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Sinn machen oder Sinn haben?

This entry is part 50 of 84 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist in Buttstädt die konstituierende Sitzung der neuen Kreissynode, das leitende Gremium unseres Kirchenkreises. Es läßt sich absehen, dass dies eine anstrengende und lange Sitzung werden wird: alle Gremien und Ausschüsse müssen besetzt werden. Der/die neue Präses (=Vorsitzende) muss gewählt werden. Wer wird zukünftig über Gelder entscheiden? Wer wird unseren Kirchenkreis in der Landessynode vertreten? …
„Mein Gott, ist das langweilig!“, werden Sie jetzt vielleicht denken, „Damit verplempern die ihre Lebenszeit! Das macht doch alles keinen Sinn.“
Richtig! Es macht keinen Sinn, sondern es hat Sinn! Dieser Anglizismus, der sich in unserer Sprache breit macht, verrät viel über das Denken des Sprechers aus: können Handlungen, oder Dinge in sich selber Sinn stiften? Kann ich irgendetwas tun, das zunächst keinen Sinn hat, das also „sinnlos“ ist und es bekommt dadurch Sinn? Oder gibt es etwas Höheres, Ziel- & Sinnstiftendes? Für Münchhausen macht es Sinn, sich selber an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, aber es hat keinen Sinn, es ist sinnlos; da kann der Baron ziehen soviel er will!
Ebenso macht es keinen Sinn, auf Tagungen herumzulungern und seine Zeit abzusitzen. Aber es hat Sinn, sich für seine Kirche einzusetzen, einen Teil seine Lebenszeit für das Gemeinwohl zu nutzen. Das ist keine vergeudete Zeit!
Noch eine Frage zu Schluß: womit, liebe Leserinnen und Leser, womit verplempern Sie eigentlich Ihre Lebenszeit?

Ihr Th.-M. Robscheit

März 2014

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!

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Liebe Leserinnen und Leser, keine Angst, ich will mich nicht zum Wahlkampf äußern -obwohl zumindest soviel: bei einigen Werbespots im Fernsehen und manchen Parolen auf den Plakaten frage ich mich ernsthaft, ob die Betreffenden schonmal einen Taschenrechner zur Hand genommen haben. Mit einem „Managergehalt“ von einer Million, kann man zwar 50 Menschen versorgen; aber auch nicht mehr – also: Gehirn einschalten vor dem Ankreuzen!

Aber eigentlich wollte ich ja gar nicht zum Wahlkampf schreiben, sondern zu unserem tagtäglichen Umgang mit den zehn Geboten. Gestern war bei uns im Kirchspiel Konfirmandenprüfung und die Gebote und ihre Bedeutung für uns heute gehörte natürlich mit zum Prüfungsinhalt. „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ – was ist damit gemeint? Jedenfalls nicht in erster Linie, den Geschirrspüler ohne Murren auszuräumen, sondern mit den altgewordenen Eltern ehrfürchtig umgehen und sich darüber auch wirklich Gedanken zu machen, manchmal ist ein Pflegeheim eben besser und oft genug die persönliche Pflege zu Hause mit all den Opfern und Einschränkungen, die damit verbunden sind. Die Konfirmanden wußten das gestern, hoffentlich beherzigen sie es auch in zwanzig oder dreißig Jahren!
Ein anderes Gebot: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!“ ganz sicher ist damit mehr gemeint als nicht zu lügen. Es geht um das Wohl und den guten Ruf meiner Mitmenschen! So kann die Wahrheit genauso schlimm sein wie die Verleumdung oder das berühmte Gerücht, das Menschen im Nu abstempelt, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen können. Mich bewegt ein anderes Problem, mit dem ich in den letzten Tagen mehrfach zu tun hatte: Jemand ist krank, alles ist ungewiß. Die Leute erkundigen sich, wie es denn geht. Eigentlich gehört sich das auch so. Wieder andere, haben was gehört und wollen mehr wissen, auch aus Anteilnahme, man erzählt weiter, ganz unmerklich verändert sich die Geschichte, keiner will was Böses und doch entsteht ein Gerücht.
Aus Sicht des Kranken, wird das ganz schnell zu einer unglaublichen Belastung, man weiß, dass Gerüchte entstehen, was genau getuschelt wird, erfährt man aber meistens nicht. „Man kommt sich vor wie in der Zirkusmanege!“, klagte mir jemand sein Leid. „Alle gaffen Dich an!“
Ein besonders grasses Beispiel: das Kind von Familie XY hat einen unklaren Befund, möglicherweise eine tödliche Krankheit. Tage später wird der Mutter mit echter Anteilnahme angesprochen, wie schlimm das sein, dass ihr Kind nur noch drei Monate zu leben hat. Ein Gerücht; inzwischen ist klar, dass es dem Jungen gut geht. Aber was das bewirkt, können Sie sich vorstellen!

Es fordert eine ganze Menge Einfühlungsvermögen, guten Willen und Mitmenschlichkeit, dem achten Gebot gerecht zu werden. Wo ist die Grenze zwischen harmlosen Dorftratsch und Mobbing, wo zwischen Anteilnahme und Voyeurismus?
Solche Fragen MUSS jeder für sein Leben selber beantworten, ohne diese Mühe wird er zweifelsfrei zum bösartigen Traschmaul! Doch wo und wie soll man sich selber den Spiegel vorhalten? Bei all der Alltagshektik?
„Du sollst den Feiertag heiligen!“ – das dritte Gebot, aber was heißt das? Zu allererst: Abstand von eben jenem Alltagsstreß zu finden, in sich zu gehen und das eigene Verhalten, z.B. im Bezug auf unsere Rede von und mit anderen Menschen nach zu denken: „Rede ich so, dass es meinem Nachbar nützt, ihn in gutes Licht stellt, oder schade ich ihm durch Rede oder Schweigen?“. Viele Generationen hatten die Erfahrung gemacht, dass ihnen das besonders gut gelingt, wenn sie auf Gottes Wort hören und es sich für ihr Leben auslegen lassen: Am Sonntag zum Gottesdienst.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit aus Kapellendorf

Mai 2009