Schlagwort-Archive: Sehnsucht

Abtauchen

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Abtauchen

Abtauchen: Wir verwenden das Wort meistens in Zusammenhang mit irgendwelchen dubiosen Gestalten, die sich der Polizei oder anderen, ebenfalls dubiosen, Gestalten entziehen wollen. Wir kennen das alles zur Genüge aus zahlreichen Krimis. Wir wissen auch, dass dieses Ansinnen nur dann erfolgversprechend ist, wenn möglichst alle Verbindungen gekappt & liebe Gewohnheiten aufgegeben werden. Kein Handy vor allem! Und dann weg, nichts mehr hören oder sehen!

Manchmal, liebe Leserinnen und Leser, ist es uns auch danach: einfach untertauchen, Abschalten & Ruhe finden, weil die Hektik, das Gezerre, die Anforderungen oder das Genöle um uns herum einfach alles zu viel ist. „Ach, wäre das schön!“, denken sie vielleicht mit einem Seufzer und fahren fort: „aber das geht ja leider nicht…“ – und Ihnen fallen viele Dinge ein, bei denen Sie unverzichtbar sind, wo es ohne Sie einfach nicht geht. Oder sollte das etwa eine Fehleinschätzung sein? Könnte ich doch verzichtbar sein & die Welt würde sich nicht aufhören zu drehen, wenn ich mal untertauche?

Sie wissen, wie die Antwort ausfallen muss (so schwer uns das zuzugeben auch fallen mag): ja, ich könnte eine Zeitlang untertauchen & die meisten würden das gar nicht bemerken.

Die meisten nicht, liebe Leserinnen und Leser, aber Sie & ihre Seele, die bemerken das Abtauchen in eine andere Welt sehr wohl! Sie werden beruhigt und gestärkt – und zurück an der Oberfläche sehen Sie manches mit anderen Augen oder ganz neu.

Einfach mal Abtauchen, in anderen Sphären schweben: Sie müssen dazu nicht bis ans Meer, keine weite Reise ist dafür nötig! Die Ruhe einer Kirche oder die Gemeinschaft beim Singen laden Sie dazu ein. Lassen Sie die Gedanken schweifen, atmen Sie tief und gleichmäßig – & vor allem: kein Handy!

Ihr Th.-M. Robscheit

veröffentlich in der Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 18. 02.2017

Adventsmarkt in Oberndorf 2016

Adventsmarkt in Oberndorf 2016

Bereits zum 13. Mal fand am Vorabend des 2. Advent in Oberndorf ein kleiner Adventsnachmittag statt. Mit einer musikalischen Andacht, die durch die vereinigten Bläser des Weimarer Landes gestaltet und pfr. Robscheit wurde, begann der Nachmittag in der Oberndorfer Kirche. Anschließend waren alle auf den Winterhof neben der Kirche eingeladen. Wem es kalt war, der konnte im „Kuhstall“ im Warmen sitzen, die Atraktionen aber warteten draußen: eine riesige Pyramide, Garteneisenbahn und Modelle lokal bedeutender Gebäude.

Fam. Winter hat mit fleißigen Helfern den Hof herausgeputzt und alle bestens bewirtet.

2016-12-Adventsmarkt Oberndorf

Weiter Bilder & ein kleines Video gibt es auf der Oberndorfer Seite

Gemeindefest Wormstedt 2016

Gemeindefest Wormstedt 2016

Das diesjährige Gemeindefest des Pfarrbereichs Apolda mit den Gemeinden Apolda, Kapellendorf und Schöten fand am 12. 06. in Wormstedt statt. In und um die Kirche und das Telemannfoyer haben sich etwas über 100 Besucher und Mitwirkende eingefunden. Sie hatten sich einladen lassen, einen „Nachmittag im Paradies“ zu verbringen.

Am 12. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land erschien der folgende Bericht (zum Lesen bitte anklicken):

Am Vormitag wurde aufgebaut und geschmückt, damit das Gemeindefest Wormstedt 2016 mit dem Gottesdienst pünktlich 14:00 anfangen konnte. Viele Helferinnen und Helfer haben sich bei der Vorbereitung und Durchführung beteiligt, auch deshalb ist es ein schönes Fest geworden!

