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Lehmann

This entry is part 48 of 84 in the series geistliches Wort

Teil 1) – die beiden Beiträge erschienen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden.

Liebe Leserinnen und Leser,
„Herr Lehmann“, klingelt da was bei Ihnen? Kommt Ihnen der Name bekannt vor? „Lehmann? Ja, da war doch was!“, werden manche von Ihnen denken. „Herr Lehmann“ jener sehr lesenswerte Roman von Sven Regener, ein Stimmungsbild der Jugend in Westberlin kurz vor und zur Wendezeit! Richtig, aber diesen Herrn Lehmann meine ich nicht.
„Ach, Herr Lehmann!“, jetzt kommen die von Ihnen zum Zug, die beim Neujahrsempfang dabei waren und sich an die Rede von G. Unger erinnern: „DER Herr Lehmann, den niemand zu kennen scheint, weil er nicht im Licht der Öffentlichkeit steht!“ – aber auch diesen Herrn Lehmann meine ich nicht. „Nun machen Sie es nicht so spannend, es gibt noch Dutzende Herr Lehmänner!“, werden manche jetzt genervt stöhnen.
Genau, das ist das Problem. Dutzende. Alle mit dem gleichen Namen, für uns verschwinden sie in der grauen Masse der unzähligen Lehmänner. Und oft kommen wir uns selber so vor: Anhand unseres Namens, Wohnortes, Berufes, Autos oder Einkaufverhaltens werden wir in Schubladen gesteckt und mit einem Etikett versehen: „Lehmann?, noch einer?! Der Nächste bitte!“ Ganz anders vor Gott: „Ich habe Dich mit DEINEM Namen gerufen, Du bist mein!“ verspricht er uns. Im Leben und im Tod sind wir für ihn einzigartig, verschwinden nicht namenlos in der grauen Masse oder auf der grünen Wiese, ganz gleich, ob wir nun Schulze, Müller oder eben Lehmann heißen.

Ihr Th.-M. Robscheit

PS: Welchen Herrn Lehman ich nun eigentlich meine, wollen Sie wissen: Nächste Woche an dieser Stelle mehr dazu!

 

Teil 2)

Also wieder Herr Lehmann. Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser? Letztes Wochenende die Geschichte mit den Lehmännern und um welchen es eigentlich geht? Manche von Ihnen haben mich im Lauf der Woche angesprochen: „Sie meinen bestimmt Jens Lehmann, den Fussballer!“ Aber auch den meinte ich nicht. Es geht um DEN Herrn Lehmann, den Sie als treue TA-Leser kennen: der Drahthaardackel Herr Lehmann (diese Vermutung hatten übrigens auch manche von Ihnen). Nun ist es so, dass bei uns eine Dackeldame lebt und diese wird immerzu für Herrn Lehmann gehalten! „Guck mal, da ist Herr Lehmann!“ so hörten wir letztes Jahr auf dem Töpfermarkt in Weimar gleich dutzende Mal. Wenn wir in Apolda unterwegs sind, ist es nicht viel anders.
Wie ist das bei uns Menschen? Wenn wir verwechselt werden, dann ist das irgendwo zwischen lustig und peinlich. Aber wenn man uns dauernd für jemanden hält, der wir nicht sind, ja wenn genau das gar erwartet wird, sind die Probleme schon vorprogrammiert! Frust, Enttäuschung, Krankheit womöglich. Das kann auf Arbeit sein, weil der Chef aus Bequemlichkeit, mangelnder Kompetenz oder schlechter Menschenkenntnis gar nicht darauf achtet, was für Arbeitsklima und Motivation wichtig wäre: „Sie können das doch gut, machen Sie das mal“ oder man hört ganz verwundert: „Ihnen macht das doch Spass!“
Aber ebenso passiert das im ganz Privaten: eine alleinerziehende Mutter sucht all das, was sie an Liebe, Zuneigung und Unterstützung braucht bei ihrem Kind und überfordert den Jugendlichen damit. Ein junger Mann kennt seine Freundin ganz genau und weiss, wie lustig sie seine Spässe findet. Doch dann fällt er aus allen Wolken, wenn die Frau sich eines Tages frustriert verabschiedet.
Wir selber machen uns Bilder von Menschen projezieren unsere Erwartungen auf andere und sind dann enttäuscht, wenn unsere Vorstellungen nicht erfüllt werden. Ich möchte Ihnen Mut machen, ent-täuschen Sie selber, vor allem sich! Schauen Sie genau hin und fragen nach, damit für Sie nicht jeder Dackel Herr Lehmann ist.

Ihr Th.-M. Robscheit

Michael

This entry is part 38 of 84 in the series geistliches Wort

Heute ist ein besonderer Tag, lieber Leserinnen und Leser!

Michaelistag! Heute wird des Erzengels Michael gedacht, einer der wenigen Tage im Jahr, der auch die evangelische Kirche einen Namenspatron hat. Einen besonderen Gruß deswegen an alle Michaels und Michaelas und an die Großromstedter, denn ihre Kirche trägt Michaels Namen!

