Archiv der Kategorie: geistliches Wort

online-Gottesdienst am 05.04.2020 aus der Martinskirche

online-Gottesdienst am 05.04.2020 aus der Martinskirche in Apolda; 10:00

Sie können sich auch den Gottesdienst als .mp3 Datei zum Hören herunterladen!

 

online-Gottesdienst am 22.03.2020 aus der Martinskirche

Feiern Sie mit uns Gottesdienst!

 

Die Lieder und Gebete des Gottesdienstes können Sie hier herunterladen (pdf).

Wenn sie den Gottesdienst nur hören möchten, können Sie ihn hier als mp3 downloaden.

Gott segne Sie! Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

Melancholie

This entry is part of 106 in the series geistliches Wort
Melancholie

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“

Sie kennen, liebe Leserinnen und Leser vermutlich das Gedicht, dem diese Zeilen entstammen. Wahrscheinlich kennen Sie auch das beschriebene Gefühl: Melancholie, Traurigkeit, vielleicht sogar Schwermut. Aber erinnern Sie sich auch, wann Sie das letzte Mal melancholisch waren? Ich meine nicht tief traurig, weil Sie enttäuscht wurden oder Ihnen das Leben übel mitgespielt hat. Ich meine jene hereinschleichende Melancholie, für die wir oft keine konkrete Ursache benennen können. Die sich wie ein Nebel auf unser Gemüt legt? Vielen wird es wahrscheinlich schwerfallen, sich zu erinnern: „Wann war ich das letzte Mal melancholisch, habe die Stirn ans kalte Fenster gepresst oder vor dem Ofen gesessen und einfach nur vor mich hingestarrt?“ Unsere Zeit, unsere Umwelt, ja unser eigenes Inneres sträuben sich dagegen! Einfach rumsitzen und die Gedanken treiben lassen, ziellos im Meer der Wehmut? Dabei Weltschmerz spüren & keine Lösung in Sicht? Nein, das wollen wir nicht! Schnell sind wir dabei, jede aufkeimenden Melancholie zu vertreiben. Mit Geschäftigkeit oder im oberflächlichen Rausch des TV. Das ist schade! Solche melancholische Seelenreise ist keineswegs vergeudete Zeit! Wir können die Tiefen unseres Lebens erspüren die sich unter der Alltagsoberfläche erstrecken, etwas erahnen von der Größe, von der Göttlichkeit,die uns umgibt.

Melancholie, nein, das ist nicht nur traurige Schwere, das ist der Weg der tiefen Gedanken im Meer der inneren Ruhe! In den Wochen vor Ostern sind Sie eingeladen, sich auf diese Reise zu begeben: zu Hause, allein in einer Kirche, oder auch zur Passionsandacht. Heute zum Beispiel (18:00 Martinskirche) wird die Melencholia von Dürer uns inspirieren. Eines kann ich Ihnen schon verraten: sie ist keineswegs tränenverschwommene Traurigkeit!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

 

Melancholie

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 07. März 2020

Die Passionsandachten 2020 in Apolda beschäftigen sich mit Stichen A. Dürers, die auch in der derzeitigen Ausstellung des Kunsthauses in Apolda zu bewundern sind.

Gott sei Dank!

This entry is part 105 of 106 in the series geistliches Wort
Gott sei Dank!

Das Schienenbein ist bläulich-rot, der halbe Fuß ebenso. Es schmerzt, aber bei weitem nicht so, wie es aussieht! Der Sturm hatte ein Eisentor aus seiner Verankerung gerissen. Beim Versuch es wieder zu lösen, gibt es plötzlich nach. Das Bein ist im Weg. Schmerz schießt ins Hirn, im Bauch wird´s flau. Erstmal setzen! Ruhig atmen! Dann vorsichtig auftreten: es geht, nichts gebrochen! Gott sei Dank!

