Archiv der Kategorie: geistliches Wort

Abgehängt

This entry is part of 92 in the series geistliches Wort
Abgehängt

Liebe Leserinnen und Leser,
„abgehängt“ ist in dieser Woche das Un-Wort in Apolda & das alles wegen eines schlecht recherchierten Beitrages eines dritten Programmes. Ich habe mir die Mühe gemacht und den Beitrag in der Mediathek angesehen. Interessant ist das Ende: da wird nämlich gefordert, dass die Bundespolitik agieren müsse (also die da oben – bloß sich nicht selber anstrengen), „damit sich… niemand abgehängt fühlt.“

Aber, fühlen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, überhaupt abgehängt? Wann kann einem das eigentlich passieren, dass man „abgehängt“ wird? Ich habe irgendwelches Rennen und Hetzen vor Augen. Ausdauerlauf im Stadion, bei denen irgendwann der Punkt erreicht ist, dass jemand nicht mehr mitkommt. Manch einer denkt vielleicht auch an das Hamsterrad in das Arbeit und Alltag ihn zwängen. Immer schneller und immer mehr, bis es nicht mehr geht.

Immer schneller, immer mehr, immer schöner, immer weiter, immer billiger. Wo noch so gedacht wird, wird Raubbau betrieben an Menschen und Ressourcen, werden Lebensqualität und Zukunft zerstört. Im privaten Umfeld, wie in der Wirtschaft erleben wir fast täglich, dass dies ein Irrweg ist. Es gibt kein grenzenloses Wachstum. Vielmehr ist das alles ein Rennen im Stadion: Runde um Runde kommt man an der selben Stelle vorbei. Ist es da nicht viel klüger, (sich) abzuhängen? „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, alles ist eitel und Haschen nach Wind“, lesen wir schon im Alten Testament (Prediger 1) und die Erkenntnis, „dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. “ (Prediger 3, 12+13).

So wünsche ich Ihnen ein Wochenende, bei dem Sie zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und fröhlich sind bei aller -auch vergeblicher- Mühe, die die Woche Ihnen gebracht hat. Und ob Ihr Wohnort abgehängt im Hetzen der Zeit oder eine lebendige und liebenswerte Heimat ist, liegt ganz in Ihrem Fühlen & Handeln.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen zu 04.08.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Alles hat seine Zeit

This entry is part 91 of 92 in the series geistliches Wort

Alles hat seine Zeit

Vermutlich werden sie, liebe Leserinnen und Leser, auch zu den Menschen gehören, die sich über diese regnerischen Tage freuen. „Das war ja kein Zustand, diese Trockenheit!“ Bei allen Gemeindebesuchen in den letzten Wochen war das das Thema gewesen. Und nun: „Endlich etwas Regen!“ – obwohl, wird mancher vielleicht sagen: „Es hätte ja nicht gerade am Wochenende sein müssen! Wir wollte eigentlich grillen…“ – Sie kennen das. Irgendetwas könnte immer noch besser oder anders sein: beim Wetter, bei den Kindern, Eltern, Arbeit, Hobby. So sind wir Menschen. Meistens ist uns das gar nicht bewusst, wie schnell wir ins meckern und Nölen verfallen. Das war auch schon immer so.

Das Volk Israel war in Ägypten versklavt. Nichts war erstrebenswerter als die Freiheit. Endlich nicht mehr der Willkür der Ägypter ausgesetzt sein, einer Willkür, die nicht nur im Arbeitsalltag schwer zu ertragen war, sondern bis in die Familienplanung hineinreichte und das Töten von männlichen Babies forderte. Endlich frei sein!

