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Ein Nachmittag im Paradies

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Ein Nachmittag im Paradies

„Ist das nicht paradiesisch?“, wann haben Sie sich diese rhetorische Frage zum letzten Mal gestellt? Oft verbinden wir schöne Strände oder ruhige Sommertäler mit diesem Gedanken. Doch als mufflige Deutsche ist das „Aber“ gleich in unserem Kopf präsent: „Alles nur Schein, nur für Touries; die Ausbeutung der Einheimischen, das Ökosystem…“ Die Welt ist kein Paradies haben wir im Laufe unseres Lebens lernen müssen und jetzt misstrauen wir allem was paradiesisch zu sein scheint. Aber wie eine schwache Erinnerung, ein Nachhall aus einer längst vergessenen Zeit, gibt es in uns dennoch diese Sehnsucht: Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. Wir können sie nicht ergründen. Oft ein vages Gefühl nur. Doch dieses Sehnen kann uns Antrieb und Motivation sein, Visionen zu haben und diese Welt mit ihren Sorgen und Problemen zu einem besseren Ort für andere und für uns selber zu verändern.

Aber woher kommt die Kraft, immer wieder neu aufzubrechen? Woher der lange Atem gegen die Trägheit? Woher der Mut?

Aus dem Paradies! Wir leben nicht darin, nein, aber ein Stück davon können wir immer wieder erfahren! Wir müssen das nur zulassen & Pause machen; den Alltagstrott durchbrechen, ganz gleich ob der aus Arbeit, Arbeitslosigkeit, Schüler- oder Rentnersein besteht. Anhalten. Den lauen Sommerabend genießen, den Gesang der Nachtigall, einen Film, ein Buch oder die fröhliche Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ein Nachmittag im Paradies gibt Mut für viele Tage Alltag.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

Der Beitrag erschien am 11. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Was kommt nach dem Tod?

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Was kommt nach dem Tod?

Liebe Leserinnen & Leser!

„Was kommt nach dem Tod?“, diese Frage beschäftigt uns um den Ewigkeitssonntag, oder wie viele auch sagen: Totensonntag, herum besonders. Welche Antwort geben wir uns selber, wie reagieren wir auf die Frage von Kindern? Kaum ein Vater wird auf die Frage seines Kindes, wo denn nun die verstorbene Oma sei antworten: „Die haben wir erst verbrannt, dann die Asche in eine kleine Dose gefüllt und diese vergraben.“ Keine Mutter wird ihren Sohn versuchen zu trösten: „Der Opa liegt im Sarg, zwei Meter tief eingegraben, dort kann er in Ruhe verrotten!“ Sondern die Antwort läuft fast immer darauf hinaus zu sagen, die Oma sei jetzt im Himmel und schaue auf ihr liebes Enkelchen hinab. Paradoxerweise wird dieses Bild auch von eigentlich Nichtgläubigen verwendet! Der Gedanke dahinter: wenn ein Mensch stirbt, kommt unmittelbar darauf seine Seele in den Himmel.
Jesus ist da anderer Meinung (Joh. 5,24ff).
Es ist keineswegs so, dass der Tod ein seeliges Tuch des Vergessens über unser Handeln im Leben breitet. Alles was wir tun oder lassen hat Folgen, manchmal nebensächlich, schnell vergessen, manchmal sehr weitreichend. Immer werden wir dabei auch schuldig werden.
Wir haben keinen Anspruch auf ein schönes Leben & auch nicht auf den Himmel danach!

Beides kann uns nur geschenkt werden; so ernsthaft sollte man auch zu seinen Kindern sein.

 

Ihr Th.-M. Robscheit

November 2015

Requiem in Apolda

Requiem von W. A. Mozart

Am Volkstrauertag hat die Kirchengemeinde Apolda unter der Leitung ihres Kantors Mike Nych das Requiem von Mozart aufgeführt. Die Aufführung wurde mit einer Schweigeminute und stillem Gebet eröffnet. Die Musik und deren gekonnte Inszenierung wirkten an diesem Tag noch ergreifender, als es bei dem Requiem ohnehin der Fall ist.
Am Ende wurde nicht geklatscht. Das war ausdrücklich so gewünscht worden; doch still die Kirche zu verlassen, war nicht einfach. Denn obwohl die Aufführung ein Gottesdienst ist, eine Totenmesse, versinkt die Musik nicht in bodenloser Trauer, sondern führt den Hörer im Glauben aus der Finsternis ins Licht. Für dieses von Trauer & Fassungslosigkeit geprägte Wochenende war diese Aufführung der tröstliche Kontrapunkt. Für mich ein Sieg der Kultur über die Barbarei!

