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Technik

This entry is part 64 of 84 in the series geistliches Wort

Sie kennen das auch, liebe Leserinnen & Leser, die vielen kleinen, praktischen Helferlein im Alltag. Gestern bei Figaros Hochzeit musste ich wieder daran denken: Die Leichtfüßigkeit des Alltages der Bediensteten gab es nur in der Oper. Im richtigen Leben war deren Leben ebenso mühevoll, wie das aller anderen einfachen Leute. Allein die Reinigung der Kleidung ist mit heute gar nicht mehr vergleichbar: Rüschen & Spitze mußten ständig abgetrennt & wieder angenäht werden, Gewaschen wurde mit dem Waschbrett („Was bitte ist das?“, fragen jetzt die Jüngeren) und das Wasser selber mußte auch geschleppt und im Kessel erhitzt werden. Waschmaschine, Trockner & Geschirrspülmaschine sind schon tolle Erfindungen. Und das Auto! Telefon nicht vergessen! Und den Computer…
Sie merken, uns fallen dutzende Geräte ein, durch die unser Leben einfacher wird; aber sie machen auch abhängig. So eine Situation wird im Alten Testament beschrieben: Die Israeliten sind Sklaven des ägyptischen Pharao, wie sind sie dazu geworden? Es wird nicht von einem Krieg berichtet, nein, sondern Generationen früher war es bequemer, sich in ägyptische Abhängigkeit zu begeben. Heute sind wir in der gleichen Situation: wir geben aus Bequemlichkeit stückchenweise unsere Freiheit auf. Wie zu allen Zeiten, reden sich die Betroffenen das dann selber schön, um die bittere Wahrheit zu verdrängen; denken Sie an „Biedermann und die Brandstifter“! Und heutzutage? Am deutlichsten wird das beim bedenkenlosen Umgang mit der Computertechnik, vor allem von Leuten, die nicht wirklich davon Ahnung haben. „Bei facebook und whatsapp sind Sie nicht der Kunde, sondern die Ware“, so kürzlich ein Mahner. Wie nennt man das, wenn Menschen zur Ware werden?
Ob Gott uns wieder einen Mose schickt, oder sollten wir mündig genug sein, unsere Freiheit nicht leichtfertig aufzugeben?

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

August 2015

Musik

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Liebe Leserinnen und Leser,

sicherlich ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass in der Advents- & Weihnachtszeit die Menschen auch eine besondere Sehnsucht nach Musik haben. Damit meine ich natürlich nicht das Gedudel auf Weihnachts- oder Supermärkten! Es gibt zu keiner anderen Zeit im Jahr so viele Konzerte und sie werden auch nie so gut besucht! Selbst in manchmal recht kalten Kirchen!
Manch einer kramt seine Platten oder CDs durch und erinnert sich an Tage, als er mehr Zeit hatte. Sich hinsetzten und eine LP in aller Ruhe von beiden Seiten anhören. Ich habe das genossen. Aber heute? Oder erinnern Sie sich an das Stöbern in den Sammlungen auf Märkten?
Ach, das gibt es alles nicht mehr, werden Sie stöhnen: die Zeit am Nachmittag nicht und auch nicht die Plattentische auf den Weihnachtsmärkten.
Aber manchmal kann man ja auch von der internetbegeisterten Jugend lernen: Das Kramen gibt es immer noch, für den Anfang probieren Sie mal youtube! Wenn Sie „Rennsteiglied“ und „acapella“ eingeben, finden Sie gleich als ersten Treffer einen Kleinod. Und passend natürlich zur Adventszeit immer noch mit Gänsehaut-Garantie: „Händel halleluja flashmob“. Und die Zeit? Die haben Sie, nehmen Sie sie sich!

Ihr Th.-M. Robscheit

Dezember 2013

die halbe Ewigkeit

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Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich meinen Rechner anschalte, dauert es eine halbe Ewigkeit, bis die Kiste endlich betriebsfähig ist. Vielleicht kennen sie das auch: es rauscht und rattert, Dioden blinken. Noch schlimmer ist es mit dem Internet. Wahrscheinlich wird das halbe Moorental beim Lesen aufstöhnen. Besonders, wenn ich Bilder ins Internet hochladen will, ist ein Ende oft nicht abzusehen. Das dauert noch viel länger, als das Hochfahren des Computers; 3/4-Ewigkeit?
Was ist das eigentlich, Ewigkeit? Und ergeben zwei halbe Ewigkeiten eine ganze? Heißt Ewigkeit soviel wie zeitlich unendlich?, oder nur unfassbar? Ist Zeit eigentlich unendlich? Oder hat sie irgendwann begonnen und hört irgendwann wieder auf? Ist Ewigkeit dann das vor und nach der Zeit?
Das sind, liebe Leserinnen und Leser, gedankliche Spielereien, die mir beim Thema Ewigkeit einfallen. Doch dahinter verbirgt sich ein ernster Kern. Am Sonntag ist Ewigkeitssonntag, eigenartigerweise sagen fast alle Totensonntag. Offensichtlich verbinden viele Menschen mit dem Begriff Ewigkeit Tod. Ist der Tod ewig? Das irdische Leben ist es jedenfalls nicht! Da rinnt einem die Zeit manchmal nur so durch die Finger, wie soll man das bloß alles schaffen? (denken Sie daran, Weihnachten ist auch bald! Geschenke besorgen, husch, husch!)
Zurück zu meinem Computer: Wenn es dann besonders schnell gehen muss, ist mein Rechner der Meinung, bevor er mir meine e-Mails zeigt, braucht er erst noch ein paar Updates, ein bisschen Viren-Prüferei und eine umfangreiche Sicherungskopie sind auch erst noch dran – es dauert und dauert, eine halbe Ewigkeit eben. Man hat Zeit zum Nachdenken: Was ist Ewigkeit, was ist das, in das wir uns mit dem Tod hineinbegeben? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau, aber eines ist gewiss, Ewigkeit ist zeitlos es gibt kein Gehetze, das haben wir hier im irdischen Leben, hier ist alles begrenzt, auch unsere Zeit. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere Zeit zu vergeuden oder sinnvoll zu nutzen. Wofür haben Sie sich heute entschieden?