Dann war das geschehen und nach kurzer Zeit ging das Jammern wieder los: In Ägypten hatten wir wenigstens regelmäßig genug zu Essen.. Später dann das versprochene Land, doch auch da war nicht alles Gold, was glänzte. So ist das auf dieser Erde und in unserem Leben: Es ist immer mit Mühe und Vergänglichkeit verbunden. Alles hat seine Zeit und die vergeht auch wieder. Schon im Alten Testament hat sich Kohelet darüber Gedanken gemacht und fasst alles zusammen: Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Also sehen Sie gelassen auf das regnerische Wetter, prägen Sie sich die Kühle gut ein, denn es kommen auch wieder andere Tage, an denen Sie den Nieselregen herbeisehnen.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Alles hat seine Zeit:
Erschienen zu 23. 06.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Henne oder Ei

This entry is part 1 of 92 in the series geistliches Wort
Henne oder Ei

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Was war zuerst da, Hase oder Ei?, ach nein, es muss ja Henne oder Ei heißen! Bei Hase oder Ei ließe sich die Frage recht einfach beantworten. Das Ei war zuerst da! Das Ei als Symbol für das Leben stammt bereits aus vorchristlicher Zeit, ein Blick nach Eisenach zum Sommergewinn erinnert uns daran. Der Hase als Ostersymbol ist erst mit dem Christentum aufgetaucht. Hin und wieder hört man auch, dass der Hase wegen seiner Fruchtbarkeit auch im Germanentum ein Symbol für Leben gewesen sei, doch da werden wohl Hasen und Kaninchen verwechselt. Denn nur Letztere vermehre sich außerordentlich stark. Aber was hat der Hase mit Ostern dann zu tun? In der Antike war man der fälschlichen Meinung, Hasen würden nie schlafen, weil sie angeblich immer die Augen geöffnet haben (Schlaf ist der Bruder des Todes, wenn der eine nicht kommt, dann der andere auch nicht). Dadurch wurden sie zum Symbol des Lebens und der Auferstehung.

Beim Ei hat sich übrigens eine interessante Bedeutungsverschiebung durch die christliche Interpretation ergeben. Es gilt nicht mehr nur als Symbol des Lebens, sondern des neuen Lebens, der Auferstehung: Das Ei ist in einer Schale, die an den Felsen des Grabes Jesu erinnert. Sie scheint wie aus Stein zu sein, auch ist das Ei zunächst kalt. Doch wie durch ein Wunder kann darin Leben wachsen und den Felsen zerbrechen. Wenn man das streng zu Ende denkt, müßten Ostereier eigentlich zerbrochene Eier sein, die bunten Eier, die jetzt schon an manchen Sträuchern hängen, sind dann vorösterliche Eier; Eier der Hoffnung, aber noch nicht des neuen Lebens!

Und was ist mit Henne und Ei? – davon, liebe Leserinnen und Leser, können Sie am nächsten Sonnabend lesen. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Th.-M. Robscheit

Teil II (erschienen eine Woche später):

Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht haben Sie auch am letzten Wochenende das geistliche Wort gelesen und warten darauf, was ich zum Henne-Ei-Problem schreibe. Was war eher da? Henne oder Ei? Das Ei, werden manche rufen. Aus ihm entsteht schließlich neues Leben! Nein, die Henne, denn sie muss das Ei ja gelegt haben. Ja, aber: wenn eine einzelne Henne auch dutzende Eier legt, wird daraus nicht ein einziges Küken schlüpfen, so ganz ohne Hahn!

Man kann dieses Spiel, liebe Leserinnen und Leser noch weiter treiben. Uns allen ist klar, dass diese Frage völlig falsch gestellt ist: keins von beiden war zuerst da! Aber trotzdem bewegt uns diese (sinnlose) Diskussion. Das liegt vielleicht daran, dass wir die Welt als unveränderlich wahrnehmen. Es gibt Hühner und Eier, eines geht aus dem anderen hervor. Das war schon immer so!, denken wir weit häufiger unbewusst als bewusst. Aber nur ganz wenig war tatsächlich schon immer, oder wenigstens sehr lange so, wie wir das kennen. Das meiste verändert sich, doch wir tragen Scheuklappen und können oder wollen das nicht wahrhaben. Wir haben unsere Vorurteile und was da nicht hineinpasst, wird negiert. Das beginnt ganz klein im Alltag, wenn wir unseren Schlüssel nicht finden, der Mitten auf dem Tisch liegt oder die Butter, die uns im Kühlschrank fast ins Gesicht springt. Das geht weiter dort, wo wir mit Klimaveränderung oder Migration konfrontiert werden und hört bei unserem Unverständnis für das Osterfest, der Auferstehung Christi, noch lange nicht auf! Nur hin und wieder gelingt es uns staunend wie ein Kind die Welt zu sehen und ihre alltäglichen Wunder: Henne oder Ei? Beides! Schauen Sie über den Tellerrand Ihrer alltäglichen Erfahrungen!