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Mitwirkende

Heike Hardt (Frankfurt/Oder) – Sopran
Cornelia Rosenthal (Leipzig) – Alt
Thomas Seidel (Dresden) – Tenor
Stefan Puppe (Weimar) – Bass

Kantorei Apolda
Universitäts- und Studentenchor der FSU Jena
Akademisches Orchester Erfurt e.V.

Leitung: Mike Nych

Hintergrund

Zu den bedeutenden Chorprojekten der Apoldaer Kantorei zählt in diesem Jahr die Einstudierung und Aufführung des Requiems von W. A. Mozart (KV 626). Am Volkstrauertag wird es um 17.00 Uhr in der Lutherkirche erklingen. Das Requiem, die Vertonung der Totenmesse, ist Mozarts Schwanengesang und zählt zu seinen beeindruckendsten Kompositionen. Viele Mythen und Legenden ranken sich darum.

Mozart selber konnte es vor seinem Tod nur etwa zu zwei Dritteln fertig stellen. Die Komposition wurde von seinem Schüler Xaver Süßmayr im Auftrag von Mozarts Witwe fertig gestellt.

Weiterführende Informationen zum Werk finden sie bei Wikipedia.

Zeit

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Der Flugzeugabsturz in den Alpen hat uns, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche alle beschäftigt. Erst flüchtige Nachrichten; dann Gewissheit. Schließlich erste Meldungen zur Unfallursache und inzwischen Spekulationen über das „Warum?“

Das Leben so vieler Menschen ist jäh zu Ende, wieviele Pläne oder Träume sind damit vorbei! 150 Menschen sind gestorben, Sie aber leben. Ihnen ist noch Zeit geschenkt. Hat das eine Bedeutung? Für Sie? Für jemand anderen?

Wie gehen wir mit der Lebenszeit um? Mit unserer und mit der anderer Menschen: bereichern wir diese, oder vergeuden wir sie? Trauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende eines Tages zurückzublicken und sich Rechenschaft über die vergangenen 12 Stunden zu geben? Plätschert Zeit einfach oberflächlich dahin oder gelingt es, dem Leben Tiefe zu geben?

Vor uns liegt die Karwoche, sie sollte die ruhigste Woche des Jahres sein. Eine Woche, die uns die die Beschränktheit & Endlichkeit unseres irdischen Lebens vor Augen hält: Leiden, Tod, Sinnlosigkeit. Eine Woche, an deren Ende aber auch ein großes Versprechen steht: letztlich ist nicht die Lebenszeit entscheidend, sondern wie wir uns bemüht haben, dieser uns gesetzten Spanne Tiefe zu geben. Denn dann gibt es auch in unserem endlichen Leben Unendlichkeit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

März 2015

Zeit & Ewigkeit

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War das ein guter Tag? Fragen Sie sich das, liebe Leserinnen und Leser, auch manchmal? Und was macht eigentlich einen Tag zu einem guten Tag und wann ist ein Tag vergeudet?
Solche Fragen, sollten wir Menschen uns hin und wieder stellen, damit wir uns selber überprüfen können! Viel zu viel vergeht nämlich im täglichen Einerlei und wenn wir nicht aufpassen, können das die wichtigen Dinge in unserem Leben sein! In dieser Woche zum Beispiel habe ich einen älteren Mann, nennen wir ihn Krause, zum Geburtstag besucht. Ein treues Gemeindeglied und obwohl es schon recht spät und ich einigermaßen erledigt war, habe ich mir die halbe Stunde Zeit genommen. Endlich! Herr Krause war schwer erkrankt, natürlich wollte ich ihn unbedingt besuchen, doch den Besuch habe ich von einen Tag auf den anderen, dann auf die nächste Woche usw. verschoben. Irgendwas kam immer dazwischen.
Ich vermute, liebe Leserinnen und Leser, das geht Ihnen oft genauso. Aber besonders jetzt, vor dem Ewigkeitssonntag wird uns bewusst, dass wir nicht alles nur verschieben können, weil unsere Zeit und auch die unserer Mitmenschen begrenzt ist.
Wird das heute ein guter Tag, ein wichtiger, oder ein vergeudeter für Sie werden? Sie können sich jetzt gleich nach dem Lesen der Zeitung entscheiden!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

