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Terror und Schmerz

This entry is part 74 of 85 in the series geistliches Wort
Terror und Schmerz

 

„Soll man sich jetzt an den Terror gewöhnen?“, diese Frage, liebe Leserinnen und Leser wird angesichts der Ereignisse gestellt. „Werden Ungerechtigkeit, absichtlich zugefügtes Leiden und egoistische Willkür denn niemals aufhören?“ Dabei hatten doch alle gehofft, jetzt würde endlich eine friedlichere Zeit anbrechen, noch vor wenigen Tagen wurde laut gejubelt, jetzt steht man am Grab. Völlig sinnlos, unschuldig zu Tode gekommen. Die Freunde Jesu waren verzweifelt. „Müssen wir uns an den Terror gewöhnen?“, fragen sie. Ja, das mussten sie. Es brach kein Friedensreich auf dieser Erde an. Über die Jahrhunderte bis in unsere Tage werden Menschen niedergemetzelt von Verblendeten, Egoisten, Größenwahnsinnigen und Ignoranten. In Kriegen, Anschlägen und imperialen Strukturen. Oft schauen wir weg, verstecken uns oder wollen das Elend nicht wahrhaben. Den Jüngern ging das damals ebenso, nur wenige haben den Schmerz getragen und sind am Kreuz geblieben.

Doch trotz allen Schmerzes, aller Trauer, aller Unsicherheit und aller Angst sind sie nicht verzagt, denn sie haben erfahren, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass Ideale nicht durch Gewalt vernichtet werden können und die Idee einer friedlichen und gerechten Welt trotzig aus jedem Trümmerhaufen mit neuer Kraft hervorbricht.

Diese österliche Lebenskraft wünsche ich Ihnen gerade angesichts des Schmerzes dieser Welt

 

Ihr Th.-M. Robscheit
Karfreitag 2016

 

Der Beitrag erschien am Karsamstag 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Karsamstag

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Wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser,
der heutige Samstag spiegelt Ihnen Ihr Leben: Alles, was in der Karwoche hinter uns liegt, haben die allermeisten auch schon selber erlebt: Das nicht nur vom Fußball bekannte: „Hosianna, der Messias ist da!“ Und dann das Brüllen der selbe Meute: „Kreuzige ihn!“, wenn Erwartungen und eigene Projektionen nicht erfüllt werden. Wir haben große Feste erlebt, mussten mit Enttäuschung, vollmundigen Versprechen und mit Verrat in unserem Leben schon zurecht kommen. Und wir haben alle schon traurig an Gräbern gestanden. Wir erleben Leid und politisches Taktieren, wo es nur vordergründig um Recht und Gerechtigkeit geht, sondern in erster Linie um Macht, Einfluss und Geld. So sieht unser Leben aus, am Karsamstag.
Was machen Sie heute? Ein schöner freier Tag um das Liegengebliebene zu erledigen, als Vorbereitung auf die nächste Woche mit Verrat, Enttäuschung, Machtspielchen und Tod, auf die nächste Karwoche Ihres Lebens? Oder fällt dieser eine Samstag aus dem Rahmen? Geben Sie ihm Raum für Fragen und Unsicherheiten: „Ist die vergangene, immer wiederkehrende Woche alles in meinem Leben? Oder erwarte ich mehr, erwarte etwas, das den Alltagstrott sprengt?“ Erwarten Sie Ostern!