Ein wundervolles Wochenende wünsche ich Ihnen!

 

Erschienen zu Ostern 2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Gute alte Zeit

This entry is part 2 of 92 in the series geistliches Wort
Gute alte Zeit

Liebe Leserinnen und Leser!
Erinnern Sie sich gerne? Die gute alte Zeit? Oder lassen Sie die Vergangenheit lieber vergangen sein und schauen nach vorn? Beides gibt es; beides ist wichtig! Wer immerzu nach hinten blickt, auf die vermeintlich gute alte Zeit, der verpasst die Chancen der Gegenwart. Denn der Blick ist dann eingeengt. Vieles, was früher gut funktioniert hat, klappt heute nicht mehr, weil sich viele andere Umstände geändert haben. In meiner Kindheit war es durchaus richtig, 20 Flaschen Ketchup zu kaufen, wenn es welches gab, heute macht das wohl niemand mehr. Es gab Zeiten, das war es sinnvoll, Geld in Lexika zu investieren…

Doch wer meint, die Vergangenheit spiele gar keine Rolle, der ist orientierungslos. Wir brauchen unsere Erfahrungen, unsere Wurzel um in die Zukunft hinein zu leben und die Gegenwart zu meistern. Deswegen ist es gut, ab und an innezuhalten und sich auch zu erinnern. So wie die Jugendlichen von einst, die heute ihre Goldene und Diamantene Konfirmation feiern. Da werden viele Erinnerungen wach, da wird über Lehrer und Mitschüler geplaudert, der eigene Lebensweg wir überdacht: was ist in diesen Jahren geschehen, welche finsteren Täler musste ich durchleben und über welche sonnigen Wiesen durfte ich gehen? Manch einer wird bei diesem Rückblick auch die Gewissheit haben, dass Gott ihn behütet hat, Tage, Wochen, Jahre und Jahrzehnte! Es ist gut, ab und zu an die gute alte Zeit zu denken.
Und, liebe Leserinnen und Leser, vergessen Sie nicht: die gute alte Zeit von morgen ist heute!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erschienen am 28.04.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Geburtstag-Feiern

This entry is part 90 of 92 in the series geistliches Wort
Geburtstag-Feiern

Liebe Leserinnen und Leser,

wie erleben Sie Geburtstagsfeiern? Fremde oder Ihre eigenen? Meistens klingelt unentwegt das Telefon und als Gast ist es oft schwierig, mit dem Geburtstagskind in Ruhe zu feiern. Früher oder später wird dann im Gespräch festgestellt, dass es doch früher viel besser war, als noch Karten geschrieben worden sind… Alle sind sich einig. Eigenartigerweise schreiben die Betroffenen selber dennoch ihrerseits dann keine Karten. Woran das wohl liegt? Den Geburtstag vergessen und erst im letzten Moment daran gedacht? Oder das Schreiben lange vor sich her geschoben, weil ja noch Zeit ist – bis dann eben keine mehr war?

Heute und an diesem Wochenende haben einige Kollegen von mir Geburtstag: Wenn Ihr diese Zeilen lest: ich werde nicht anrufen, denn Ihr solltet eine Karte von mir bekommen haben! Gottes Segen wünsche ich Euch für alles, was das neue Jahr mit seinen Veränderungen Euch bringen wird!