November 2013

Trauerfeier

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Liebe Leserinnen und Leser,
Am Wochenende werden mit Ernst angesichts der Verstorbenen, um die wir trauern, Gräber besucht. Wir Christen erwarten das ewige Leben, warum sind wir traurig? „Ja, soll eine Trauerfeier etwa lustig sein?!“, werden Sie mich fragen. Nicht lustig, aber fröhlich! Ich habe das schon erlebt! Es ist viele Jahre her. Eine alte Frau war gestorben, die Kinder und Enkel haben den Leichnam drei Tage aufgebahrt und Totenwache gehalten. In dem mit Kerzen geschmückten Raum war immer irgendeiner aus der Familie da. Jeder konnte so ganz persönlich Abschied nehmen. Dann am dritten Tag habe ich die Familie abgeholt und wir sind mit dem Sarg in die Kirche gezogen. Die Trauerfeier war auf eine befreiende, im Wortsinn wunderbare Weise sehr würdig – und fröhlich.
„Es hat nicht jeder die innere Größe, so Abschied zu nehmen!“, werden sie mir entgegnen. Und zum Teil muss ich Ihnen auch recht geben, aber eben nur zum Teil. Es ist eine Frage der Einstellung, ob eine Trauerfeier mit einer Tasse Kaffee „schnell noch hinterher“, abgehakt wird, oder ob die Hinterbliebenen dem Verstorbenen eine FEIER ausrichten. Das ist weniger eine Frage des Geldes, als vielmehr, ob man sich Gedanken macht und das Schmerzliche des Abschieds, der immer auch Abschied von einem Teil des eigenen Lebens ist, zulässt und durchlebt. Wir haben eine lange Tradition von Riten, die helfen, eine Trauerfeier würdig zu gestalten. Predigt, Gebet, Musik und Gesang (!) gehören dazu und auch der Leichenschmaus. Wahrscheinlich hat es jeder von Ihnen schon erlebt, wie dann das Leben den Tod zurückdrängt:: es werden lustige Geschichten erzählt.
Eine Bitte zum Schluss: Wenn Sie „Abschied ist ein scharfes Schwert“, zum Abschied spielen wollen, achten sie vorher auf den Text und überlegen sich, ob es das ist, was Sie Ihrem Verstorbenen mit auf den letzten Weg geben wollen.
Ihr Th.-M. Robscheit

November 2011

die halbe Ewigkeit

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Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich meinen Rechner anschalte, dauert es eine halbe Ewigkeit, bis die Kiste endlich betriebsfähig ist. Vielleicht kennen sie das auch: es rauscht und rattert, Dioden blinken. Noch schlimmer ist es mit dem Internet. Wahrscheinlich wird das halbe Moorental beim Lesen aufstöhnen. Besonders, wenn ich Bilder ins Internet hochladen will, ist ein Ende oft nicht abzusehen. Das dauert noch viel länger, als das Hochfahren des Computers; 3/4-Ewigkeit?
Was ist das eigentlich, Ewigkeit? Und ergeben zwei halbe Ewigkeiten eine ganze? Heißt Ewigkeit soviel wie zeitlich unendlich?, oder nur unfassbar? Ist Zeit eigentlich unendlich? Oder hat sie irgendwann begonnen und hört irgendwann wieder auf? Ist Ewigkeit dann das vor und nach der Zeit?
Das sind, liebe Leserinnen und Leser, gedankliche Spielereien, die mir beim Thema Ewigkeit einfallen. Doch dahinter verbirgt sich ein ernster Kern. Am Sonntag ist Ewigkeitssonntag, eigenartigerweise sagen fast alle Totensonntag. Offensichtlich verbinden viele Menschen mit dem Begriff Ewigkeit Tod. Ist der Tod ewig? Das irdische Leben ist es jedenfalls nicht! Da rinnt einem die Zeit manchmal nur so durch die Finger, wie soll man das bloß alles schaffen? (denken Sie daran, Weihnachten ist auch bald! Geschenke besorgen, husch, husch!)
Zurück zu meinem Computer: Wenn es dann besonders schnell gehen muss, ist mein Rechner der Meinung, bevor er mir meine e-Mails zeigt, braucht er erst noch ein paar Updates, ein bisschen Viren-Prüferei und eine umfangreiche Sicherungskopie sind auch erst noch dran – es dauert und dauert, eine halbe Ewigkeit eben. Man hat Zeit zum Nachdenken: Was ist Ewigkeit, was ist das, in das wir uns mit dem Tod hineinbegeben? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau, aber eines ist gewiss, Ewigkeit ist zeitlos es gibt kein Gehetze, das haben wir hier im irdischen Leben, hier ist alles begrenzt, auch unsere Zeit. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere Zeit zu vergeuden oder sinnvoll zu nutzen. Wofür haben Sie sich heute entschieden?

Ihr Th.-M. Robscheit

November 2010

„Verdammt lang her, verdammt lang“

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„Verdammt lang her, verdammt lang“, manchmal kommt Musik, die ich in meiner Jugend gehört habe, mir wieder zu Bewußtsein. Ich nehme die Platte (so alt bin ich nun schon, daß ich noch Schallplatten besitze) aus dem Regal. Erinnerungen. BAP 1984 „Von drinne noch drussen“. Heiß begehrt damals. Schon eine Ewigkeit seitdem vergangen. „verdampt lang her“, wie Niedecken singt.
Ohne daß die Platte läuft entstehen Melodie und Text in meinem Gedächtnis, ja selbst das ganz typische Knistern vermeine ich zu hören. So lange her. Ich lese die Titel und bleibe am letzten hängen: “Ahn ´ner Leitplank”.
Ein zu bunter Blumenstrauß neben der Leitplanke, Rest von Sand kaschieren die Ölspur. Verkehr pulsiert als wäre nichts geschehen. 1984. Wie alt mag der Fahrer des verunglückten Wagens gewesen sein? 18, vielleicht auch zwanzig. Ein kurzer Aufschrei damals, den niemand gehört hat, eine Sekunde Unaufmerksamkeit und all die Jahre, die uns heute von 1984 trennen, gab es für diesen Mann nicht mehr. Jäh abgerissen die Pläne, ausgeträumt der Traum vom erfolgreichen Gitarristen; zerplatzt wie eine Seifenblase: die Wolke auf der er mit seiner Freundin kuscheln wollte. Verwaist die Eltern; allein die Kumpel, denen er ein verläßlicher Freund war. Er wäre heute 38 Jahre, hätte vielleicht selber Kinder. Würde sich Sorgen um deren Ausbildung machen und wäre unruhig, wenn sie abends erst spät nach hause kommen. Vielleicht wäre er gar nicht Gitarrist geworden, sondern Zimmermann oder Bäcker. Vielleicht hätte die Wende ihn in die Politik verschlagen oder er würde in Afghanistan helfen. Vielleicht wäre er ein guter Vater gewesen, vielleicht hätte er kaum Zeit für seine Familie. Vielleicht. Möglichkeiten eines Lebens, die mitten in der Nacht an einer Leitplanke 1984 endeten.
„Er hatte doch das ganz Leben noch vor sich!“ Fassungslos müssen wir immerwieder hinnehmen, daß Menschen zu früh sterben, Lebensfäden abgerissen werden, Träume und Möglichkeiten des Lebens plötzlich ausradiert sind. „Verdammt lang her, verdammt lang!“ Ich selber als Jugendlicher. Welche Tagträume: Schriftsteller, Schauspieler, Journalist oder Herausgeber einer Zeitung! Und jetzt, fast zwanzig Jahre später? Auch in meinem Leben sind Träume und Möglichkeiten verschwunden. Nicht zerschellt an einer Leitplanke, sondern im langsamen Fluß der Zeit versunken. Geopfert oder über Bord geworfen. Man muß sich entscheiden!
1984 in einer regnerischen Nacht: „er hatte doch sein Leben erst noch vor sich!“. – Aber was hatte er dann hinter sich? Ich atme, spüre wie kalte Luft aus dem geöffneten Fenster in meine Lungen strömt, merke eine Kraft in meiner Brust: Ich lebe! Und plötzlich ist mir klar: Nicht die Länge gibt einem Leben Sinn, sondern die Tiefe.

Th.-M. Robscheit, November 2003