Dankbarsein bei einem Unfall? Ja. Liebe Leserinnen und Leser, das kann man! Es hätte viel übler enden können. Nur ein paar Zentimeter weiter und der Schlag hätte das Gelenk getroffen, was möglicherweise ganz anders ausgegangen wäre. „Da hatte ich einen Schutzengel!“ – wann haben Sie sich das zum letzten mal gesagt? Meistens realisieren wir gar nicht, was alles hätte schief gehen können, welchen Gefahren wir entronnen sind. Am ehesten haben wir im Straßenverkehr noch ein Gefühl für das Risiko: Die Sonne blendet, Sprühwasser wird aufgewirbelt oder es ist bereits dunkel. Trotzdem wird zügig gefahren. Wie oft wurden wir da wohl schon behütet, weil ein Engel dem Reh, das wir gar nicht bemerkt hatten, im Weg stand?

Manchmal brauchen wir so einen sprichwörtlichen Tritt vor´s Schienbein, damit wir wach werden für die Geschenke unseres Lebens. Essen, Kleidung, Frieden – nichts ist selbstverständlich!

Und wenn Ihnen das nächste Mal beim Telefonieren plötzlich siedend heiß einfällt, dass da noch ein Topf auf dem Herd steht, dann meinen Sie es einfach mal ernst, wenn Sie murmeln „Gott sei Dank!“

 

„Gott sei Dank!“

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 15. Februar 2020

Spenden und der kleine Finger

This entry is part 104 of 106 in the series geistliches Wort

Spenden und der kleine Finger

Heute habe ich, liebe Leserinnen und Leser, eine ältere Dame aus unserer Gemeinde besucht. Auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer ein Berg Papiere, Briefe, Kalender und eine Ehrenurkunde. Wahrscheinlich ist ihr mein fragender Blick aufgefallen: „Ich weiß auch nicht, was das alles soll!“, ein hilfloser Blick auf den Tisch. Ein Kalender mit schönen Tierfotografien, zwei mit Wassermotiven, einer mit Kinderbildern. „Warum haben Sie denn soviele Kalender?“, frage ich. Und dann entdecke ich zahlreiche Überweisungsträger. Alle von gemeinnützigen Organisationen. Jede einzelne seriös und ihre Spendenziele sehr plausibel und wichtig: Kinder, die Bildung brauchen, woanders gibt es nicht genügend sauberes Wasser, Augen-OPs, die Menschen vor Blindheit und damit Armut schützen; Tiere, die von Menschen vernachlässigt oder gequält werden,… Sie alle engagieren sichfür wichtige Ziele und sind dafür auf Spenden angewiesen. Und natürlich müssen diese Organisationen dafür den Menschen bekannt sein. Deswegen die Briefe und die Urkunde, wenn man besonders viel gespendet hat. Deswegen auch die schönen Kalender, die einen dann ein ganzes Jahr erfreuen und auch erinnern sollen. Das alles ist plausibel und doch auch Irrsinn! Niemand wird sich die vier Kalender aufhängen! Sie sind gedruckt um in die blaue Tonne zu fliegen! Die ältere Dame war verzweifelt. Sie möchte, wie erfreulicherweise der größte Teil der Deutschen, spenden und mit ihrem Geld Gutes tun. Besitz verpflichtet! Jesus fordert unmißverständlich dazu auf, seinem Nächsten zu helfen. Nächstenliebe ist für viele Christen selbstverständlich. Auch für die ältere Dame, aber sie will nicht so zugemüllt werden! Schade um das Papier, die Mühe, das Geld!

Und dann hatte sie eine gute Idee: zwei Organisationen, die ihr besonders wichtig sind, werden auch weiterhin Spenden bekommen. Die anderen erhalten einen freundlichen Brief, dass sie bitte die Adressdaten löschen sollen. Dann gibt es keine Spemndenbriefe mehr & keine Kalender, die gleich in den Müll wandern.

Und wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser, was diese beiden Organisationen geschickt hatten? Nein, keinen Kalender, keine Sticker, keine Urkunde. Nur einen Brief. Einen kurzer Brief, in welchem berichtet wurde, was mit den letzten Spenden gemacht wurde & wofür weitere erbeten werden.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

Alles muss klein beginnen

This entry is part 1 of 106 in the series geistliches Wort
„Alles muss klein beginnen“

Vielleicht kennen Sie, liebe Leserinnen & Leser, dieses Lied von Gerhard Schöne. „Alles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen, es muss nur Kraft gewinnen  und schließlich ist es groß!“ – banal ist das in seiner Einfachheit. „Alles muss klein beginnen“ – im Rückblick auf manches Große, das wir kennen, fällt uns diese simple Wahrheit zu begreifen schwer. Die riesige Luther-Eiche im Kirchhof Oberndorf, kaum vorstellbar, dass auch sie aus einer kleinen Eichel gewachsen ist. Doch alles was wächst beginnt klein, ein Baum ebenso wie ein Mensch und auch im übertragenen Sinn ist das so: ein großer Fluss hat seinen Anfang in einer kleinen Quelle und ein Literaturprofessor hat irgendwann seinen ersten Buchstaben gelernt.

Das Große ist augenfällig und wird beachtet. Leider werden wir dadurch oft blind für alles was jetzt wächst. Und uns fehlt die Vision, im Kleinen und Unscheinbaren heute das Große von morgen zu erkennen. Deswegen achten wir es oft gering & haben den Eindruck, frühere Tage waren glorreicher. Da wurde die Krönungsmesse komponiert und die neunte Sinfonie. Leonardo da Vinci schuf in Mailand das berühmte Abendmahl. Uns fallen zahlreiche Beispiele ein. Aber auch da sehen wir nur auf das Große und das verstellt uns den Blick:  Leonardo ist in einer langen Tradition christlicher Malerei zu Hause, es gab unzählige andere Abendmahlsdarstellungen und Skizzen. 

Die Luther-Eiche ist aus einer einzelnen Eichel gewachsen, aber es gab hunderte anderer Eicheln. So viele Möglichkeiten! Gut, dass nicht alle zu riesigen Bäumen gewachsen sind! Nicht jede kleine Quelle wird zu einem reisenden Strom, manche versickert wieder, befeuchten die Erde und ermöglichen Pflanzenwachstum. Für mich ist dieser Gedanke hoffnungsvoll: nicht alles, was klein beginnt muss unbedingt großartig werden; Fehler und Scheitern sind ganz normal; auch in unserem Leben. Und mit Gottes Segen wird aus manchem auch etwas Großes werden. Nur das Beginnen liegt bei uns und zwar immer klein.

 

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 24. August 2019

Wunder gibt es immer wieder

This entry is part 102 of 106 in the series geistliches Wort
Wunder gibt es immer wieder…

Liebe Leserinnen und Leser, mal Hand auf´s Herz: Glauben Sie an Wunder? Man hört ja manchmal den Satz, Wunder gibt es immer wieder…Wie geht es Ihnen, wenn Sie Berichte über angebliche Wunder hören? Diesen zum Beispiel: Um das Jahr 30 sind zwei der Anhänger Jesu auf den Weg zum Tempel um dort zu beten. Es wird erzählt, dass vor dem Tor ein Bettler sitzt, der seit Geburt gelähmt ist. Die beiden Männer sprechen ihn an: „ Geld haben wir keins!“ Sattdessen ist er plötzlich gesund und kann laufen.

„Frommer Unsinn!“, werden manche von Ihnen denken. „Wird so gewesen sein!“, sind andere überzeugt und die meisten von Ihnen werden wahrscheinlich keine richtige Meinung dazu haben: „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ist ziemlich unwahrscheinlich, andererseits…“

Viel spannender als sich Gedanken darüber zu machen, ob oder wie diese Heilung geschehen ist, ist die Frage:

Warum wurde diese Geschichte aufgeschrieben?

Jesus ist bereits nicht mehr auf dieser Erde; die Geschichte taugt also nicht als „Beweis“ für seine besondere Rolle oder Fähigkeiten. Vom Bettler wird kein ein besonderer Glaube erwartet, die Geschichte ist also auch kein moralischer Zeigefinger nach dem Motto: Wenn du richtig glaubst, dann geschehen auch in Deinem Leben Wunder!