Noch schöner als Karten sind allerdings Besuche! Auch jemand, der „nicht groß feiern“ will, freut sich, wenn er nicht alleine rumsitzt und fühlt sich geehrt. Nun gibt es an diesem Wochenende ja noch eine besonders wichtige Geburtstagsfeier. Wie wär´s, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie die alte Dame besuchten? Platz ist meistens genug & je mehr Gäste da sind, desto schöner und festlicher ist es. Und Sie werden vielleicht überrascht feststellen, dass man ihr die fast 2000 Jahre gar nicht anmerkt, der alten Dame, unserer Kirche.

Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 19.05.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Judika – Richte

This entry is part 89 of 92 in the series geistliches Wort

Judika – Richte

Liebe Leserinnen und Leser,

etliche Sonntage haben lateinische Namen, die sich von den Anfangsworten des Psalmes des jeweiligen Sonntags ableiten, dieser heißt Judika. „Hä?“, werden Sie jetzt denken und den Artikel weglegen wollen. Tun Sie das nicht, lesen Sie weiter! Ich fang´ nochmal an!:

Im Gottesdienst gibt es Elemente die fast immer gleich sind und Dinge, die jede Woche anders sind. Diese veränderlichen Dinge sind die Lieder und die Texte, die gelesen werden. Dazu gehören auch 2.500 Jahre alte Gebete, die Psalmen. Diese Gebete waren ursprünglich auf Hebräisch verfasst, wurden dann ins Griechische, von dort im Mittelalter ins Lateinische und schließlich seit der Reformation ins Deutsche übersetzt. „Ja, und? Bedeutet das irgendwas?“

Ja, denn mit jeder Übersetzung kann sich die Bedeutung etwas verschieben! „Judika me“, läßt sich mit „Richte mich“ übersetzen, gemeint ist aber „Richte für mich“, oder „Schaffe mir Recht“, wie Luther und andere übersetzen. In jedem Fall geht es aber um Gerechtigkeit: Wie gerecht werde ich behandelt und wie gerecht behandle ich andere!

Sehr schnell fühlen wir uns ungerecht behandelt, viel seltener empfinden wir dagegen, dass wir andere ungerecht behandeln! Der Sonntag Judika ist wie ein Spiegel, der uns vor Augen gehalten wird. Wo bin ich ungerecht, im Urteilen, im Denken, im Reden, im Handeln? Wo mache ich mir gar nicht die Mühe, meine Vor-Urteile zu hinterfragen? Viel zu oft ziehen wir nur die Schubladen in unserem Kopf auf und sortieren ein: Politiker, Harz-IV-Empfänger, AfD, Dieselfahrzeuge, Kirche oder Islam.

Vielleicht gelingt es Ihnen am Sonntag, sich und Ihre für Sie selbstverständlichen Ansichten zu hinterfragen und zu richten: Könnte meine Meinung oder mein Verhalten ungerecht sein? Sie werden feststellen, gerade in den kleinen Selbstverständlichkeiten verbirgt sich oft viel Ungerechtigkeit – und manches davon könnten wir mit nur wenig Mühe ändern!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 17.03.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Orgeln – unser Erbe?

This entry is part 88 of 92 in the series geistliches Wort
Orgeln

Soli deo Gloria – das hat, liebe Leserinnen und Leser, weder etwas mit dem Solidaritätszuschlag zu tun noch mit Körperhygiene, sondern es steht auf vielen unserer Orgeln. „Allein Gott sei Ehre“ – so heißt dieser lateinische Satz im Deutschen. An anderen Orgeln steht ein Satz aus dem Engelsgesang der Weihnachtsgeschichte: „Gloria in excelsis deo – Ehre sei Gott in der Höhe!“