Natürlich drehte sich alles um das Paradies und den Garten Eden. Wieso ausgerechnet der Apfelbaum (für alle Bibelfesten: es wurde zuvor erläutert, was tatsächlich in der Bibel steht!) zum Baum des Lebens wurde, erlebte man in einem kleinen sehr unterhaltsamen Anspiel.

Unter dem Motto: „Wir entdecken das Paradies“ gab es neben Kaffee, Kuchen und Bratwurst auch allerlei zu basteln, matschen, spielen und gestalten. Mit großer Ausdauer haben Kinder den Garten Eden aus Lehm, Sand und  Wasser gestaltet.

Die Lesung „Das Tagebuch von Adam und Eva“ von Mark Twain war ein weiteren Höhepunkt bevor mit dem Abend- & Reisesegen der schöne Nachmittag zu Ende ging.

Hier nun eine Auswahl von Eindrücken. Die Fotos wurden (fast alle) von B. Rehder gemacht

Gemeindefest Wormstedt 2016

 

Ein Nachmittag im Paradies

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Ein Nachmittag im Paradies

„Ist das nicht paradiesisch?“, wann haben Sie sich diese rhetorische Frage zum letzten Mal gestellt? Oft verbinden wir schöne Strände oder ruhige Sommertäler mit diesem Gedanken. Doch als mufflige Deutsche ist das „Aber“ gleich in unserem Kopf präsent: „Alles nur Schein, nur für Touries; die Ausbeutung der Einheimischen, das Ökosystem…“ Die Welt ist kein Paradies haben wir im Laufe unseres Lebens lernen müssen und jetzt misstrauen wir allem was paradiesisch zu sein scheint. Aber wie eine schwache Erinnerung, ein Nachhall aus einer längst vergessenen Zeit, gibt es in uns dennoch diese Sehnsucht: Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. Wir können sie nicht ergründen. Oft ein vages Gefühl nur. Doch dieses Sehnen kann uns Antrieb und Motivation sein, Visionen zu haben und diese Welt mit ihren Sorgen und Problemen zu einem besseren Ort für andere und für uns selber zu verändern.

Aber woher kommt die Kraft, immer wieder neu aufzubrechen? Woher der lange Atem gegen die Trägheit? Woher der Mut?

Aus dem Paradies! Wir leben nicht darin, nein, aber ein Stück davon können wir immer wieder erfahren! Wir müssen das nur zulassen & Pause machen; den Alltagstrott durchbrechen, ganz gleich ob der aus Arbeit, Arbeitslosigkeit, Schüler- oder Rentnersein besteht. Anhalten. Den lauen Sommerabend genießen, den Gesang der Nachtigall, einen Film, ein Buch oder die fröhliche Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ein Nachmittag im Paradies gibt Mut für viele Tage Alltag.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

Der Beitrag erschien am 11. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

eigentlich

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Eigentlich,

liebe Leserinnen und Leser, wollte ich längst fällige Gartenarbeit verrichten. Doch dann kam ein Besuch dazwischen, den ich eigentlich schon letzte Woche machen wollte. Das hatte aber nicht geklappt, denn ein geplantes Gespräch hatte sich verschoben.

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie oft wir das Wort „eigentlich“ verwenden? “Eigentlich ist die Stelle genau richtig für Sie…“, den Satz brauchen wir gar nicht zu Ende hören, denn wir wissen sofort, dass es nicht mit der Bewerbung geklappt hat.

Nun raten Sie mal, ob „eigentlich“ in der Bibel vorkommt? – fällt Ihnen eine Stelle ein? In der Erzählung vom Paradies vielleicht: “ Eigentlich ist es im Paradies ganz nett, aber Adam und Eva wollten lieber…“? Oder bei Jesu Taufe: „Du bist eigentlich mein lieber Sohn…!“?
Doch andererseits wird in der Bibel wird von Menschen berichtet, Ihrem Glauben, Hoffen und auch Versagen: ein Spiegel unserer Realität, Jahrtausende später. Also eigentlich müßte… Richtig! Das Wort taucht durchaus im Text auf. Je nach Übersetzung schwankt die Zahl allerdings. So lesen wir beispielsweise: „Eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben; denn der Herr wird dich reich segnen in dem Land“ (Dtn. 15,4). Aber wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser in welchem Zusammenhang „eigentlich“ nie vorkommt?