Ihr Th.-M. Robscheit

April 2014

Alles nur Worte

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Sitzen Sie gemütlich? Schmecken Kaffee und Brötchen (ich hoffe, Sie können beides beim Lesen der Zeitung gerade genießen!)?  Was werden Sie nach dem Frühstück tun, wie verbringen Sie den Ostersamstag? (An der Stelle höre ich förmlich meine Chefin rufen: „Karsamstag!“ – wahrscheinlich denkt sie auch noch etwas, dass ich lieber nicht schreibe.)
Wir verstehen die ganze Aufregung nicht. Vielleicht fällt Ihnen jetzt auch noch die Geschichte eines Pärchens ein, die am Ostersonnabend heiraten wollen und irgendein Pfarrer hat Ihnen dann einen Strich durch die Rechnung gemacht und gesagt, das ginge nicht. Äußerst ärgerlich! Zumal man kaum ein besseres Wochenende finden kann: Freitag frei und Montag auch noch! „Weil man Karsamstag nicht heiratet!“, hat der bloß gesagt und sich von den freien Tagen gar nicht beeindrucken lassen.
Karsamstag, Ostersamstag, – wo soll da schon der Unterschied sein? Sonnabend vor Ostersonntag eben. Und letztlich, was soll die Kümmelspalterei, es sind doch nur Worte!
Nur Worte? Nur Wörter vielleicht, aber gewiss nicht nur Worte! Wörter findet man im Duden und sie sind da einfach nur alphabethisch aufgeschrieben, ohne Sinn. Worte dagegen haben nicht nur Sinn, sondern sie drücken auch immer eine Wertung aus: Wenn Politiker von Nachbessern reden, wollen sie dem Hörer weißmachen, etwas Gutes könne jetzt sogar noch besser werden. So gibt es dann Nachbesserungen im Gesundheitswesen, oder bei Hartz IV. Selbst an den durchweichten Elbedeichen musste an einigen Stellen „nachgebessert“ werden. In Wirklichkeit müssen aber schlimme Patzer und Fehler korrigiert und gefährliche Löcher gestopft werden, doch das zu sagen hört sich irgendwie so negativ an, deswegen wird es schön geredet. Alles nur Worte? Nein, werden Sie mir zustimmen, die Wortwahl zeigt sehr deutlich, wes Geistes Kind der Sprecher ist.
Nicht anders ist das bei Karsamstag und Ostersamstag. Karsamstag ist ein Tag der Besinnung, der Trauer, der Reflektion auf das eigene Verhalten. Jesus ist gekreuzigt worden, weil die Menge „Kreuzige ihn!“ gerufen hat. Gestorben und begraben. Aus und vorbei. Dabei war das alles so voller Ideale gewesen: Menschlichkeit, Vertrauen, Hilfe für sozial Benachteiligte, Kinderfreundlichkeit. Das wollte keiner hören, also weg mit diesen Ideen! Karsamstag: die Besinnung. Was hätte vielleicht sein können? Welche Ideale haben wir ans Kreuz geschlagen? Was ist aus unseren Ideen von Freiheit, von einer gerechten Gesellschaft, von einem besseren Land für unsere Kinder geworden? Ans Kreuz geschlagen aus Bequemlichkeit, aus so genannten Sachzwängen und aus Biertischmentalität, die über alles schimpft und selber keinen Finger rührt.
Und Ostersamstag? Ostersamstag ist Augenwischerei, ist das typische: alles-gar-nicht-so –schlimm-Denken. „Ideale?, „Kreuzige ihn!“, das haben doch andere gerufen!“ Wer von Ostersamstag redet, den erkennt man als oberflächlich, der hat Karfreitag nicht verstanden und kann Ostern nicht erleben.

So wünsche ich Ihnen einen ruhigen Karsamstag, der bei allem Tun genug Raum lässt, dass Sie sich fragen können: „Was ist aus mir geworden, meinem Beruf, meiner Ehe, meinen Freunden oder Hobbys? Wo hat die Zeit oder Trägheit dicke tödliche Schichten abgelagert und wie Stein verhärtet? Wo sind die Gräber meiner Ideale?“
Und dann liebe Leserinnen und Leser, habe ich die Hoffnung, dass auch Ostern wahr werden kann: Gräber brechen auf, Ideale erwachen zu neuem Leben und Ihnen wächst neuer Mut.
Ihr Pfarrer Robscheit aus Kapellendorf
April 2006