Und jetzt kommt die Orgel, die Königin der Instrumente, selber zu hohen Ehren: Die Orgel und die Kunst sie zu bauen wurde in das immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen. Einzigartig ist die Orgellandschaft besonders hier bei uns in Thüringen. Eine Ehre, aber auch eine Last: alles Handarbeit, jede Orgel ein Unikat, selbst die Sanierung einer „kleinen“ Dorfkirchenorgel ist fünfstellig. Bei der Sanierung der Sauerorgel in der Lutherkirche gehen wir von Kosten in Höhe von 300.000,00 € aus! Es ist ein teures Erbe der Menschheit, das wir tragen! Und das nur zur Ehre Gottes? „Da hab´ich doch nichts davon!“, wird vielleicht manch einer denken.

Wie ist das bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser? Handeln Sie manchmal über Ihre eigenen Interessen und Vorteile hinaus? Wo opfern Sie Zeit oder Geld für ein höheres Ziel? Und wenn Sie das tun, haben Sie dann wirklich nichts davon? Was ist, wenn Sie sich ehrenamtlich engagieren? Viele Stunden üben, so wie die Musiker und Sänger, die am Sonntag zu Adventsliedersingen einladen? Alles ehrenamtlich, für den Gotteslohn, wie man so schön sagt. Haben Sie da etwas davon?

Ja! Denn es gehört zu unserem Menschsein, dass wir über uns hinaus denken, fühlen & handeln. Dass wir, losgelöst von vordergründigen Vorteilen, kulturbewußt handeln und uns in einer Reihe von Erben sehen. Auch wenn in hundert Jahren niemand mehr unsere Namen kennt, macht es uns menschlich und groß, wenn es uns gelingt das Weltkulturerbe, unsere Orgeln, zu bewahren und an die nächste Generation weiter zu geben. Ganz zweckfrei, Soli deo gloria!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

Erschienen am 2.12.2017 in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Reformationsfest und Halloween

This entry is part 3 of 92 in the series geistliches Wort
Reformationsfest und Halloween

Kaum ein Fest erregt die Gemüter so wie Halloween. Da sind auf der einen Seite die Kinder, die sich gruselig verkleiden wollen und um Süßigkeiten betteln. Und auf der anderen Seite die, die diesen Brauch ablehnen, entweder weil er aus Amerika kommt, weil er offensichtlich aus kommerziellem Interesse forciert wurde oder weil er für das ehrwürdige Reformationsfest Konkurrenz ist und dieses in den Hintergrund drängt. Selbst 2017!

Ich mag Halloween auch nicht. Allerdings, als Kinder sind wir auch bettelnd durch Eisenach gezogen. Nicht am 31. 10. sondern zu Luthers Geburtstag: Märzelmännchen hieß das. Dieser Brauch bezieht sich auf Luthers Schulzeit. Luther war damals mit anderen Schülern durch Eisenach gezogen, sie haben vor den Häusern gesungen und dafür etwas Geld oder Essen bekommen. Folgerichtig haben wir auch als Kinder gesungen, sonst gab es die begehrten Süßigkeiten nicht. Nicht viel anders als Halloween. Und gruselig war das auch – vielleicht unser Gesang, ganz sicher aber im Dunkeln bei irgendwelchen Fremden klingeln!

Liebe Leserinnen und Leser, wie halten Sie´s mit dem neuen Brauch? Wie positionieren Sie sich in diesem „Kulturkampf“? Gibt es Süßigkeiten, verkleiden sich Ihre Kinder oder Enkel? Oder ignorieren Sie die Klingel?

Für alle, die besorgt sind, dass unser wichtiger Reformationstag von Halloween verdrängt wird und so das Abendland wieder ein Stück weiter untergeht, eine wahre Begebenheit. Heute in der Grundschule: „Was feiert Ihr denn eigentlich zu Halloween?“, fragt die Lehrerin. Ein Erstklässler: „Na, dass Martin Luther die Thesen angenagelt hat!“

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 4.11.2017 in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Wo ist Merlot?