Dort wo es um Gottes Verhältnis zu uns Menschen geht. Dort sind Ausflüchte oder Beschönigungen nicht nötig! Gott liebt Dich, Du bist sein liebes Kind, ganz ohne Einschränkungen.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

April 2016

Der Beitrag erschien am 16. April 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Gott begegnet im Fremden?!

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Gott begegnet im Fremden?!

„Wieder so ein Gutmenschenreden über Flüchtlinge!“, werden Sie, liebe Leserinnen & Leser, vielleicht denken oder sich trotzig wundern: „Mir ist Gott noch gar nicht begegnet!“
Und ein Engel? Ist Ihnen schonmal ein Engel begegnet? Im rechten Augenblick die schützende Hand, das richtige Wort, das sonnengleiche Lächeln?
Warum sollte Ihnen dann nicht auch Gott selber begegnen? In der Bibel wird von einigen solcher Begegnungen berichtet. Mose & der brennende Dornbusch, Jakob, der mit Gott kämpft oder Abraham, bei dem Gäste vorbeikommen.

Bei aller Unterschiedlichkeit ist diesen Erzählungen eines gemeinsam: Gott kommt im Unbekannten, im Fremden. Bei aller Nähe, ist und bleibt Gott uns auch immer ein Stück fremd, so wie fremde Menschen unter uns.

Lassen sie sich auf das Fremde ein, vielleicht bei den Passionsandachten jeden Samstag 18:00. In den Andachten werden wir uns mit dem Bild „Gott begegnen im Fremden“ des aus Südafrika stammende Künstler Azariah Mbatha befassen. Es handelt sich um das authentische Zeugnis eines Künstlers, dessen eigener Lebensweg von Erfahrungen in der Fremde gezeichnet ist.

Ihr Th.-M. Robscheit
Februar 2016

Geschafft!

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Geschafft!

Woran denken Sie, liebe Leserinnen & Leser, wenn Sie dieses Wort lesen?
Geschafft! – Ich habe gerade den Einkauf erledigt & während mein Sohn noch die Kisten & Beutel aus dem Auto schleppt, sitze ich und schreibe diese Zeilen. Wir haben etwas abgearbeitet, es ist ein bißchen so, wie am Ende eines Films. Doch anders als im Kino, wartet im echten Leben schon die nächste Etappe, an deren Ende wir wieder „Geschaftt!“ freudig rufen oder auch nur leise murmeln. Oft bemerken wir dabei gar nicht, wie wir selber geschafft sind, erledigt & ausgelaugt. „Wie soll man sich davor schützen in dieser hektischen Zeit?“, fragen Sie vielleicht.
Der vierte Advent steht bevor, ein Sonntag. eine Einladung! Eine Einladung, nichts zu schaffen & nicht geschafft zu werden, sondern die Seele zu pflegen, innezuhalten, die hektische Oberfläche des Lebens zu verlassen und neue Kraft in der Tiefe zu finden. In der Musik, im Gottesdienst, beim ziellosen Bummeln.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Das geistliche Wort erscheint in der Regel in der Samstagsausgabe der Thüringer Allgemeinen und wird von verschiedenen kirchlichen Mitarbeitern verfaßt.

Das Land, wo Milch und Honig fließen…

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Das Land, wo Milch und Honig fließen…

Mit dieser Verheißung, liebe Leserinnen und Leser, beginnt unsere auf Wanderung begründete abendländische Kulturgeschichte im Morgenland. Der Aufbruch ins gelobte Land durch zahlreiche Entbehrungen. Ganz unterschiedlich können die Motive sein, der Traum vom besseren Leben, der in den letzten Jahrzehnten viele unserer Nachbarn bewogen hat, hier ihre Zelte abzubrechen und westwärts zu ziehen. Oder die Flucht vor Krieg, Misshandlung oder Tod. So wie bei jener Frau, nennen wir sie Maria.
Marias Eltern hatten sich bemüht, dass aus ihr etwas besseres als „nur“ Bäuerin wird. Sie sollte Lehrerin werden. Dann der Krieg, fremde Soldaten, nur durch Glück und einen leisen Schlaf ist sie nicht misshandelt worden. Flucht, innerhalb von Stunden ging es los. Erst in die eine Richtung, dann wieder zurück. Zwischen den Fronten, wieder in der Hand der Feinde. Dann Zwangsarbeit, schließlich ein Lichtblick. Endlich in Deutschland, Thüringen. Doch hier nur angefeindet: „Diese Habenichtse!“
Hier ganz unten, niedere Arbeiten; aber wenigstens ein Dach über dem Kopf, kein Krieg. Maria konnte wieder schlafen.
Siebzig Jahre ist das jetzt her. Maria hat geheiratet, Kinder bekommen & in der Landwirtschaft so verlässlich gearbeitet, dass sie jetzt noch dafür Anerkennung erntet. Maria ist dankbar; aber sie wird wohl nie vergessen wie es ist, als Heimatlose herumgetrieben und ungewollt zu sein.
Ich frage mich manchmal, ob es ihr wohl gelungen ist, dieses Gefühl auch an ihre Enkel und Urenkel weiterzugeben – und die damit verbundene Menschlichkeit.
Das Land, wo Milch und Honig fließen, es ist nicht an einem bestimmten Ort, sondern dort wo Menschen ihre Menschlichkeit bewahren. Lassen Sie uns unsere Heimat so ein Land sein!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

