Archiv der Kategorie: geistliches Wort

Essen: Gemeinsam schmeckt´s besser

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Essen

Vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, sitzen Sie gerade beim Frühstück  und essen. Lassen Sie es sich schmecken! Sind Sie alleine oder teilen Sie sich die Zeitung gerade mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin? Wahrscheinlich geht es Ihnen so wie mir, dass das Essen mit anderen zusammen besser schmeckt, man läßt sich Zeit. Da macht auch das Vorbereiten der Mahlzeit mehr Freude.

Ich erinnere mich an meine Schwiegeroma Hanni. Wenn wir zu Besuch kamen gab es Gulasch, Rouladen und gelegentlich auch noch Eisbein. Zu einer Mahlzeit! Hintereinander! Knödel, Kartoffeln, Gemüse natürlich auch. Unmöglich das alles auch nur annähernd aufzuessen. Für sich alleine hat sie nie so einen Aufwand betrieben! Irgendwie steckt es tief in unserer Menschlichkeit, miteinander zu essen. Wahrscheinlich erleben wir Gemeinschaft dann am intensivsten.

So ist es sicherlich kein Zufall, dass in den Berichten über Jesus unzählige Annekdoten auftauchen, in denen es ums gemeinsame Essen geht; manchmal nur Brot und Fisch, manchmal ein Festmahl; manchmal wurde er eingeladen, manchmal ist er einfach gekommen; mit Freunden und mit völlig fremden Menschen. Ganz unterschiedlich waren diese Mahlzeiten. Eines aber ist immer gleich: es passierte mehr als nur Nahrungsaufnahme! Es ergaben sich spannende Unterhaltungen, gegensätzliche Meinungen wurde diskutiert oder der Blick auf den Alltag aus einer anderen Perspektive gerichtet. Miteinander essen, miteinander dabei reden, das kann das Leben ungemein bereichern!
Wie wär´s, liebe Leserinnen und Leser, wenn sie heute Ihre Mittagssuppe mit anderen zusammen essen? Laden Sie ein, oder lassen Sie sich einladen!

 

Erschienen als geistliches Wort am 15.06. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Lobt den HERRN, alle Völker!

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Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Mit dem Loben ist das ja so eine Sache. Es fällt uns ja deutlich leichter zu klagen: „ Wie kann Gott das zulassen?“ Diese Frage werden Sie alle schon gehört und vielleicht sogar selber schon gestellt haben. Wir haben Bilder schreiender Ungerechtigkeit vor uns. Kinder, die verwaist in zerstörten Städten herumirren oder Menschen mit stumpfen hoffnungslosem Blick, im Hintergrund der giftige Schlamm, der ihre Dörfer und Familien begraben hat.

„Wenn es Gott gäbe, würde er das nicht zulassen!“ das ist der Vorwurf, den wir zu hören bekommen und kaum entkräften können. Meistens blenden wir aus, dass ein Großteil dieser Not durch Menschen verschuldet ist, von Menschen, die so leben wie wir: deren Regierungen geopolitische Interessen mit Gewalt durchsetzen; Zwietracht säen, lokale Spannungen anheizen und gut daran verdienen, die Konfliktparteien mit Waffen zu versorgen. Wie kann Gott das zulassen; zulassen, dass Menschen so auf Kosten anderer Menschen wie die Maden im Speck leben?

„Nicht immer der moralische Hammer mit der großen Weltpolitik bitte!“, werden Sie jetzt vielleicht aufstöhnen. „Es gibt genug Unbill in meinem eigenen kleinen Leben!“ Auch da finden wir genug Grund zu Klage: Gesundheit, Ärger mit Nachbarn, Ungerechtigkeit in der Gesetzgebung… „Warum sollte ich Gott loben oder danken?“, fragen Sie jetzt vielleicht.

Fällt Ihnen wirklich nichts ein?

Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass es selbstverständlich ist, im Frieden zu leben, genug zu Essen zu haben? Wenn Sie eine Zeitung aufmerksam lesen, werden Sie merken, dass all das keineswegs selbstverständlich ist. Es gibt viele große und kleine Gründe, dankbar zu sein!

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Augen offen sind für das Gute dieser Welt: denn das macht Ihr Leben reicher und gibt Ihnen die Kraft mit vielleicht scheinbar ganz kleinen Schritten, gegen die vielen Übel dieser Welt anzugehen. Und dann wird es wieder jemanden geben, der Gott lobt für das Gute, das ihm widerfährt!