Ihr Th.-M. Robscheit

November 2010

Sarrazin

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Liebe Leserinnen und Leser!

Nein, ich habe das Buch nicht gelesen – wie übrigens die meisten Menschen nicht-, deswegen schreibe ich auch nicht über Herrn Sarrazin. Fast kommt mir dieser Satz schon merkwürdig vor. Es gibt ja kaum noch eine Zeitung, in der sich nicht mindestens ein Kommentar mit dem „Fall Sarrazin“ beschäftigt. Der Normalbürger staunt nur über die Wellen der Aufmerksamkeit. Da bemühen sich alle um politische Korrektness Besorgten Ihre Empörung zu äußern, auf der anderen Seite wird unter vorgehaltener Hand meistens kommuniziert, dass ja doch was dran ist an Sarrazins Thesen. Und um das alles zu klären, gibt es fast jeden Abend eine Talkshow mit Herrn Sarrazin.

Fällt Ihnen etwas auf? Obwohl ich nicht darüber schreiben will, taucht der Name Sarrazin bisher schon fünf mal in diesem Text auf! Was passiert da eigentlich?
Wir leben in einer Medienwelt und ohne es zu merken, werden wir in den Strudel aus Meldungen und Dementis hereingezogen. So etwas wie Objektivität hat es vielleicht noch nie gegeben, jetzt wird aber ganz systematisch die öffentliche Meinung beeinflußt.
Eine Diskussion ist angestoßen worden, gleichzeitig soll aber auch ein Buch verkauft werden. Wir verdrängen oft, dass auch schlechte Presse und laute Empörung in der Öffentlichkeit gehört werden und Auswirkungen haben. Ohne die vielen Interviews und das lautstarke Aufregen, würden nur ein Bruchteil der Bücher verkauft werden.

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Diskussion mit unserer Tochter, als die erste „Körperweltenausstellung“ in Deutschland stattfand. Ich habe diese Ausstellung abgelehnt, weil ich den Umgang mit den Leichen für nicht menschenwürdig halte. Diese Ablehnung brachte mir den Vorwurf ein, man müsse sich doch wenigstens die Ausstellung ansehen, um sich ein Urteil erlauben zu können. Meine Erwiderung damals: „Wenn ich mir die Ausstellung überhaupt ansehe und Eintritt bezahle, dann unterstütze ich das doch schon. Die Rechnung der Macher geht dann doch auf, denn sie verdienen ihr Geld!“ Ganz ähnlich verhält sich das mit so vielen Dingen, die in der Öffentlichkeit großen Wirbel verursachen. Wie können wir damit umgehen? Alles totschweigen oder ignorieren? Sie werden mir recht geben, auch das kann keine Lösung sein.

Oder erinnern Sie sich an Frau Hermann, die mit ihren Thesen zur Rolle der Frau für Wirbel gesorgt hatte? Ihr war gedankliche Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen worden und es fand jene berühmte Sendung bei J.-B. Kerner statt, die mit Ihrem „Rauswurf“ endete. Das alles war eine absolut unqualifizierte Diskussionsrunde, besonders Frau Schreinemakers fiel durch besonders empörtes Verhalten und wenig Sachverstand auf. Erinnern Sie sich? Das interessanteste an der Runde war aber gar nicht die Diskussion. Die Sendung wurde aufgezeichnet und erst einige Stunden später ausgestrahlt. Bereits 20:00 kam die Meldung, dass es bei Kerner zu einem Eklat gekommen sei und Frau Hermann aus der Sendung geworfen worden ist. Die Folge: besonders hohe Einschaltquoten.

Drei Beispiele, liebe Leserinnen und Leser, die zeigen, wie sehr wir als Spielball mißbraucht werden sollen. Trittbrettfahrerei bei echten oder inszenierten Skandalen dienen oft nicht der Sache, sondern dem Geldbeutel der Beteiligten. Manch eine Diskussion ist nichts anderes als intellektuelles Wrestling: das Ergebnis steht fest, der Kampf ist Show und alle Beteiligten verdienen ihr Geld.
Oft hilft die Antwort auf eine einfache Frage: qui bono – wem nützt es? Und dann entscheidet unser Gewissen, wo es nötig ist gegen Unrecht zu schreien – und wo man besser schweigt. Halten Sie Augen & Ohren offen!

Ihr Th.-M. Robscheit
Kapellendorf

September 2010