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Reformationsfest und Halloween

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Reformationsfest und Halloween

Kaum ein Fest erregt die Gemüter so wie Halloween. Da sind auf der einen Seite die Kinder, die sich gruselig verkleiden wollen und um Süßigkeiten betteln. Und auf der anderen Seite die, die diesen Brauch ablehnen, entweder weil er aus Amerika kommt, weil er offensichtlich aus kommerziellem Interesse forciert wurde oder weil er für das ehrwürdige Reformationsfest Konkurrenz ist und dieses in den Hintergrund drängt. Selbst 2017!

Ich mag Halloween auch nicht. Allerdings, als Kinder sind wir auch bettelnd durch Eisenach gezogen. Nicht am 31. 10. sondern zu Luthers Geburtstag: Märzelmännchen hieß das. Dieser Brauch bezieht sich auf Luthers Schulzeit. Luther war damals mit anderen Schülern durch Eisenach gezogen, sie haben vor den Häusern gesungen und dafür etwas Geld oder Essen bekommen. Folgerichtig haben wir auch als Kinder gesungen, sonst gab es die begehrten Süßigkeiten nicht. Nicht viel anders als Halloween. Und gruselig war das auch – vielleicht unser Gesang, ganz sicher aber im Dunkeln bei irgendwelchen Fremden klingeln!

Liebe Leserinnen und Leser, wie halten Sie´s mit dem neuen Brauch? Wie positionieren Sie sich in diesem „Kulturkampf“? Gibt es Süßigkeiten, verkleiden sich Ihre Kinder oder Enkel? Oder ignorieren Sie die Klingel?

Für alle, die besorgt sind, dass unser wichtiger Reformationstag von Halloween verdrängt wird und so das Abendland wieder ein Stück weiter untergeht, eine wahre Begebenheit. Heute in der Grundschule: „Was feiert Ihr denn eigentlich zu Halloween?“, fragt die Lehrerin. Ein Erstklässler: „Na, dass Martin Luther die Thesen angenagelt hat!“

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 4.11.2017 in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

fester Grund

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fester Grund

„O tempora, o mores!“, diesen Ausruf Ciceros aus dem Jahre 70 v. Chr. möchte man in diesen Tagen wieder aus der Mottenkiste der Zitate hervorkramen! Was sind das für Zeiten, was für ein Verfall der Sitten! In wenigen Monaten ist vieles, was uns fest und unverrückbar erschien, ins Wanken geraten, bricht zusammen, die Welt ändert sich rasend schnell. Dazu kommt noch die von geistig Gestörten verbreitete Verunsicherung. Was sind das für Zeiten, was herrschen da für Sitten?

Aber ist das neu? Machen nur wir die Erfahrung der Verunsicherung? Nein, natürlich nicht. Und auch nicht jetzt plötzlich! Denn auch unser ganz normales Leben ist von Unsicherheit geprägt, oft unbewußt wird Unstetigkeit lebensbestimmend: die Arbeit, die Beziehung, das Ehrenamt, oft auch die politischen Überzeugungen, wie die letzten Wahlen gezeigt haben. Dabei sehnen wir uns nach Beständigkeit: auf welchen Fundamenten kann ich mein Leben aufbauen? Christus ist so ein fester Grund, ein Eckstein, auf den ich mein unsicheres Leben gründen kann. Da können die Stürme und Winde des Lebens kommen und zerren, da mag manches einbrechen: die Grundlage bleibt bestehen. Es gibt etwas, das nicht nur beständig ist, sondern worauf wir immer wieder aufbauen können, etwas das uns trägt, so wie es schon Unzählige vor uns getragen hat, die in weitaus unsicheren Zeiten bestehen mußten.

Th.-M. Robscheit

Juli 2016

 

Der Beitrag erschien am 23. Juli 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Kikeriki

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Kikeriki

Kikeriki, guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht genießen sie gerade Ihr Frühstücksei und sind in Gedanken bei den glücklichen Hühnern auf dem Lande. Die picken im Gras nach Käferlein und ein schöner Hahn wacht über der Idylle. Doch ganz so harmonisch wie man sich´s vorstellt ist es nicht. Nicht umsonst spricht man von der Hackordnung. Und wenn es mehrere Hähne geben sollte, plustern sich besonders die, die nichts zu melden haben gerne gewaltig auf.

Wir haben so einen kleinen Hahn, auch der möchte gerne hin und wieder von den Hühnern beachtet werden. Dann hüpft er auf einen kleinen Stein, holt gewaltig Luft, streckt das Hühnerbrüstchen raus und – naja, macht ein Geräusch, das an Krähen erinnert. Die Hühner picken derweil unbeirrt weiter.