Wie die meisten biblischen Namen hat auch Michael eine Bedeutung und lässt sich ins deutsche übersetzten: „Wer ist Gott?“

Dieser Engel Michael entspricht aber keineswegs dem Bild, das wir oft von Engeln haben: kleine niedliche Putten. Nein, Michael ist ein Kämpfer, er ist bewaffnet. Michael wird mit dem Schwert oder Spieß dargestellt. In der Bibel, genauer gesagt in der Offenbarung des Johannes, wird beschrieben, wie der Engel mit dem Drachen, der sinnbildlich für den Teufel, das Böse, steht kämpft. Nach der Überlieferung ist er es auch, der vor dem Paradies Wache hält, Michael steht Daniel bei, Israel am Schilfmeer und dem Mose. Dieser Engel steht für den Kampf des Guten gegen das Böse – und für den Sieg des Guten. Nicht nur die Michaels und Michaelas dieser Welt, können den Engel in diesem Kampf unterstützen, sondern jeder von uns kann & soll auf seine Weise dazu beitragen, diese Welt besser zu machen und das Übel zurück zu drängen: Michael ist nämlich auch Patron der Deutschen! Am Michaelistag können wir uns daran erinnern und darauf vertrauen, dass das Gute mächtiger ist als das Böse und das Leben stärker als der Tod!

Ja, liebe Leserinnen und Leser, heute ist ein besonderer Tag!

Auch für mich, Ihr Thomas-Michael Robscheit

September 2012

Graue Masse

This entry is part 13 of 84 in the series geistliches Wort

Guten Morgen, liebe Andrea S.!
Ja, ich meine tatsächlich Dich, wir sehen uns ja kaum noch, deswegen schreibe ich diese Zeilen. Bist Du gut ins neue Jahr gekommen? Übrigens, die nächste Chorprobe findet erst am 12. Februar 20:30 statt…

Liebe Zeitungsleser, Ihnen allen wünsche ich natürlich einen guten Morgen, und wenn Sie gerne im Kapellendorfer Gospelchor mitsingen möchten, sind Sie herzlich willkommen! Dennoch habe ich diesen Artikel an einen ganz bestimmten Menschen adressiert.
Wie geht es Ihnen damit? „Warum spricht Pfarrer Robscheit Andrea S. persönlich an?“, werden Sie fragen. Nun diese Frage kann ich Ihnen leicht beantworten: Andrea hat mich hin und wieder auf das geistliche Wort angesprochen, und ich habe mir vorgestellt, dass sie vielleicht der einzige Mensch ist, der dies tatsächlich liest. Natürlich ist mir klar, dass Sie, liebe Leser, es ebenfalls lesen, aber Sie kann ich nicht wahrnehmen. Graue Masse nennen wir das. Und seien Sie jetzt bitte nicht beleidigt! Mir selber geht es ja nicht anders: Wenn ich spätabends noch Nachrichten sehe und in Kapellendorf außer bei uns schon überall das Licht aus ist, denke ich manchmal: eigentlich müsst Herr Buhrow jetzt mit den Worten schließen: „Unserem Zuschauer Thomas Robscheit nun eine gute Nacht!“ Passiert natürlich nicht, denn auch ich bin bloß graue Masse. Stimmvieh, Kundenprofil, in Schubladen gesteckt auf Grund meines Wohnortes, der Kundenkarte oder meines Autos. Ich weiß nicht, wie Ihnen das damit geht, mich ärgert das!
Jedes Mal wenn mir solche Gedanken kommen, bin ich froh über die Zusage Gottes an uns Menschen, an jeden einzelnen ganz persönlich: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein!“ Vor Gott gehen wir nicht in der großen Menge unter, jeder einzelne ist ihm persönlich bekannt und wichtig!
Der Gedanke ist tröstlich, aber unabhängig von allen religiösen Vorstellungen ist er auch ein Auftrag an uns. „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen“, bedeutet nämlich für uns, andere Menschen als Persönlichkeiten wahrzunehmen und nicht als graue Menge. Wie wichtig das ist, zeigt sich gerade auch in diesen Tagen: es wird viel über die Jugendkriminalität geredet, je nach Bildung und politischer Überzeugung fallen die Kommentare so oder so aus, eines ist aber allen ernstzunehmenden Beiträgen gemein: Sowohl Vorbeugung, alsauch niedrige Rückfallquoten werden nur dort erreicht, wo man sich die Mühe macht, mit den Betroffenen persönlich umzugehen, ihr Nöte und oft wirren Vorstellungen zu hören und sie mit ihrem Namen anzusprechen.
Bequemer ist es für uns, von „denen da“, „der Jugend“ oder „den Ausländern“ zu sprechen. Bequemer ja, aber unmenschlich, nicht hilfreich und gewiss nicht nach Gottes Vorstellung! Wir Menschen sind jeder einzelne eine eigene Persönlichkeit. Gott begegnet uns so und er erwartet das auch in unserem Umgang miteinander.
Jetzt liebe Leser wird Ihnen vielleicht auch deutlich, warum ich in diesen Artikel einen Menschen ganz konkret angeschrieben und aus der grauen Masse herausgehoben habe. Dass das nicht immer gelingen kann, liebe Leser, liegt auf der Hand, aber hin und wieder ist es doch möglich, in der grauen Masse auch den Einzelnen zu sehen! Bemühen Sie sich!

So bleibt mir nun Ihnen ein gesegnetes Wochenende zu wünschen, ganz besonders aber Andrea S.
Ihr Pfarrer Robscheit aus Kapellendorf

Januar 2008