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Erschienen als geistliches Wort am 16.02. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

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Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

Liebe Leserinnen und Leser!

„Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul!“ – leider ist es auch hier wie bei vielen Sprichworten: sie stimmen nur teilweise.
Aber mal der Reihe nach: Mit dem 29. Juni – die Namenspatronen sind Petrus & Paulus – sind die wichtigsten christlichen Feste des Kirchenjahres vorbei: Advent, Weihnachten, Passionszeit, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Die Konfirmationen sind Geschichte, Bibelwochen, Gebetswoche und der Weltgebetstag. Alles sammelt sich in der ersten Jahreshälfte.

Soweit ist das Sprichwort noch richtig; doch warten in der zweiten Jahreshälfte nicht minder wichtige Aufgaben. Sie sind nur oft nicht so sehr im öffentlichen Bewußtsein wie Verwaltung, Fördermitteleinwerben oder Bauaufgaben. Und natürlich warten Erntedank und Reformationstag sowie Feste, die erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben. Denken Sie an Schulanfängergottesdienste oder den Martinstag. Mit dem Faulwerden, liebe Leserinnen und Leser, klappt es leider genauso wenig wie bei den meisten anderen Berufen. Das legendäre Sommerloch gibt es oft nur als Wunschvorstellung!

Aber ein bißchen liegt es auch an uns selber: sind wir doch einfach mal faul, lassen die Seele baumeln und blicken stolz auf das zurück, was wir bereits geschafft haben!

Schließlich haben wir ein prominentes Vorbild: Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut! (1. Mose 2,3)
Also ruhen auch Sie mindestens einen Tag in der Woche von dem aus, was sonst Ihr Alltag ist. Wer viel alleine ist, sollte unter Leute gehen; wer nur Trubel um sich hat, die Einsamkeit suchen und wer immerzu unterwegs ist, zu Hause innehalten und wer meistens zu Hause ist, mal wieder einen Ausflug machen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei diesem Faulenzen dann dankbar feststellen dürfen: die Mühen haben sich gelohnt, es ist alles gut!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erstmals veröffentlich als geistliches Wort am 29.06. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Mitarbeiter sofort eingestellt

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Mitarbeiter sofort eingestellt

In diesem Jahr hatte ich mir in der Passionszeit vorgenommen, sooft wie möglich das Auto stehen zu lassen. Ich bin überrascht, wie unvorhergesehen und interessant die Wege dadurch werden. Manchmal bin ich gelaufen, oft nehme ich den Bus (oder versuche das zumindest). Neulich stand ich mit einer älteren Dame allerdings vergeblich in Kapellendorf; wir plauderten ganz anregt. Die Zeit verging, der Bus kam nicht. Scheinbar hatte jemand seinen Dienstplan nicht richtig gelesen. Ein paar Tage später erzählte ich das einem Busfahrer. Als hätte man in einen Ballon mit Wasser gestochen, sprudelte er los: wie schwierig es sei; viel zu wenig Personal, dauernd ändert sich der Dienstplan, unzählige Überstunden & wenn dann noch jemand krank wird… Der oft beschworene drohende Fachkräftemangel hat längst Einzug gehalten! An verschiedensten Autos kleben Hinweise, dass Mitarbeiter sofort eingestellt würden.

Viel Arbeit und zu wenige, die diese Arbeit stemmen können. Mir kommen ähnliche Sorgen und Probleme in unserer Kirche, dem Gesundheitswesen und Schulen in den Sinn. Doch da fällt nicht ein Bus aus oder ein Haus wird erst später fertig. Da hängt das Wohl und Wehe anderer Menschen oft ganz existentiell vom Engagement derjenigen ab, die da sind, die durchhalten, die eigene Interessen hinten an stellen und denen das dann in aller Regel nicht gedankt wird.

Wie gehen wir, liebe Leserinnen und Leser mit dieser Beobachtung um? Ist das etwas Neues? War das vor 20 Jahren, als es eine hohe Arbeitslosigkeit gab anders? Oder vor 2000 Jahren? Wohl eher nicht: „Und als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstigt und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Wenn sollte Gott senden? Als grüne Damen oder als Schulbegleiter? Wenn sollte er schicken, an der Bushaltestelle anzuhalten & vergeblich Wartende mitzunehmen?Wer hört das Rufen? Fühlen sie sich, liebe Leserinnen und Leser angesprochen?

