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Wie lange ist Weihnachten?

This entry is part 71 of 85 in the series geistliches Wort
Wie lange ist Weihnachten?

 

Liebe Leserinnen & Leser!

„Wie geht’s Ihrem Weihnachtsbaum?“
„Der ist längst weg!“, sagen die einen, die anderen haben sich das für dieses Wochenende vorgenommen. Nur der Stern und die Lichterketten bleiben noch hängen – doch das hat oft weniger mit dem Gefühl für den Festkalender zu tun, als mit persönlicher Bequemlichkeit!
„Ja, wie lange ist denn Weihnachten?“ – werden Sie fragen. Die Antwort darauf ist aber keineswegs so einfach (vgl. Kirchenjahr). Auf alle Fälle vom 25. 12. bis zum 6.1., darin sind sich alle Christen einig. Nach katholischen Brauch geht die Weihnachtszeit dann aber noch bis zum Sonntag nach Epiphanias (10.1.). Nun kommt das Aber: in der katholischen Tradition endet die Weihnachtszeit bis 1970 erst am 2. 2.; für die Protestanten am letzten Sonntag nach Epiphanias (der sich wegen des Osterfestes jährlich verschiebt, in diesem Jahr 17.1.).

„Und nun?“. Vielleicht ist der Plan, am Wochenende den Baum abzuschmücken und in Ruhe alles wieder schön einzupacken, gar nicht schlecht: Weihnachtsmusik, ein bißchen Wehmut & etwas Vorfreude. auf nächstes Jahr.

Genug geschrieben, ich werde jetzt meinen vorletzten Stollen buttern! Und der Stern wird nächste Woche abgenommen! Da ist die Weihnachtszeit endgültig vorbei!

Geschafft!

This entry is part 70 of 85 in the series geistliches Wort
Geschafft!

Woran denken Sie, liebe Leserinnen & Leser, wenn Sie dieses Wort lesen?
Geschafft! – Ich habe gerade den Einkauf erledigt & während mein Sohn noch die Kisten & Beutel aus dem Auto schleppt, sitze ich und schreibe diese Zeilen. Wir haben etwas abgearbeitet, es ist ein bißchen so, wie am Ende eines Films. Doch anders als im Kino, wartet im echten Leben schon die nächste Etappe, an deren Ende wir wieder „Geschaftt!“ freudig rufen oder auch nur leise murmeln. Oft bemerken wir dabei gar nicht, wie wir selber geschafft sind, erledigt & ausgelaugt. „Wie soll man sich davor schützen in dieser hektischen Zeit?“, fragen Sie vielleicht.
Der vierte Advent steht bevor, ein Sonntag. eine Einladung! Eine Einladung, nichts zu schaffen & nicht geschafft zu werden, sondern die Seele zu pflegen, innezuhalten, die hektische Oberfläche des Lebens zu verlassen und neue Kraft in der Tiefe zu finden. In der Musik, im Gottesdienst, beim ziellosen Bummeln.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Das geistliche Wort erscheint in der Regel in der Samstagsausgabe der Thüringer Allgemeinen und wird von verschiedenen kirchlichen Mitarbeitern verfaßt.

Advent

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Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.

Kennen Sie diese Zeilen, liebe Leserinnen & Leser? Ein Adventsgedicht? Ja, richtig.
Advent, was ist das doch für eine schöne Zeit! So beschaulich, viel Kerzenschein, man sitzt ganz ruhig und genießt die ruhigen Nachmittage. Isst Stollen und liest ausgiebig, möglichst am warmen Ofen. Schön, einfach nur schön!
„Schön wär´s!“, werden wohl einige von Ihnen jetzt wehmütig denken. Was nicht alles gerade jetzt noch erledigt werden muss! Und da sind die privaten Vorbereitungen bei manchen noch der geringste Teil! Das Adventsgedicht oben, was bedient das doch für ein albernes Klischee: der friedliche, ruhige Advent. In Wirklichkeit wird doch nochmal richtig aufgedreht!
Kann man sich dagegen wehren? Wo doch von allen Seiten Erwartungen an einem zerren werden? Kann es uns gelingen, nicht nur getrieben zu sein? Es ist doch illusorisch, in den Wochen vor Weihnachten die ganze Zeit entspannt und besinnlich zu sein!
Die ganze Zeit schon, aber jeden Tag 30 Minuten? Wäre das auch unrealistisch? Ganz bewusst den Alltag durchbrechen? Sich Zeit zu nehmen für Schönes, Besinnliches, Nachdenkliches oder auch Provozierendes!
Ich werde es jedenfalls versuchen. Meine Frau bekommt einen Adventskalender, in dem jeden Tag ein Teil eines Krimis versteckt ist. Jeden Tag 30 Minuten gemeinsam Kaffeetrinken und diese Geschichte vorlesen. Kein Telefon, keine Termine! Ob ich das durchhalte? Am 24. abends bin ich schlauer!
Ach, und das Gedicht von der heilen Adventswelt? Geben Sie einfach die erste Zeile in eine Suchmaschine ein, lassen sich den Stollen schmecken und genießen wie großartig man mit Klischees aufräumen kann. – Schon haben Sie Ihren Alltagstrott für ein paar Minuten durchbrochen!
Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

November 2014

Singt dem Herren ein neues Lied, denn er tut Wunder!