Die Erfahrung, dass sich Menschen aufplustern einem damit das Leben unnötig schwer machen, musste auch Petrus machen. Enttäuscht stellt er fest (1. Petrus 3, 13-18), dass einem Böses durch andere widerfahren kann, wenn man doch Gutes tut. „Habt keine Angst vor den Menschen, lasst Euch nicht irremachen..“, gibt er seiner Gemeinde auf den Weg. „Es ist besser, für gute Taten zu leiden, als für schlechte.“ Ein kleiner Trost angesichts der Anfeindungen, denen sich Christen im 2. Jh. ausgesetzt sahen. Und wir heute? Petrus´ Hinweise gelten immer noch: „..antwortet höflich und mit dem gebotenen Respekt in dem Bewußtsein, dass Ihr Euch nichts vorzuwerfen habt.“

Und vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, hilft uns darüber hinaus auch ein schmunzelnder Blick in den Hühnerhof. Lassen sie sich Ihr Frühstücksei schmecken!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

 

Der Beitrag erschien am 05. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Passionsandachten 2016

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Passionsandachten 2016

Auch in diesem Jahr sind Sie jeden Samstag, 18:00 zur Passionsandacht in die Martinskirche Apolda eingeladen. In den Andachten werden wir uns mit dem Bild „Gott begegnen im Fremden“ beschäftigen.

Der aus Südafrika stammende Künstler Azariah Mbatha schuf die Vorlage für das MISEREOR-Hungertuch aus dem Jahre 1994 – einen Linolschnitt. Er gab dem Bild den Titel: „Gott begegnen im Fremden“. Es handelt sich um das authentische Zeugnis eines Künstlers, dessen eigener Lebensweg von Erfahrungen in der Fremde gezeichnet ist.

Bereits im Januar des vergangenen Jahres hatten Past. Dr. Böhm & Pfr. Robscheit das Passionstuch für 2016 ausgewählt. Durch die politischen Ereignisse des letzten Jahres hat dieses Tuch für uns eine nicht vorhersehbare Aktualität bekommen. Das Tuch setzt sich mit Flucht & Fremdsein auseinander.  Wenn sie mehr über das Tuch und dessen theologische Aussage wissen möchten, können Sie auf der Seite „Misereor Hungertuch 1994“ weiterlesen.

 

Die einzelnen Andachten werden von verschiedenen Gruppen der Gemeinde inhaltlich und musikalisch gestaltet.

 

 

Friedensgebet an der Lutherkirche

Friedensgebet an der Lutherkirche

Am 9. 11. fand an der Lutherkirche ein Friedensgebet statt. Bei diesem Gedenken am 9. November predigte Sup. Hertel und mahnte die besondere, wechselhafte Geschichte dieses Tages an. Im offenen Friedensgebet konnten von den Anwesenden eigene Gebetsanliegen vorgetragen werden. das reichte von den Bitten um Aufrichtigkeit & Verstand bis zu ganz persönlichen, dass doch in einer zerstrittenen Familie wieder Friede sein möge. Der Apoldaer Posaunenchor gestaltete die Andacht musikalisch aus.

Etwas sekptisch war ich, ob 200 Bratwürste gegessen werden würden, aber sie haben nicht gereicht. Zur Andacht waren mit etwa 150 Besuchern mehr gekommen, als ich gedacht hatte.

Apolda bleibt bunt

Die Andacht fand im Rahmen des Aktionsbündnisses „Apolda bleibt bunt“ statt. Daran dürften insgesamt etwa 700 Personen teilgenommen haben.

Mehr dazu auch in der heutigen Ausgabe der TA unter dem Titel: 

Kerzen, Trillerpfeifen und Sprechchöre für Apolda

Dort wird u.a. auch berichtet, dass in der Stobraer Straße 700 Menschen zusammengekommen waren, um für ein vielfältiges Apolda zu demonstrieren.

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9.11.; 19:00 Friedensgebet an der Lutherkirche

Am geschichtsträchtigen 9. November laden wir gemeinsam mit der Kirchengemeinde Apolda 19:00 zum Friedensgebet an der Lutherkirche ein.

Wegen der vielen, wechselvollen Ereignisse, die an 9. Novembern geschahen, wird dieser Tag auch als Schicksalstag der Deutschen bezeichnet. Lesen Sie mehr dazu bei der Bundeszentrale für politische Bildung oder bei Wikipedia: 9. November (Deutschland)

Apolda bleibt bunt
Apolda bleibt bunt

Mitmenschlich in Thüringen – Brief der Bischöfin an die Gemeinden

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Liebe Schwestern und Brüder in den Kirchengemeinden!