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort am 06.04. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Hätte der Hund nicht…

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Hätte der Hund nicht…

Sie kennen, liebe Leserinnen und Leser, diesen Spruch vom Hund und seiner Notdurft: Hätte der Hund nicht… hätte er den Hasen gehabt. Früher, als wir selber noch keinen Dackel hatten, konnte ich mir das nicht vorstellen: dass ein Hund auf der Jagd plötzlich innehält und sein Geschäft verrichtet. Nun weiß ich es besser. Bei unserer Frieda ist es tatsächlich so, dass sie nach wenigen Metern Rennen erstmal innehält. Hätte der Hund nicht… hätte er den Hasen gehabt.

Nein, hätte er trotzdem nicht! Aber er läßt sich natürlich trefflich darüber diskutieren, was alles wäre, wenn die Umstände anders gewesen wären. Sie kennen das aus den verschiedensten Lebensbereichen: Hätte ich andere Lehrer gehabt, dann… oder: wäre ich wegen meines Hauses nicht ortsgebunden, dann wäre ich…; wäre der Gottesdienst nicht 10:30, dann …

Was bringt das, dieses „Wenn“ & „Hätte“? Gar nichts! Im Gegenteil! Es lähmt uns. Wir verbeißen uns (wieder ein Hundebild!) in Belanglosigkeit und verlieren das Ziel aus den Augen. Nichts anderes meint Jesus: „Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht gemacht für das Reich Gottes.“ Blicke nach vorn und mach das Beste aus Deiner jetzigen Situation, ganz gleich, wie sie entstanden ist! Dir ist Lebenszeit geschenkt, Du bist verantwortlich dafür, laß Dich von Widrigkeiten und Rückschlägen nicht entmutigen! Das Reich Gottes ist vor dir! Dein Leben hat ein Ziel, verliere es nicht aus den Augen!

Und Frieda? Frieda ist entspannt, sie weiß wie der Hase läuft: „Den Hasen bekomme ich sowieso nicht; aber ich rieche ganz genau, ob er von links nach rechts oder umgekehr gehoppelt kam!“ Und fröhlich bellend zeigt sie mir die Richtung und folgt unbeirrbar ihrem Ziel.

Ein spannendes Wochenende wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erschienen in leicht gekürzter Version als geistliches Wort am 22. 03. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Eitel

Eitel

Liebe Leserinnen und Leser, sind Sie eitel? Oder sollte ich besser fragen: wie eitel sind Sie? Ich gebe unumwunden zu, dass ich durchaus ein bißchen eitel bin und es mich sehr freut, wenn mir etwas gut gelingt und ich dafür gelobt werde. Eine Predigt zum Beispiel oder ein gelungenes Essen. Dann gibt es aber auch Bereiche, da bin ich (fast) völlig uneitel.: Ob ich Markenkleidung trage oder welches Auto ich fahre. Auch wenn ich entgegen der protokollarischen Gepflogenheiten nicht begrüßt werde, verstimmt mich das kaum.

Bei anderen Menschen ist das manchmal ganz anders und sicherlich ist das einer der Gründe, warum ich ungern öffentlich begrüße: Wen begrüßt man in welcher Reihenfolge? & vor allem: Wird auch keiner vergessen? Oder: wie weit in der Hierarchie geht man nach „unten“? Ist es richtig, einen Repräsentanten namentlich zu begrüßen und die vielen, die die eigentliche Arbeit gemacht haben nicht?

Wie froh bin ich da, dass Gott so uneitel ist! Am Beginn eines Gottesdienstes wird kein Landrat und kein Wissenschaftler extra begrüßt. Der Friedensgruß gilt allen! Gott spricht: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein!“ Die menschliche Würde ist nicht an ein Amt oder besondere Geburtsumstände gebunden! Jeder hat vor Gott seinen Namen & seine Ehre – und mehr bedarf es nicht!

Alles andere ist nur menschliche Eitelkeit.

Aber sie ist menschlich und deswegen auch ein bißchen liebenswert. Also freuen Sie sich über Anerkennung & geizen Sie anderen gegenüber damit nicht!

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort „Eitel“ am 12.01.2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Jetzt reicht´s!