This entry is part 4 of 92 in the series geistliches Wort
Das ist, liebe Leserinnen und Leser, nicht die bange Frage nach Wein an einem lauen Sommerabend. Merlot ist ein Hühnerkücken, inzwischen in der Hühnerpubertät. Sein Nest war verlassen worden, das Ei schon ganz kalt, aber irgendwie hatte ich den Eindruck es ist noch Leben darin und so  habe ich mich darum gekümmert, als er geschlüpft war den Winzling  in einer Tasche am Körper getragen und ihn jeden Abend aus der Voliere ins Haus geholt. Wenn ich das mal vergessen hatte oder spät nach hause kam, stand er schimpfend an der Tür...
Und gestern war Merlot weg. Nirgendwo zu sehen. Ich bin zweimal durch die Voliere gegangen, alle anderen Vögel waren da. Aber kein Merlot. Sie können sich denken, wie traurig ich war. Wie sollte er herausgekommen sein oder ein Marder, Waschbär oder ähnliches hinein? Aber irgendwie mußte das Unheil ja passiert sein!
Es hat mir keine Ruhe gelassen. Ich hatte eigentlich genug zu tun. Doch alles andere blieb liegen, ich bin nocheinmal in die Voliere gegangen und habe buchstäblich jeden Stein umgedreht. Da habe ich ihn gefunden! In eine Mauerspalte war er voller Übermut hineingekrochen und nicht wieder herausgekommen. Die Freude war groß, bei mir und auch bei Merlot.
Auch uns, liebe Leserinnen und Leser, geht es manchmal wie Merlot. Aus irgendeinem Grund verkriechen wir uns in eine Ecke. Dann haben wir uns so ins Abseit manövriert, dass wir im übertragenen Sinne nicht mehr heraus kommen. Mir tut es da gut zu wissen, dass auch mich jemand suchen wird. Dass Gott mich nicht verloren gibt!
Ihr Th.-M. Robscheit

Gutes, das uns widerfährt

This entry is part 87 of 92 in the series geistliches Wort
Gutes, das uns widerfährt

Sanfter Wind, Blätterrauschen, ein paar Wölkchen, Sandstrand in der Sonne, Menschen, die im Schatten entspannen. Dazu plätschert unterhaltsam leise Klaviermusik. Als ich ankam hat mich lachend ein braungebrannter Mann begrüßt! So kann man das Leben genießen. Nein, liebe Leserinnen und Leser, ich bin nicht in einer Bar in der Karibik, ich bin an Gottes Gartenhaus! „Ach, Apolle“, werden Sie vielleicht enttäuscht denken: „Nichts Besonderes!“

Oder doch? Heute, am Montag, zwölf Uhr zur Andacht haben die Stühle nicht gereicht. Wie selbstverständlich sind immer mehr Menschen gekommen. Wir haben weitere Stühle hingestellt, aber auch die waren im Nu besetzt. Wieso war es für so viele Menschen ganz normal, zu einer Andacht zu gehen? Was ist hier anders als Sonntag 10:00 in einem der Dörfer unseres Kirchspieles?

Der Wind weht Fetzen des „Halleluja“ herüber. Die Menschen sind gelassen. Der Alltag ist für viele von ihnen irgendwo weit weg. Blumen, Blüten, man hört spielende Kinder. Und aus all dem erwächst das Bedürfnis zu verweilen, hier an Gottes Gartenhaus. Zu hören, zu singen, Gott zu danken.

Vielleicht fällt es vielen von uns schwer, an einem ganz normalen Sonntag den Alltag so weit hinter uns zu lassen, innerlich zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Nicht all das erledigen zu wollen, was in der Woche liegengeblieben ist (und was eigentlich auch noch weiter liegen kann). Hier an Gottes Gartenhaus ist das alles weit weg. Ingo spielt; die „Moldau“ schwingt durch die Seele. So einen Sonntag, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich Ihnen morgen. Dazu auch das Bedürfnis, dankbar zu sein für all das Gute, das uns im Leben widerfährt.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit