Alles hat seine Zeit

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Alles hat seine Zeit

Vermutlich werden sie, liebe Leserinnen und Leser, auch zu den Menschen gehören, die sich über diese regnerischen Tage freuen. „Das war ja kein Zustand, diese Trockenheit!“ Bei allen Gemeindebesuchen in den letzten Wochen war das das Thema gewesen. Und nun: „Endlich etwas Regen!“ – obwohl, wird mancher vielleicht sagen: „Es hätte ja nicht gerade am Wochenende sein müssen! Wir wollte eigentlich grillen…“ – Sie kennen das. Irgendetwas könnte immer noch besser oder anders sein: beim Wetter, bei den Kindern, Eltern, Arbeit, Hobby. So sind wir Menschen. Meistens ist uns das gar nicht bewusst, wie schnell wir ins meckern und Nölen verfallen. Das war auch schon immer so.

Das Volk Israel war in Ägypten versklavt. Nichts war erstrebenswerter als die Freiheit. Endlich nicht mehr der Willkür der Ägypter ausgesetzt sein, einer Willkür, die nicht nur im Arbeitsalltag schwer zu ertragen war, sondern bis in die Familienplanung hineinreichte und das Töten von männlichen Babies forderte. Endlich frei sein!

Dann war das geschehen und nach kurzer Zeit ging das Jammern wieder los: In Ägypten hatten wir wenigstens regelmäßig genug zu Essen.. Später dann das versprochene Land, doch auch da war nicht alles Gold, was glänzte. So ist das auf dieser Erde und in unserem Leben: Es ist immer mit Mühe und Vergänglichkeit verbunden. Alles hat seine Zeit und die vergeht auch wieder. Schon im Alten Testament hat sich Kohelet darüber Gedanken gemacht und fasst alles zusammen: Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Also sehen Sie gelassen auf das regnerische Wetter, prägen Sie sich die Kühle gut ein, denn es kommen auch wieder andere Tage, an denen Sie den Nieselregen herbeisehnen.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Alles hat seine Zeit:
Erschienen zu 23. 06.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Geburtstag-Feiern

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Geburtstag-Feiern

Liebe Leserinnen und Leser,

wie erleben Sie Geburtstagsfeiern? Fremde oder Ihre eigenen? Meistens klingelt unentwegt das Telefon und als Gast ist es oft schwierig, mit dem Geburtstagskind in Ruhe zu feiern. Früher oder später wird dann im Gespräch festgestellt, dass es doch früher viel besser war, als noch Karten geschrieben worden sind… Alle sind sich einig. Eigenartigerweise schreiben die Betroffenen selber dennoch ihrerseits dann keine Karten. Woran das wohl liegt? Den Geburtstag vergessen und erst im letzten Moment daran gedacht? Oder das Schreiben lange vor sich her geschoben, weil ja noch Zeit ist – bis dann eben keine mehr war?

Heute und an diesem Wochenende haben einige Kollegen von mir Geburtstag: Wenn Ihr diese Zeilen lest: ich werde nicht anrufen, denn Ihr solltet eine Karte von mir bekommen haben! Gottes Segen wünsche ich Euch für alles, was das neue Jahr mit seinen Veränderungen Euch bringen wird!

Noch schöner als Karten sind allerdings Besuche! Auch jemand, der „nicht groß feiern“ will, freut sich, wenn er nicht alleine rumsitzt und fühlt sich geehrt. Nun gibt es an diesem Wochenende ja noch eine besonders wichtige Geburtstagsfeier. Wie wär´s, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie die alte Dame besuchten? Platz ist meistens genug & je mehr Gäste da sind, desto schöner und festlicher ist es. Und Sie werden vielleicht überrascht feststellen, dass man ihr die fast 2000 Jahre gar nicht anmerkt, der alten Dame, unserer Kirche.

Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 19.05.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Judika – Richte

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Judika – Richte

Liebe Leserinnen und Leser,

etliche Sonntage haben lateinische Namen, die sich von den Anfangsworten des Psalmes des jeweiligen Sonntags ableiten, dieser heißt Judika. „Hä?“, werden Sie jetzt denken und den Artikel weglegen wollen. Tun Sie das nicht, lesen Sie weiter! Ich fang´ nochmal an!:

Im Gottesdienst gibt es Elemente die fast immer gleich sind und Dinge, die jede Woche anders sind. Diese veränderlichen Dinge sind die Lieder und die Texte, die gelesen werden. Dazu gehören auch 2.500 Jahre alte Gebete, die Psalmen. Diese Gebete waren ursprünglich auf Hebräisch verfasst, wurden dann ins Griechische, von dort im Mittelalter ins Lateinische und schließlich seit der Reformation ins Deutsche übersetzt. „Ja, und? Bedeutet das irgendwas?“

Ja, denn mit jeder Übersetzung kann sich die Bedeutung etwas verschieben! „Judika me“, läßt sich mit „Richte mich“ übersetzen, gemeint ist aber „Richte für mich“, oder „Schaffe mir Recht“, wie Luther und andere übersetzen. In jedem Fall geht es aber um Gerechtigkeit: Wie gerecht werde ich behandelt und wie gerecht behandle ich andere!

Sehr schnell fühlen wir uns ungerecht behandelt, viel seltener empfinden wir dagegen, dass wir andere ungerecht behandeln! Der Sonntag Judika ist wie ein Spiegel, der uns vor Augen gehalten wird. Wo bin ich ungerecht, im Urteilen, im Denken, im Reden, im Handeln? Wo mache ich mir gar nicht die Mühe, meine Vor-Urteile zu hinterfragen? Viel zu oft ziehen wir nur die Schubladen in unserem Kopf auf und sortieren ein: Politiker, Harz-IV-Empfänger, AfD, Dieselfahrzeuge, Kirche oder Islam.

Vielleicht gelingt es Ihnen am Sonntag, sich und Ihre für Sie selbstverständlichen Ansichten zu hinterfragen und zu richten: Könnte meine Meinung oder mein Verhalten ungerecht sein? Sie werden feststellen, gerade in den kleinen Selbstverständlichkeiten verbirgt sich oft viel Ungerechtigkeit – und manches davon könnten wir mit nur wenig Mühe ändern!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 17.03.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Orgeln – unser Erbe?

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Orgeln

Soli deo Gloria – das hat, liebe Leserinnen und Leser, weder etwas mit dem Solidaritätszuschlag zu tun noch mit Körperhygiene, sondern es steht auf vielen unserer Orgeln. „Allein Gott sei Ehre“ – so heißt dieser lateinische Satz im Deutschen. An anderen Orgeln steht ein Satz aus dem Engelsgesang der Weihnachtsgeschichte: „Gloria in excelsis deo – Ehre sei Gott in der Höhe!“

Und jetzt kommt die Orgel, die Königin der Instrumente, selber zu hohen Ehren: Die Orgel und die Kunst sie zu bauen wurde in das immaterielle Weltkulturerbe aufgenommen. Einzigartig ist die Orgellandschaft besonders hier bei uns in Thüringen. Eine Ehre, aber auch eine Last: alles Handarbeit, jede Orgel ein Unikat, selbst die Sanierung einer „kleinen“ Dorfkirchenorgel ist fünfstellig. Bei der Sanierung der Sauerorgel in der Lutherkirche gehen wir von Kosten in Höhe von 300.000,00 € aus! Es ist ein teures Erbe der Menschheit, das wir tragen! Und das nur zur Ehre Gottes? „Da hab´ich doch nichts davon!“, wird vielleicht manch einer denken.

Wie ist das bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser? Handeln Sie manchmal über Ihre eigenen Interessen und Vorteile hinaus? Wo opfern Sie Zeit oder Geld für ein höheres Ziel? Und wenn Sie das tun, haben Sie dann wirklich nichts davon? Was ist, wenn Sie sich ehrenamtlich engagieren? Viele Stunden üben, so wie die Musiker und Sänger, die am Sonntag zu Adventsliedersingen einladen? Alles ehrenamtlich, für den Gotteslohn, wie man so schön sagt. Haben Sie da etwas davon?

Ja! Denn es gehört zu unserem Menschsein, dass wir über uns hinaus denken, fühlen & handeln. Dass wir, losgelöst von vordergründigen Vorteilen, kulturbewußt handeln und uns in einer Reihe von Erben sehen. Auch wenn in hundert Jahren niemand mehr unsere Namen kennt, macht es uns menschlich und groß, wenn es uns gelingt das Weltkulturerbe, unsere Orgeln, zu bewahren und an die nächste Generation weiter zu geben. Ganz zweckfrei, Soli deo gloria!

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

Erschienen am 2.12.2017 in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Gutes, das uns widerfährt

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Gutes, das uns widerfährt

Sanfter Wind, Blätterrauschen, ein paar Wölkchen, Sandstrand in der Sonne, Menschen, die im Schatten entspannen. Dazu plätschert unterhaltsam leise Klaviermusik. Als ich ankam hat mich lachend ein braungebrannter Mann begrüßt! So kann man das Leben genießen. Nein, liebe Leserinnen und Leser, ich bin nicht in einer Bar in der Karibik, ich bin an Gottes Gartenhaus! „Ach, Apolle“, werden Sie vielleicht enttäuscht denken: „Nichts Besonderes!“

Oder doch? Heute, am Montag, zwölf Uhr zur Andacht haben die Stühle nicht gereicht. Wie selbstverständlich sind immer mehr Menschen gekommen. Wir haben weitere Stühle hingestellt, aber auch die waren im Nu besetzt. Wieso war es für so viele Menschen ganz normal, zu einer Andacht zu gehen? Was ist hier anders als Sonntag 10:00 in einem der Dörfer unseres Kirchspieles?

Der Wind weht Fetzen des „Halleluja“ herüber. Die Menschen sind gelassen. Der Alltag ist für viele von ihnen irgendwo weit weg. Blumen, Blüten, man hört spielende Kinder. Und aus all dem erwächst das Bedürfnis zu verweilen, hier an Gottes Gartenhaus. Zu hören, zu singen, Gott zu danken.

Vielleicht fällt es vielen von uns schwer, an einem ganz normalen Sonntag den Alltag so weit hinter uns zu lassen, innerlich zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Nicht all das erledigen zu wollen, was in der Woche liegengeblieben ist (und was eigentlich auch noch weiter liegen kann). Hier an Gottes Gartenhaus ist das alles weit weg. Ingo spielt; die „Moldau“ schwingt durch die Seele. So einen Sonntag, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich Ihnen morgen. Dazu auch das Bedürfnis, dankbar zu sein für all das Gute, das uns im Leben widerfährt.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Was das wieder kostet!

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Was das wieder kostet!

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben diesen Satz auch schon gesagt oder zumindest gehört: „Was das wieder kostet! Muss das denn sein?“ Und oft ist die ehrliche Antwort: „Nein, das muss eigentlich nicht sein.“

Mir ging es so im Urlaub. Wir waren in Frankreich unterwegs, Paris war nicht so weit weg. Soll man da mal hinfahren? 70 km hin, 70 km wieder zurück? Einfach so, um durch die Stadt zu latschen? Von den fälligen Parkgebühren kann ich in Apolda eine Woche lang parken! Und beim Espresso hatte man den Eindruck, man kauft den halben Laden gleich mit. Muss das sein? – nein, muss nicht.

Es gibt unzählige weitere Beispiele, wo Geld einfach so ausgegeben wird, im privaten wie im öffentlichen Bereich: Die Gartenschau! War das nötig? Wohl kaum. Und das kostet nicht nur Geld. Denken Sie an die Zeit der ehren-und hauptamtlichen Mitarbeiter!

Muss das denn sein? – muss es nicht. Aber dieses unnötig ausgegebene Geld, die investierte Zeit ist keineswegs sinnlos vertan oder gar vergeudet! Denn das Leben gewinnt an Qualität. An die Besuche auf der Gartenschau werden sich die meisten noch Jahrzehnte erinnern und einen warmen Nachhall in Ihrer Seele spüren.

Ich kann Ihnen nur Mut machen: Vergeuden Sie hin und wieder Zeit oder Geld, es lohnt sich! Die Stunden mit meiner Frau in Paris werde ich sicherlich bis zu meinem Lebensende nicht vergessen. Das Geld schon.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erstmals veröffentlich in der Thüringer Allgemeinen, Weimarer Land; 22. 07. 2017

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück

Ostern wird von uns oft in Verbindung gebracht mit dem Aufwachen der Natur nach dem Winter: Die Vögel sind eifrig dabei alles für den Nachwuchs vorzubereiten, Die ersten Blumen blühen, in den Weidenkätzchen summen die Hummeln. Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Ostern meint aber weitaus mehr, als nur das sichbare Erwachen der Natur zu neuem Leben. Ostern feiern Christen als das Fest: Der Sieg des Lebens über den Tod. Mühselig verpackt ist diese Botschaft, zu groß um sie in menschliche Worte fassen zu können. Das Leben.

Damals am Karfreitag in Jerusalem waren am Kreuz mit Jesus alle Hoffnungen jämmerlich zu Grunde gegangen. Lähmung, Trauer, Tod. Und schon hatte man sich damit abgefunden, der Leichnam sollte balsamiert werden.
Doch dann hat sich das Leben, die Hoffnung als viel stärker erwiesen, als alles Nierderträchtige dieser Welt, das Böse und der Egoismus: Jesus lebt!