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Jetzt reicht´s!

Jetzt reicht´s!“, diesen Ausspruch, liebe Leserinnen und Leser, kennen sie sicherlich alle. wahrscheinlich kommt er auch gelegentlich über Ihre Lippen. Heute, zwei Tage vor heilig Abend, vielleicht? Eigentlich kommt erst noch der vierte Advent, Besinnlichkeit; aber dafür fehlt einfach der Nerv. Es reicht!

Die selben Äußerungen hören wir auch immer wieder von aufgeregten Bürgern; kürzlich z.B. von den Apoldaer Gelbwesten. Und natürlich soll die Parallele zur Wende 89 hergestellt werden. Doch das ist nur leere Hülse. Denn abgesehen davon, dass die Wende im Gebet für Frieden, weltweite Gerechtigkeit und Umweltschutz begonnen hatte, ist der gravierende Unterschied, dass wir damals nicht gegen alles mögliche waren, was uns nicht gepaßt hat (& das war eine Menge!), sondern für eine offene, freie und demokratische Gesellschaft. Und selbst als die eigentliche „Wende“ vollzogen war, haben Menschen nicht gegen die DDR-Mark aufbegehrt, sondern für eine einheitliche Währung, die D-Mark. Nur gegen etwas zu sein, bringt die Gesellschaft nicht voran, im Gegenteil! Dort wo Menschen Visionen, Träume und Ziele haben und dafür eintreten, verändern sie die Welt. Es hilft einen von Hartz IV betroffenen Kind oder einem vereinsamten alten Menschen nicht, über ungerechte Verteilung zu lamentieren; sich bei der Tafel zu engagieren, Pakete zu packen oder Besuche zu machen, dagegen schon.

Aber darum geht es ja in diesem geistlichen Wort gar nicht! Sondern darum, dass Ihnen der Streß vor Weihnachten reicht und sie zu keiner Besinnlichkeit finden. Darüber, liebe Leserinnen und Leser, können Sie zu recht heftig klagen. Sie könnten aber auch etwas für Ihre Seele tun: heute 17:00 in die Lutherkirche gehen, der Advents- & Weihnachtsmusik lauschen, vielleicht ein bißchen mitsingen & Ihrer gehetzten Seele eine Stunde Adventsbesinnung gönnen.

Einen besinnlichen vierten Advent wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erschienen als geistliches Wort „Durch die Zeit treiben“ am 22. 12.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

11. November

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Liebe Leserinnen und Leser,

die deutschen Schicksalstage werden die Tage vom 09. bis 11. November genannt. Sicherlich werden Sie gestern zahlreiche Beiträge in den Medien dazu gelesen, gehört oder gesehen haben. Welche dramatischen Ereignisse alles mit einem 9. November verbunden waren! Und wie ist das bei den beiden folgenden Tagen? Haben die für Sie eine Bedeutung? 11.11.; 11:11: Beginn der Faschingszeit? Oder der Martinstag? Oder das Ende der Kampfhandlunge vor 100 Jahren?

Vielleicht geht es Ihnen auch so ähnlich wie mir, dass ganz unterschiedliche Gedanken bei diesem Datum geweckt werden. Manchmal lese ich in einer Kirche die Namen der gefallenen Söhne, Brüder und Männer auf einer Gedenktafel. Wie jung & wie sinnlos! Wie war es möglich, dass sich so viele Menschen in ganz Europa haben manipulieren lassen und sind größtenteils mit Begeisterung in ihr schreckliches Ende aufgebrochen? Wie konnte es geschehen, dass das christliche Abendland seine eigenen ethischen und moralischen Werte so mit Füßen getreten hat? Dass andere zu Feinden und nicht zum möglicherweise hilfebedürftigen Nächsten wurden? Ich kann das nicht verstehen und ertappe mich bei dem Gedanken, dass ähnliches heute bestimmt nicht mehr denkbar ist. Wirklich nicht? Wabern nicht ganz ähnliche nationalistische Botschaften durch unsere Umwelt?