April 2015

Zeit

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Der Flugzeugabsturz in den Alpen hat uns, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche alle beschäftigt. Erst flüchtige Nachrichten; dann Gewissheit. Schließlich erste Meldungen zur Unfallursache und inzwischen Spekulationen über das „Warum?“

Das Leben so vieler Menschen ist jäh zu Ende, wieviele Pläne oder Träume sind damit vorbei! 150 Menschen sind gestorben, Sie aber leben. Ihnen ist noch Zeit geschenkt. Hat das eine Bedeutung? Für Sie? Für jemand anderen?

Wie gehen wir mit der Lebenszeit um? Mit unserer und mit der anderer Menschen: bereichern wir diese, oder vergeuden wir sie? Trauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende eines Tages zurückzublicken und sich Rechenschaft über die vergangenen 12 Stunden zu geben? Plätschert Zeit einfach oberflächlich dahin oder gelingt es, dem Leben Tiefe zu geben?

Vor uns liegt die Karwoche, sie sollte die ruhigste Woche des Jahres sein. Eine Woche, die uns die die Beschränktheit & Endlichkeit unseres irdischen Lebens vor Augen hält: Leiden, Tod, Sinnlosigkeit. Eine Woche, an deren Ende aber auch ein großes Versprechen steht: letztlich ist nicht die Lebenszeit entscheidend, sondern wie wir uns bemüht haben, dieser uns gesetzten Spanne Tiefe zu geben. Denn dann gibt es auch in unserem endlichen Leben Unendlichkeit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

März 2015

Vater unser

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Liebe Leserinnen & Leser,

da Sie diese Zeilen lesen, nehme ich an, Sie gehören auch zu den Leuten, die ihre Kinder zur Christenlehre, Reli-Unterricht oder Konfirmandenunterricht schicken. Warum machen Sie das?
Manche unter Ihnen sind jetzt schnell mit der Antwort, nicht weil sie oberflächlich sind, sondern weil religiöse Erziehung mit allem was dafür nötig ist, selbstverständlich ist.
Andere zaudern mit der Antwort.
Sie haben das Gefühl, dass christliche Werte, dass eine „christliche Grundbildung“ im Leben gut ist, selbst dann, wenn man nicht fromm ist.
„Wenn mein Sohn zu Ihnen kommt, Herr Pfarrer, dann lernt er doch was wichtig ist? Die zehn Gebote und das Vater Unser.“ – so oder so ähnlich, habe ich diese mit einer Erwartung verbundene Frage schon oft gehört. Aber warum ausgerechnet das? Und nicht z.B. Weihnachts- oder Passionsgeschichte? Oder Psalmen, Lieder, Luthers Theologie? Warum die Gebote & das Vater Unser?
Die zehn Gebote, das leuchtet schnell ein: die ethische und moralische Grundlage unseres Rechts- & Gerechtigkeitsempfindens. Das soll ein Kind mit auf seinen Lebensweg bekommen.
Aber das Vater Unser? Dieses alte Gebet? Nur weil es von Jesus stammt? Das wohl eher nicht. Vielleicht aber berühren uns die sieben Bitten in unserem tiefsten Wollen und Sehnen mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Um das herauszufinden, sind Sie eingeladen: jeden Samstag, 18:00 zur Passionsandacht.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Februar 2015