Möbelhaus?

This entry is part 71 of 103 in the series geistliches Wort

Jetzt sitze ich nun im blau-gelben Möbelhaus, trinke kostenlosen Kakao & frage mich nach wie vor, was ich eigentlich hier mache. „Nun, wir brauchen schon lange verschiedenste Dinge, diese Einkaufstour war einfach mal wieder fällig!“, so könnte die klare Antwort der Gattin lauten.
Stimmt das? Brauchen wir die Dinge, die wir nachher an der Kasse bezahlen werden tatsächlich? Oder hätte man nicht Ähnliches auch viel näher besorgen können?
Sie merken schon, liebe Leser, dass ich von der Notwendigkeit dieses Einkaufs nicht restlos überzeugt bin & geben mir vielleicht recht. Aber Sie, liebe Leserinnen, können meine Bedenken möglicherweise gar nicht teilen & Ihnen leuchtet sofort ein, dass neue Gläser oder Kissen existentiell wichtig sind.
Würde nun meine Frau weiterschreiben, wäre es ihr vermutlich ein Leichtes, dutzende Beispiele aufzuführen, wo mir Dinge wichtig sind, die sie wiederum für verzichtbar hält.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wird das nicht anders gehen. Vorstellungen, Wichtungen & Werte sind nicht bei allen Menschen deckungsgleich. Das wäre auch sehr langweilig. Doch es macht das Leben nicht nur spannend, sondern auch anstrengend. Als Menschen können wir nur dort gut zusammenleben, wo wir unsere eigenen Vorstellungen nicht zum Maß aller Dinge erheben. Toleranz, Empathie und das Über-den-eigenen-Schatten-Springen sind in einer Beziehung zweier Menschen unverzichtbar. Keineswegs bedeutet das, dass alle eigenen Vorstellungen geopfert werden müssten, im Gegenteil! Je genauer ich selber weiß, was mir wichtig ist, desto leichter fällt es Kompromisse zu finden.
So wie im Miteinander zweier Menschen, ist es auch zwischen den Kulturen: Nicht alles, was uns wichtig erscheint ist das in den Augen anderer auch & manches, was uns an anderen Kulturen befremdet, bereichert in Wirklichkeit auch unser Leben. Eine Ehe, in der es immer nur nach einem Partner geht ist ebenso armselig wie ein Volk, dass nicht mehr genügend Kraft hat, Fremdes in seiner Mitte zu tolerieren.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Nachtrag: Ich bin dann doch mit durch die Regale geschlendert (natürlich nicht, um meine Frau von unnützen Käufen abzuhalten!) und siehe da, das eine oder andere wanderte durch meine Hand in den Einkaufswagen.

August 2015

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