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Als ich den Wochenspruch für die neue Woche gelesen habe, musste ich sofort an manchen Gesang im Gottesdienst denken: wenn es wenigstens mit den alten Liedern klappen würde…, an neue Lieder will man da gar nicht denken! Wie oft muss der Pfarrer versuchen, durch Lautstärke mangelnden Gemeindegesang auszugleichen, was allerdings nicht zwangsläufig die Qualität des Gesanges anhebt. Es gibt einen alten Pfarrerwitz, den schon die Generation meines Großvaters erzählt hat: Die Pfarrer eines Kirchenkreises treffen sich zu einer Besprechung, die mit einer Andacht anfängt: „Liebe Schwestern und Brüder, wir schlagen im Gesangbuch die Nummer 288 auf und brüllen gemeinsam Vers 5…“ Aber Spaß beiseite, mir scheint es manchmal so, als würde eine unserer wichtigsten Kulturtechniken, das Singen nämlich allmählich immer mehr verloren gehen. Selbst am Heiligen Abend ist es in immer weniger Familien üblich gemeinsam vor der Bescherung zu singen. Mich stimmt das traurig. Hilflos und verwundert aber macht es mich, wenn ich dann in Gesprächen erfahre, dass genau den Menschen, die nicht mehr singen, das Singen am Weihnachtsbaum eigentlich gut gefällt und sie bedauern, dass das nicht mehr üblich ist. Das ist doch paradox! Warum singen sie dann nicht?
Richtig ärgerlich werde ich allerdings, liebe Leserinnen und Leser, wenn zu eigener Bequemlichkeit dann noch dreiste Forderungen kommen. So ging es mir vor einigen Jahren am Heiligen Abend in Kapellendorf. „Man hat Sie heute gar nicht singen hören, Herr Pfarrer.“, sprach mich einer der typischen Weihnachtschristen mit leicht vorwurfsvollem Tonfall nach dem Gottesdienst an. „Sie dafür das ganze Jahr nicht!“, hätte ich am liebsten darauf geantwortet, aber es war ja Heilig Abend & als Pfarrer soll man nicht frech sein & so murmelte ich nur etwas von drei Gottesdiensten und dass die Stimme dann irgendwann eben nicht mehr so will.
Ganz ähnliche Verhaltensmuster begegnen mir auch immer wieder in Zusammenhang mit Trauerfeiern. Die Veranstaltung heißt ja nicht umsonst TrauerFEIER, es soll würdig und feierlich sein. Und dazu gehört Gesang. Es soll der Kirchenchor singen. ok. Aber ein Chor besteht aus Leuten, die gerne singen und erheblich Freizeit dafür investieren, oft genug auch noch Geld um einen Chorleiter zu bezahlen. Und da liegt der Hase im Pfeffer! Die selben Leute, die erwarten, dass ihre Feier besonders gut und festlich wird, sind nicht bereit ihrerseits beispielsweise im Chor mitzusingen. Die immer wieder gleiche Antwort: „.. (ich wette, liebe Leserinnen und Leser Sie wissen, was hier stehen müsste! Und Sie wissen auch, dass dies fast immer ein Vorwand ist)“. Was soll man dazu sagen? Eigentlich kann man doch nur resignieren!

Singt dem Herren ein neues Lied, denn er tut Wunder! – ja!, denn auch das gibt es: kleine Kirchgemeinden, die erstaunlich gesangesfreudig sind. Da singt im Gottesdienst die ganze Gemeinde laut mit, und auch Besucher aus anderen Gemeinden lassen sich dann anstecken. Wenn ich mich dann, selber oft erbaut -um diesen altmodischen Begriff zu verwenden- nach dem Gottesdienst mit den Besuchern unterhalte spüre ich ganz deutlich, dass das eigene Singen nicht nur den Gottesdienst für alle schöner, sondern auch spiritueller gemacht hat. Singen öffnet die Seele und hilft Freude oder Kummer auszudrücken. Ich kann Sie nur ermuntern, auf die Kraft des Gesanges zu vertrauen. Vielleicht nehmen Sie den morgigen Sonntag mit dem Namen Kantate, auf Deutsch: Singt!, zum Anlass endlich wieder aus vollem Halse zu singen: unter der Dusche, beim Spaziergang oder im Gottesdienst!
Singt dem Herren ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit aus Kapellendorf

Mai 2009