Warum wurde diese und viele andere Geschichten von Wundern überliefert? Warum gibt es an vielen Wallfahrtskirchen unzählige Tafeln, auf denen Menschen ihre wunderbare Heilung oder Rettung beschreiben? Ich bin überzeugt, dass wir Menschen uns Geschichten von Wundern zunächst aus Dankbarkeit weitererzählen. Aber auch, weil Wundergeschichten unseren Blick weiten: es gibt mehr als das, was plausibel und wahrscheinlich ist. Denn leider neigen wird dazu, uns in unserem Trott zu verkriechen & zu erwarten, dass alles klar und unveränderlich sei.

So wie der Bettler: er bettelt. Schon immer. Leute kommen und geben Almosen. So ist die Welt. So bleibt alles. Falsch! Es kann alles auch ganz anders werden. Damit wir das nicht gänzlich vergessen, damit wir Hoffnung behalten, sollten wir die Geschichten der kleinen und großen Wunder auch heute in der scheinbar so abgeklärten Zeit voller Staunen und dankbarer Freude weitererzählen. Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, denn sicherlich haben Sie manches kleine oder große Wunder selber schon erleben dürfen. Wunder gibt es immer wieder!

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 07.09. 2019

Worte und Wörter

This entry is part 103 of 106 in the series geistliches Wort
Worte und Wörter

Können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass ein Bibelwort eine Regierung zum Handeln bringt? Ich meine nicht vor zweitausend Jahren, sondern heute. „Nein, sicherlich nicht!“, werden Sie mir antworten. Das ist doch alles zu lange her und aus einer ganz anderen Zeit! So eine Macht haben Wörter nicht.“

Wörter sicherlich nicht. Da gebe ich Ihnen recht. Die Plätschern uns den ganzen Tag um die Ohren, man nimmt sie kaum wahr. Ebenso die reflexartigen Aufschreie, sobald jemand die weichgespülte politische Korrektheit verbal verlässt. Aber Worte, das ist doch etwas anderes! Worte haben doch Bestand, enthalten ewige Wahrheiten!

„Trotzdem“, werden Sie sagen, „die Worte der Bibel bewirken doch keine politischen Entscheidungen!“

Eigentlich bin ich im ersten Moment geneigt, Ihnen recht zu geben, denn wen interessiert schon noch die Bibel? Doch dann habe ich den Predigttext für Sonntag gelesen. Es ist eine der beiden Stellen, in denen „Schwerter zu Pflugscharen“ gedacht wird. Vor gut 35 Jahren hat diese 2500 Jahre alte pazifistische Idee sehr wohl eine Regierung zum Handeln und damit unzählige junge Menschen in Haft gebracht. Nur weil sie an der Jacke einen Aufnäher mit einer Bibelstelle nebst dem Bild eines sowjetischen Denkmals an die UNO trugen!

Und heute? Auch heute erleben wir hin und wieder, dass Politiker nicht ihr Fähnchen nach der öffentlichen Meinung in den Wind hängen, sondern christlich-abendländische Werte ernst nehmen und sich damit oft heftigster Kritik aussetzen. „Was Ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ – Jesus und die Werke der Barmherzigkeit und die ganz konkrete Antwort einer Politikerin: „Wir schaffen das!“, getragen damals von unzähligen Mitbürgern, die angepackt haben, die Hungernde gespeist, Nackte gekleidet & Fremde aufgenommen haben.

Wo Wörter oft nur Schall und Rauch sind, können Worte die Welt verändern; die Worte der Bibel, aber auch unsere eigenen.

Worte und Wörter, was geben Sie von sich wenn Sie sprechen?

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erstmals erschienen in der Thüringer Allgemeinde, Ausgabe Apolda am 10. August 2019

Essen: Gemeinsam schmeckt´s besser

This entry is part 3 of 106 in the series geistliches Wort

Essen

Vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, sitzen Sie gerade beim Frühstück  und essen. Lassen Sie es sich schmecken! Sind Sie alleine oder teilen Sie sich die Zeitung gerade mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin? Wahrscheinlich geht es Ihnen so wie mir, dass das Essen mit anderen zusammen besser schmeckt, man läßt sich Zeit. Da macht auch das Vorbereiten der Mahlzeit mehr Freude.

Ich erinnere mich an meine Schwiegeroma Hanni. Wenn wir zu Besuch kamen gab es Gulasch, Rouladen und gelegentlich auch noch Eisbein. Zu einer Mahlzeit! Hintereinander! Knödel, Kartoffeln, Gemüse natürlich auch. Unmöglich das alles auch nur annähernd aufzuessen. Für sich alleine hat sie nie so einen Aufwand betrieben! Irgendwie steckt es tief in unserer Menschlichkeit, miteinander zu essen. Wahrscheinlich erleben wir Gemeinschaft dann am intensivsten.

So ist es sicherlich kein Zufall, dass in den Berichten über Jesus unzählige Annekdoten auftauchen, in denen es ums gemeinsame Essen geht; manchmal nur Brot und Fisch, manchmal ein Festmahl; manchmal wurde er eingeladen, manchmal ist er einfach gekommen; mit Freunden und mit völlig fremden Menschen. Ganz unterschiedlich waren diese Mahlzeiten. Eines aber ist immer gleich: es passierte mehr als nur Nahrungsaufnahme! Es ergaben sich spannende Unterhaltungen, gegensätzliche Meinungen wurde diskutiert oder der Blick auf den Alltag aus einer anderen Perspektive gerichtet. Miteinander essen, miteinander dabei reden, das kann das Leben ungemein bereichern!
Wie wär´s, liebe Leserinnen und Leser, wenn sie heute Ihre Mittagssuppe mit anderen zusammen essen? Laden Sie ein, oder lassen Sie sich einladen!

 

Erschienen als geistliches Wort am 15.06. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Lobt den HERRN, alle Völker!

This entry is part 2 of 106 in the series geistliches Wort

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Mit dem Loben ist das ja so eine Sache. Es fällt uns ja deutlich leichter zu klagen: „ Wie kann Gott das zulassen?“ Diese Frage werden Sie alle schon gehört und vielleicht sogar selber schon gestellt haben. Wir haben Bilder schreiender Ungerechtigkeit vor uns. Kinder, die verwaist in zerstörten Städten herumirren oder Menschen mit stumpfen hoffnungslosem Blick, im Hintergrund der giftige Schlamm, der ihre Dörfer und Familien begraben hat.

„Wenn es Gott gäbe, würde er das nicht zulassen!“ das ist der Vorwurf, den wir zu hören bekommen und kaum entkräften können. Meistens blenden wir aus, dass ein Großteil dieser Not durch Menschen verschuldet ist, von Menschen, die so leben wie wir: deren Regierungen geopolitische Interessen mit Gewalt durchsetzen; Zwietracht säen, lokale Spannungen anheizen und gut daran verdienen, die Konfliktparteien mit Waffen zu versorgen. Wie kann Gott das zulassen; zulassen, dass Menschen so auf Kosten anderer Menschen wie die Maden im Speck leben?

„Nicht immer der moralische Hammer mit der großen Weltpolitik bitte!“, werden Sie jetzt vielleicht aufstöhnen. „Es gibt genug Unbill in meinem eigenen kleinen Leben!“ Auch da finden wir genug Grund zu Klage: Gesundheit, Ärger mit Nachbarn, Ungerechtigkeit in der Gesetzgebung… „Warum sollte ich Gott loben oder danken?“, fragen Sie jetzt vielleicht.

Fällt Ihnen wirklich nichts ein?

Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass es selbstverständlich ist, im Frieden zu leben, genug zu Essen zu haben? Wenn Sie eine Zeitung aufmerksam lesen, werden Sie merken, dass all das keineswegs selbstverständlich ist. Es gibt viele große und kleine Gründe, dankbar zu sein!

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Augen offen sind für das Gute dieser Welt: denn das macht Ihr Leben reicher und gibt Ihnen die Kraft mit vielleicht scheinbar ganz kleinen Schritten, gegen die vielen Übel dieser Welt anzugehen. Und dann wird es wieder jemanden geben, der Gott lobt für das Gute, das ihm widerfährt!

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Erschienen als geistliches Wort am 16.02. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.