Die Situation in unserem Land hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Seit meinem letzten Brief an Sie im September scheint die Spaltung in unserer Gesellschaft noch größer geworden zu sein: Viele Menschen, auch in unseren Kirchengemeinden, engagieren sich für hier ankommende Flüchtlinge, leisten unkompliziert und bis an die Grenzen der eigenen Kraft Hilfe, leben eine großherzige Willkommenskultur. Mit großer Dankbarkeit lässt mich all das denken an die Worte Jesu im Evangelium des Reformationstages: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Zugleich wird auf unseren Straßen offen Hass und Gewaltbereitschaft demonstriert: Menschen gegenüber, die in unserem Land Schutz suchen, aber auch gegenüber denen, die sich für Hilfe- und Schutzsuchende einsetzen. Das ist bedrückend und alarmierend. Ich frage mich: Welche grundlegenden Werte für ein Zusammenleben in einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft sind jetzt besonders wichtig – unabhängig von politischen oder religiösen Überzeugungen, verbindlich und tragend für alle?
In diesen Tagen hat sich im Freistaat Thüringen ein breites Bündnis zusammengefunden, das einen grundlegenden Wert in den Mittelpunkt stellt: Mitmenschlichkeit. Unter der Überschrift „Mitmenschlich in Thüringen“ tritt dieses breite Bündnis aus allen Teilen der Gesellschaft ein für ein Thüringen der Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Die Erklärung dieses Bündnisses, die ich als Erstunterzeichnerin ausdrücklich unterstütze, füge ich diesem Brief bei. Die Regionalbischöfin und die Regionalbischöfe im Thüringer Bereich sowie zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter unserer Kirche unterstützen ebenfalls als Erstunterzeichner diese Erklärung und das Bündnis.
Für den 9. November ruft das Bündnis um 18 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Erfurter Domplatz auf. Ich bitte Sie herzlich, diese Erklärung und den Aufruf zur Kundgebung in Ihren Gemeinden bekannt zu machen und zu unterstützen. Bitte nehmen Sie an der Kundgebung am 9. November teil. Thüringen braucht ein starkes öffentliches Zeichen für Demokratie und Mitmenschlichkeit. Ich bitte Sie herzlich, dazu beizutragen, gerade an diesem Tag, an dem vor 77 Jahren Hass und Gewalt über Mitmenschlichkeit triumphiert haben! Gerade an diesem Tag, an dem vor 26 Jahren der friedliche Einsatz für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit zur Überwindung trennender Mauern und einem neuen Miteinander geführt hat! Treten wir heute als Kirche, als Kirchengemeinden und als einzelne Christinnen und Christen gemeinsam mit anderen für Mitmenschlichkeit, Vielfalt und Demokratie ein – im Namen der Barmherzigkeit, die Jesus verkündigt und gelebt hat!

Mit herzlichen geschwisterlichen Grüßen bin ich Ihre

Ilse Junkermann

Landesbischöfin
der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Erklärung Mitmenschlich in Thüringen
Mitmenschlich in Thüringen: Brief an die Gemeinden 9. Nov.15

EKM – Pressemeldung: Mitmenschlich in Thüringen

Reformationstag – Dialogpredigt im Gottesdienst

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Gottesdienst am Reformationstag

Reaktion auf diesen Gottesdienst

Am Reformationstag findet unser zentraler Gottesdienst in Herressen statt. In diesem Gottesdienst werden Vikar Neubert & Pfr. Robscheit miteinander streiten: Hat Luther Recht, wenn er sagt, es sei nicht nötig gute Werke zu tun? Oder hat er das gar nicht gesagt? Reicht allein der Glaube?

Lassen Sie sich überraschen!

Am Reformationstag, 31. Oktober 17:00 sind Sie ganz herzlich zum Gottesdienst nach Herressen eingeladen.

Die kleine Dorfkirche wird geheizt sein. Musikalisch wird der Gottesdienst am Reformationstag von Herrn Lindenborn an der Orgel ausgestaltet werden.

 

Hintergrund (Auszug aus der Pressemeldung der EKM)

Laut Überlieferung soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther am Tag vor Allerheiligen im Jahr 1517 an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg 95 Thesen zu den Themen Ablass und Buße angeschlagen haben, um eine akademische Diskussion darüber herbeizuführen. Damit leitete er die Reformation ein. Im Kern bestritt er die herrschende Ansicht, der Ablass sei die Voraussetzung, den Menschen von der Sünde zu erlösen.

Die Reformation hatte weitreichende Folgen. So ist es gemäß dem „Priestertum aller Gläubigen“ für evangelische Gemeinden selbstverständlich, dass auch Laien nach einer Ausbildung Gottesdienste halten können sowie Mitglied der Kirchenleitung sind. Außerdem werden Frauen zu Pastorinnen ordiniert. Unmittelbar mit der reformatorischen Bewegung ist das evangelische Pfarrhaus entstanden und Pfarrer gründeten Familien. Luther hatte selbst durch seine Heirat mit Katharina von Bora das Ende des Zölibates für die evangelischen Geistlichen eingeleitet. Weltlichen Bezug erlangte Luthers Wirken, indem er dafür gesorgt hatte, dass Kommunen eigene Sozialhaushalte bekamen.

25 Jahre Deutsche Einheit?

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25 Jahre Deutsche Einheit? „….jetzt auch noch im geistlichen Wort!“ – vielleicht stöhnen Sie so, liebe Leserinnen & Leser. An diesem Wochenende werden Sie an der 25 nicht vorbeikommen. Und wahrscheinlich werden Sie zwischen all den Sonntagsreden auch immer die finden, die in die schöne Einheits-Suppe spucken. So wie ich: Es gibt die Einheit doch gar nicht! Unterschiedliche Löhne werden gezahlt, die Arbeitsplätze sind ungleich verteilt & die Jugend wandert der Arbeit hinterher. Es lassen sich viele Punkte finden, die die große Unterschiede belegen, die es zwischen Bayern beispielsweise und Schleswig-Holstein gibt, ebenso auch zwischen Thüringen und Brandenburg, Hessen und Berlin. Sind damit Ungerechtigkeiten verbunden? Hin und wieder: ja! Sollten die ausgelichen werden? Ja! Soll alles einheitlich sein? Nein! Das Nebeneinander & miteinander Ringen bereichern uns! Oft ist das mühsam & mit Schwierigkeiten verbunden, aber es bewirkt Entwicklung. Das ist in unserem Land nicht anders als in der Kirche. Natürlich ist es manchmal schwierig, andere Frömmigkeiten neben sich zu tolerieren und es schmerzt, dass beim Abendmahl ein Riss durch die Christenheit geht. Aber dennoch (oder gerade deswegen?) sind wir alle Teil der Kirche Jesu Christi; einem Haus mit vielen Wohnungen! Wir Christen haben das in unserer Kirchengeschichte fast 2000 Jahre lang immer wieder neu lernen müssen & dürfen: eine Einheit in der Vielfalt zu sein; an diesem Wochenende mit der bescheidenen 25 wird uns vor Augen gehalten, dass wir auch ganz irdisch eine Einheit in der Vielfalt sind: als Thüringer, als Deutsche, als Europäer, als Mensch.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Möbelhaus?

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Jetzt sitze ich nun im blau-gelben Möbelhaus, trinke kostenlosen Kakao & frage mich nach wie vor, was ich eigentlich hier mache. „Nun, wir brauchen schon lange verschiedenste Dinge, diese Einkaufstour war einfach mal wieder fällig!“, so könnte die klare Antwort der Gattin lauten.
Stimmt das? Brauchen wir die Dinge, die wir nachher an der Kasse bezahlen werden tatsächlich? Oder hätte man nicht Ähnliches auch viel näher besorgen können?
Sie merken schon, liebe Leser, dass ich von der Notwendigkeit dieses Einkaufs nicht restlos überzeugt bin & geben mir vielleicht recht. Aber Sie, liebe Leserinnen, können meine Bedenken möglicherweise gar nicht teilen & Ihnen leuchtet sofort ein, dass neue Gläser oder Kissen existentiell wichtig sind.
Würde nun meine Frau weiterschreiben, wäre es ihr vermutlich ein Leichtes, dutzende Beispiele aufzuführen, wo mir Dinge wichtig sind, die sie wiederum für verzichtbar hält.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wird das nicht anders gehen. Vorstellungen, Wichtungen & Werte sind nicht bei allen Menschen deckungsgleich. Das wäre auch sehr langweilig. Doch es macht das Leben nicht nur spannend, sondern auch anstrengend. Als Menschen können wir nur dort gut zusammenleben, wo wir unsere eigenen Vorstellungen nicht zum Maß aller Dinge erheben. Toleranz, Empathie und das Über-den-eigenen-Schatten-Springen sind in einer Beziehung zweier Menschen unverzichtbar. Keineswegs bedeutet das, dass alle eigenen Vorstellungen geopfert werden müssten, im Gegenteil! Je genauer ich selber weiß, was mir wichtig ist, desto leichter fällt es Kompromisse zu finden.
So wie im Miteinander zweier Menschen, ist es auch zwischen den Kulturen: Nicht alles, was uns wichtig erscheint ist das in den Augen anderer auch & manches, was uns an anderen Kulturen befremdet, bereichert in Wirklichkeit auch unser Leben. Eine Ehe, in der es immer nur nach einem Partner geht ist ebenso armselig wie ein Volk, dass nicht mehr genügend Kraft hat, Fremdes in seiner Mitte zu tolerieren.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Nachtrag: Ich bin dann doch mit durch die Regale geschlendert (natürlich nicht, um meine Frau von unnützen Käufen abzuhalten!) und siehe da, das eine oder andere wanderte durch meine Hand in den Einkaufswagen.

August 2015