alles muss klein beginnen

Alles muss klein beginnen

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„Alles muss klein beginnen“

Vielleicht kennen Sie, liebe Leserinnen & Leser, dieses Lied von Gerhard Schöne. „Alles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen, es muss nur Kraft gewinnen  und schließlich ist es groß!“ – banal ist das in seiner Einfachheit. „Alles muss klein beginnen“ – im Rückblick auf manches Große, das wir kennen, fällt uns diese simple Wahrheit zu begreifen schwer. Die riesige Luther-Eiche im Kirchhof Oberndorf, kaum vorstellbar, dass auch sie aus einer kleinen Eichel gewachsen ist. Doch alles was wächst beginnt klein, ein Baum ebenso wie ein Mensch und auch im übertragenen Sinn ist das so: ein großer Fluss hat seinen Anfang in einer kleinen Quelle und ein Literaturprofessor hat irgendwann seinen ersten Buchstaben gelernt.

Das Große ist augenfällig und wird beachtet. Leider werden wir dadurch oft blind für alles was jetzt wächst. Und uns fehlt die Vision, im Kleinen und Unscheinbaren heute das Große von morgen zu erkennen. Deswegen achten wir es oft gering & haben den Eindruck, frühere Tage waren glorreicher. Da wurde die Krönungsmesse komponiert und die neunte Sinfonie. Leonardo da Vinci schuf in Mailand das berühmte Abendmahl. Uns fallen zahlreiche Beispiele ein. Aber auch da sehen wir nur auf das Große und das verstellt uns den Blick:  Leonardo ist in einer langen Tradition christlicher Malerei zu Hause, es gab unzählige andere Abendmahlsdarstellungen und Skizzen. 

Die Luther-Eiche ist aus einer einzelnen Eichel gewachsen, aber es gab hunderte anderer Eicheln. So viele Möglichkeiten! Gut, dass nicht alle zu riesigen Bäumen gewachsen sind! Nicht jede kleine Quelle wird zu einem reisenden Strom, manche versickert wieder, befeuchten die Erde und ermöglichen Pflanzenwachstum. Für mich ist dieser Gedanke hoffnungsvoll: nicht alles, was klein beginnt muss unbedingt großartig werden; Fehler und Scheitern sind ganz normal; auch in unserem Leben. Und mit Gottes Segen wird aus manchem auch etwas Großes werden. Nur das Beginnen liegt bei uns und zwar immer klein.

 

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 24. August 2019

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