehung, das Ehrenamt, oft auch die politischen Überzeugungen, wie die letzten Wahlen gezeigt haben. Dabei sehnen wir uns nach Beständigkeit: auf welchen Fundamenten kann ich mein Leben aufbauen? Christus ist so ein fester Grund, ein Eckstein, auf den ich mein unsicheres Leben gründen kann. Da können die Stürme und Winde des Lebens kommen und zerren, da mag manches einbrechen: die Grundlage bleibt bestehen. Es gibt etwas, das nicht nur beständig ist, sondern worauf wir immer wieder aufbauen können, etwas das uns trägt, so wie es schon Unzählige vor uns getragen hat, die in weitaus unsicheren Zeiten bestehen mußten.

Th.-M. Robscheit

Juli 2016

 

Der Beitrag erschien am 23. Juli 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land