Dann bin ich froh, dass am 11.11. ganz wichtige abendländische Werte hochgehalten und gefeiert werden: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. All das, was wir mit Martin von Tours verbinden, der aus der Vergangenheit gelernt und zum Pazifisten geworden ist. Martin der mit dem geteilt hat, der Hilfe brauchte. Es macht mich hoffnungsvoll und froh, dass jedes Jahr mehr Eltern und Großeltern mit ihren Kindern zu den Martinsumzügen gehen, teilen üben und so abendländische Werte weitergeben.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort „Durch die Zeit treiben“ am 10.11.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Durch die Zeit treiben

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durch die Zeit treiben

Oft, liebe Leserinnen und Leser, oft haben wir gar kein richtiges Zeitgefühl. Zwar können wir abschätzen, ob es etwa zehn ist, oder nachmittags um fünf. Doch fällt es uns schwer, das Verrinnen der Zeit dazwischen zu fassen. Manchmal rennt sie nur so dahin, manchmal schleicht sie quälend langsam. Und wie oft fragen wir uns nach einer Woche, einem Monat oder Jahr, wo denn die ganze Zeit geblieben ist. Sie rinnt durch die Finger, nichts bleibt.

Und manchmal erleben wir die beglückenden Momente, in denen Zeit gar keine Rolle spielt. Wir sitzen am Strand, blicken auf Wellen. Unaufhörlich rollen sie heran, bäumen sich leicht auf, vergehen. Steine poltern leise grollend in den Wogen hin und her, der Wind weht. Zeit steht still. Und doch sehen wir Bewegung: Felsen am Ufer sind von Wind und Wetter zu skurrilen Denkmalen geschliffen. Welcher unvorstellbar langen Zeiträume hat es bedurft, Sediment am Meeresboden abzulagern, zu verfestigen, dann anzuheben und schließlich wieder zu zerbröseln! Der Zahn der Zeit hat sichtbar genagt, doch wir sind frei. Unsere Seele treibt leicht durch die Zeiten, Millionen Jahre mit jeder kleinen Welle. So unendlich viel.

Ganz objektiv, liebe Leserinnen und Leser, vergeht auch in solchen Momenten unsere Lebenszeit, aber wir verlieren nichts! In solchen Momenten spüren wir etwas von der Ewigkeit, die Gott uns Menschen in Herz gelegt hat und wir bewahren sie vielleicht bis zum Ende unserer Tage.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort „Durch die Zeit treiben“ am 22. 09.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Abgehängt

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Abgehängt

Liebe Leserinnen und Leser,
„abgehängt“ ist in dieser Woche das Un-Wort in Apolda & das alles wegen eines schlecht recherchierten Beitrages eines dritten Programmes. Ich habe mir die Mühe gemacht und den Beitrag in der Mediathek angesehen. Interessant ist das Ende: da wird nämlich gefordert, dass die Bundespolitik agieren müsse (also die da oben – bloß sich nicht selber anstrengen), „damit sich… niemand abgehängt fühlt.“

Aber, fühlen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, überhaupt abgehängt? Wann kann einem das eigentlich passieren, dass man „abgehängt“ wird? Ich habe irgendwelches Rennen und Hetzen vor Augen. Ausdauerlauf im Stadion, bei denen irgendwann der Punkt erreicht ist, dass jemand nicht mehr mitkommt. Manch einer denkt vielleicht auch an das Hamsterrad in das Arbeit und Alltag ihn zwängen. Immer schneller und immer mehr, bis es nicht mehr geht.

Immer schneller, immer mehr, immer schöner, immer weiter, immer billiger. Wo noch so gedacht wird, wird Raubbau betrieben an Menschen und Ressourcen, werden Lebensqualität und Zukunft zerstört. Im privaten Umfeld, wie in der Wirtschaft erleben wir fast täglich, dass dies ein Irrweg ist. Es gibt kein grenzenloses Wachstum. Vielmehr ist das alles ein Rennen im Stadion: Runde um Runde kommt man an der selben Stelle vorbei. Ist es da nicht viel klüger, (sich) abzuhängen? „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, alles ist eitel und Haschen nach Wind“, lesen wir schon im Alten Testament (Prediger 1) und die Erkenntnis, „dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. “ (Prediger 3, 12+13).

So wünsche ich Ihnen ein Wochenende, bei dem Sie zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und fröhlich sind bei aller -auch vergeblicher- Mühe, die die Woche Ihnen gebracht hat. Und ob Ihr Wohnort abgehängt im Hetzen der Zeit oder eine lebendige und liebenswerte Heimat ist, liegt ganz in Ihrem Fühlen & Handeln.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen zu 04.08.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen