Schlagwort-Archive: fatalismus

fester Grund

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fester Grund

„O tempora, o mores!“, diesen Ausruf Ciceros aus dem Jahre 70 v. Chr. möchte man in diesen Tagen wieder aus der Mottenkiste der Zitate hervorkramen! Was sind das für Zeiten, was für ein Verfall der Sitten! In wenigen Monaten ist vieles, was uns fest und unverrückbar erschien, ins Wanken geraten, bricht zusammen, die Welt ändert sich rasend schnell. Dazu kommt noch die von geistig Gestörten verbreitete Verunsicherung. Was sind das für Zeiten, was herrschen da für Sitten?

Aber ist das neu? Machen nur wir die Erfahrung der Verunsicherung? Nein, natürlich nicht. Und auch nicht jetzt plötzlich! Denn auch unser ganz normales Leben ist von Unsicherheit geprägt, oft unbewußt wird Unstetigkeit lebensbestimmend: die Arbeit, die Beziehung, das Ehrenamt, oft auch die politischen Überzeugungen, wie die letzten Wahlen gezeigt haben. Dabei sehnen wir uns nach Beständigkeit: auf welchen Fundamenten kann ich mein Leben aufbauen? Christus ist so ein fester Grund, ein Eckstein, auf den ich mein unsicheres Leben gründen kann. Da können die Stürme und Winde des Lebens kommen und zerren, da mag manches einbrechen: die Grundlage bleibt bestehen. Es gibt etwas, das nicht nur beständig ist, sondern worauf wir immer wieder aufbauen können, etwas das uns trägt, so wie es schon Unzählige vor uns getragen hat, die in weitaus unsicheren Zeiten bestehen mußten.

Th.-M. Robscheit

Juli 2016

 

Der Beitrag erschien am 23. Juli 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

eigentlich

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Eigentlich,

liebe Leserinnen und Leser, wollte ich längst fällige Gartenarbeit verrichten. Doch dann kam ein Besuch dazwischen, den ich eigentlich schon letzte Woche machen wollte. Das hatte aber nicht geklappt, denn ein geplantes Gespräch hatte sich verschoben.

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie oft wir das Wort „eigentlich“ verwenden? “Eigentlich ist die Stelle genau richtig für Sie…“, den Satz brauchen wir gar nicht zu Ende hören, denn wir wissen sofort, dass es nicht mit der Bewerbung geklappt hat.

Nun raten Sie mal, ob „eigentlich“ in der Bibel vorkommt? – fällt Ihnen eine Stelle ein? In der Erzählung vom Paradies vielleicht: “ Eigentlich ist es im Paradies ganz nett, aber Adam und Eva wollten lieber…“? Oder bei Jesu Taufe: „Du bist eigentlich mein lieber Sohn…!“?
Doch andererseits wird in der Bibel wird von Menschen berichtet, Ihrem Glauben, Hoffen und auch Versagen: ein Spiegel unserer Realität, Jahrtausende später. Also eigentlich müßte… Richtig! Das Wort taucht durchaus im Text auf. Je nach Übersetzung schwankt die Zahl allerdings. So lesen wir beispielsweise: „Eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben; denn der Herr wird dich reich segnen in dem Land“ (Dtn. 15,4). Aber wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser in welchem Zusammenhang „eigentlich“ nie vorkommt?

Dort wo es um Gottes Verhältnis zu uns Menschen geht. Dort sind Ausflüchte oder Beschönigungen nicht nötig! Gott liebt Dich, Du bist sein liebes Kind, ganz ohne Einschränkungen.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

April 2016

Der Beitrag erschien am 16. April 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Als gäbe es kein morgen mehr…

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Liebe Leserinnen & Leser!

Erinnern Sie sich an den Weltuntergang Ende 2012? Der Maya-Kalender ist ausgelaufen, und manch einer vermutete dahinter ein geheimes Wissen um das Ende der Welt. War aber nicht so, die Erde drehte sich weiter, die Mayas hätten, so wie wir am 31. 12., einen neuen Kalender begonnen. Anders als bei uns gibt es in diesem Kalendarium neben den einzelnen Jahren auch 50-Jahres Abschnitte. Ein weiterer Unterschied ist, dass am Jahresende 10 kalenderlose Tage vorgesehen sind. Damit wird u.a. auch das Schaltjahr ausgeglichen. Zehn besondere Tage, die als gefährlich empfunden wurden. Da war der Gedanke an ein Weltende also auch nicht völlig abwegig. Solche besonderen Tage erleben wir auch gerade! Diesen Eindruck muss man jedenfalls haben, wenn man heute (Freitag) Mittag in Weimar oder Apolda unterwegs ist: Die Leute kaufen ein, als gäbe es am Montag nichts mehr.
Aber, liebe Leserinnen & Leser, tatsächlich erleben wir gerade 10 besondere Tage! Eigenartigerweise spielen sie im christlichen Feiertagskalender aber keine Rolle. Es sind die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr unter seinen Jüngern, und der Heilige Geist ist noch nicht auf sie gekommen. Das ist doch durchaus eine kritische Zeit!? So ohne göttlichen Beistand!
Warum werden diese Tage nicht als eine bedrohliche, gar gottverlassene, Zeit begangen? Besonders ruhig zum Beispiel?
Ganz einfach, wir sind nicht gottverlassen! Himmelfahrt und Pfingsten erklären, wie die irdische Wirksamkeit Jesu ein zeitliches Ende fand, und wie es dazu kam, dass aus einem verängstigten kleinen Häuflein, in kürzester Zeit eine gewaltige religiöse Bewegung entstand. Aber ganz gewiss sind sie nicht Anzeichen eines baldigen Weltunterganges! Sie können, den Samstag also genießen, am Montag werden die Geschäfte auch wieder öffnen.

Ihr Pfr. Robscheit

Mai 2015

Zeit

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Der Flugzeugabsturz in den Alpen hat uns, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche alle beschäftigt. Erst flüchtige Nachrichten; dann Gewissheit. Schließlich erste Meldungen zur Unfallursache und inzwischen Spekulationen über das „Warum?“

Das Leben so vieler Menschen ist jäh zu Ende, wieviele Pläne oder Träume sind damit vorbei! 150 Menschen sind gestorben, Sie aber leben. Ihnen ist noch Zeit geschenkt. Hat das eine Bedeutung? Für Sie? Für jemand anderen?

Wie gehen wir mit der Lebenszeit um? Mit unserer und mit der anderer Menschen: bereichern wir diese, oder vergeuden wir sie? Trauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende eines Tages zurückzublicken und sich Rechenschaft über die vergangenen 12 Stunden zu geben? Plätschert Zeit einfach oberflächlich dahin oder gelingt es, dem Leben Tiefe zu geben?

Vor uns liegt die Karwoche, sie sollte die ruhigste Woche des Jahres sein. Eine Woche, die uns die die Beschränktheit & Endlichkeit unseres irdischen Lebens vor Augen hält: Leiden, Tod, Sinnlosigkeit. Eine Woche, an deren Ende aber auch ein großes Versprechen steht: letztlich ist nicht die Lebenszeit entscheidend, sondern wie wir uns bemüht haben, dieser uns gesetzten Spanne Tiefe zu geben. Denn dann gibt es auch in unserem endlichen Leben Unendlichkeit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

März 2015

schon wieder?!

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„Schon wieder!“, werden die regelmäßigen Leser des geistlichen Wortes vielleicht denken, wenn sie meinen Namen unter dem Artikel lesen. „Schon wieder Robscheit!“, das kann gequält sein wie: „Schon wieder Montag & früh aufstehen!“
„Schon wieder!“, kann aber auch fröhlich, erwartungsvoll sein: „Schon wieder Wochenende, schon wieder Zeit, in der ich etwas unternehmen kann, was mir gut tut!“
Es ist „schon wieder Wochenende!“. Was werden Sie sich Gutes tun? In den Veranstaltungshinweisen dieser Zeitung finden Sie viele Anregungen. Vielleicht stoßen Sie auch auf unser Gemeindefest, denken dann womöglich sogar anstelle von „schon wieder“, „endlich wieder!“ und wir sehen uns am Sonntag im Carolinenheim. Mich würde es freuen!

Übrigens, geht es mir wie allen, die etwas in dieser Zeitung schreiben: Ihr „schon wieder!“ ist hoffentlich freudig und erwartungsvoll und nicht gelangweilt!

Ihr Th.-M. Robscheit

Juni 2014

Altwerden ist nichts für Weicheier

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„Altwerden ist nichts für Weicheier“ – mit diesem Zitat aus dem Film „Elegy oder die Kunst zu lieben“ grüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, an diesem Maiwochenende. Der großartige Ben Kingsley spricht diesen Satz als alternder Literaturprofessor Kepesh aus. Und vor allem von älteren Menschen wird dieser Satz als richtig empfunden. Gleich drei Bücher mit ähnlichem Titel sind auf dem deutschen Buchmarkt, der bekannteste Autor ist dabei wohl Blacky Fuchsberger: „Altwerden ist nichts für Feiglinge“. Es gehört eine ganze Portion Mut dazu, das Alter mit der selben Selbstverständlichkeit, und damit Würde, zu leben, wie die jungen Jahre. Erst jetzt, wo ich selber die vierzig deutlich überschritten habe, beginne ich zu erahnen, welche großen Herausforderungen das Altsein in einer auf Jugend und Geschwindigkeit getrimmten Welt darstellt. Je jünger man ist, desto weniger kann man sich vorstellen, das für manches die Kraft fehlt, Schmerz allgegenwärtig sein kann oder drei Leute zum Kaffee einen unglaublich anstrengen. Aber einen großen Vorteil hat das Alter der Jugend gegenüber: Die Probleme der Jugend hat man alle auch schon kennen- und im Laufe des Lebens auch relativieren gelernt. Man muss nicht mehr jeder (technischen) Mode hinterherlaufen, weil man weiß, dass ein i-Pad z.B. zwar ein schönes und sicherlich auch nützliches Spielzeug ist, aber lebenswichtig ist es nicht

So grüße ich Sie, besonders die Jubelkonfirmanden, die am Sonntag ihre Diamantene Konfirmation feiern: Seien Sie keine Weicheier!

Ihr Th.-M. Robscheit
Pfr. in Kapellendorf

Mai 2012

Fatalismus

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Liebe Leserinnen und Leser,

es ist sonnig nur wenige Schäfchenwolken am Himmel, meine Hängematte schaukelt leicht im Wind hin und her. Irgendwo zwitschert eine Amsel und eine Hummel brummt laut durch die Luft. So läßt sich das Leben genießen. Leider ist diese Urlaubsidylle in wenigen Stunden vorbei. Die Pflicht ruft; Arbeit, die sich nicht verschieben läßt und die auch kein anderer übernehmen konnte, ruft mich vorfristig in den Alltag zurück. Spätestens morgen früh fünf Uhr ist der Urlaub zu Ende und ich sitze wieder im Auto. Wahrscheinlich werden die meisten von Ihnen diese Situation kennen und nachvollziehen können, wie das ist, wenn die Ferien oder der Urlaub sich dem Ende neigt. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie mir das als Schüler immer ging. Egal ob Sommer- oder Winterferien, die letzten drei, vier freien Tage konnte ich nicht mehr genießen und oft habe ich schlecht geschlafen, weil ich mir bereits zu viele Gedanken und Sorgen wegen der Schule gemacht habe. „Wie willst Du das bloß schaffen?“, habe ich mich mehr als einmal gefragt, wenn ich an Latein, Russisch oder die deutsche Rechtschreibung dachte. So habe ich mir so manchen schönen Tag selber mies gemacht. Und das alles ohne wirklichen Grund!
Doch irgendwann gab es dann mal den Augenblick, als solche Ängste auch wirklich begründet waren, als nämlich die erste Prüfung an stand, bei der es tatsächlich um ex oder hopp ging: Hebräisch. Mit dieser Sprache bin ich nie wirklich warm geworden und so war ich mir keineswegs sicher, dass ich das Hebraicum bestehen würde; ohne Hebraicum aber könnte ich Theologie nicht weiter studieren und dann auch nicht Pfarrer werden… Damals hatte ich wirklich Anlass, schlecht zu schlafen!
Manche beten besonders in solchen Situationen, ich auch. Da schenkte mit Gott die nötige Gelassenheit, und mir wurde ein Gedanke tröstlich: wie auch immer die Prüfung ausgehen würde, ein Jahr später wäre dieser Ausgang der Prüfung für mich normal und ein Teil meines Lebens, das mir von Gott geschenkt wurde. Ein gewisses Maß an Fatalismus macht mir das Leben leichter: Gott hat einen Plan mit mir, mein Leben hat Sinn und Ziel. Seit dem konnte ich nicht nur allen Prüfungen mit viel größerer Gelassenheit entgegen sehen sondern auch an anderen Wendepunkten des Lebens verzehrte ich mich nicht mehr mit Selbstzweifeln.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und bei allen Entscheidungen, die Sie treffen müssen, das nötige Gottvertrauen, dass er Sie den richtigen Weg leiten wird.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit aus Kapellendorf

PS: Meine Hebräisch-Prüfung habe ich übrigens beim ersten Versuch mit passablem Ergebnis bestanden.

 

Januar 2009