Jesus lebt? Wo denn, werden Sie fragen, wo denn in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Hunger, Not, Lüge, Bosheit und Selbstsucht. Wo ist denn der Sieg des Lebens?
Er ist mittendrin: dort wo Menschen diese Hoffnung leben, wo sie sich vom Schlechten nicht erdrücken lassen, ankämpfen, dort grünt im Tale Hoffnungsglück.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest.

Reden hilft

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Reden hilft

Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie sich schon einmal über ein Behördenschreiben geärgert? Von der Renten- oder Krankenkasse, dem Ordnungs- oder Bauamt? Da sitzt einer sich den Hinter platt, hat von Tuten und Blasen keine Ahnung und mit einem schöden 0-8/15 Text wird mein berechtigtes Anliegen einfach abgebügelt? – so in etwa sind dann unsere Gedanken. Ein ähnlicher Fall ist mir in dieser Woche mit unserer kirchlichen Grundstücksverwaltung passiert und ich muss zugeben, die Gedanken & Worte in meinem Kopf waren nicht nur freundlich. Viel Arbeit für die Katz! Nun, was habe ich gemacht? Erstmal bin ich eine große Runde mit unserem Dackel gelaufen. Danach war ich etwas ruhiger. Das Problem aber war damit nicht gelöst. Einen bösen Brief schreiben?

Die Menschen am anderen Ende des Vorgangs  in einem Büro sind ja in aller Regel nicht bösartig, sondern haben eine andere, manchmal auch unvollständige Sicht auf die Sache. Am nächsten Tag habe ich im Amt angerufen und meine Sicht der Dinge dargelegt. Reden hilft! – Reden, nicht Vorträge halten. Das bedeutet, auch den eigenen Blickwinkel zu verschieben und die Ansichten des Gegenüber zu hören.

Reden hilft, liebe Leserinnen und Leser, auch dort, wo wir mit Gott und der Welt unsere Probleme haben. Dieses Reden nennt man Beten. Aber auch hier geht es nicht nur um Sprechen. Man muss auch zuhören können und das ist zugegebener Maßen etwas schwieriger, schwieriger vielleicht sogar, als von dem eigenen Standpunkt dann etwas abzurücken.

Also, liebe Leserinnen und Leser, bleiben Sie im Gespräch, mit Gott und der Welt!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

veröffentlich in der Ausgabe der Thüringer Allgemeinen
vom 01. 04. 2017

Abtauchen

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Abtauchen

Abtauchen: Wir verwenden das Wort meistens in Zusammenhang mit irgendwelchen dubiosen Gestalten, die sich der Polizei oder anderen, ebenfalls dubiosen, Gestalten entziehen wollen. Wir kennen das alles zur Genüge aus zahlreichen Krimis. Wir wissen auch, dass dieses Ansinnen nur dann erfolgversprechend ist, wenn möglichst alle Verbindungen gekappt & liebe Gewohnheiten aufgegeben werden. Kein Handy vor allem! Und dann weg, nichts mehr hören oder sehen!

Manchmal, liebe Leserinnen und Leser, ist es uns auch danach: einfach untertauchen, Abschalten & Ruhe finden, weil die Hektik, das Gezerre, die Anforderungen oder das Genöle um uns herum einfach alles zu viel ist. „Ach, wäre das schön!“, denken sie vielleicht mit einem Seufzer und fahren fort: „aber das geht ja leider nicht…“ – und Ihnen fallen viele Dinge ein, bei denen Sie unverzichtbar sind, wo es ohne Sie einfach nicht geht. Oder sollte das etwa eine Fehleinschätzung sein? Könnte ich doch verzichtbar sein & die Welt würde sich nicht aufhören zu drehen, wenn ich mal untertauche?

Sie wissen, wie die Antwort ausfallen muss (so schwer uns das zuzugeben auch fallen mag): ja, ich könnte eine Zeitlang untertauchen & die meisten würden das gar nicht bemerken.

Die meisten nicht, liebe Leserinnen und Leser, aber Sie & ihre Seele, die bemerken das Abtauchen in eine andere Welt sehr wohl! Sie werden beruhigt und gestärkt – und zurück an der Oberfläche sehen Sie manches mit anderen Augen oder ganz neu.

Einfach mal Abtauchen, in anderen Sphären schweben: Sie müssen dazu nicht bis ans Meer, keine weite Reise ist dafür nötig! Die Ruhe einer Kirche oder die Gemeinschaft beim Singen laden Sie dazu ein. Lassen Sie die Gedanken schweifen, atmen Sie tief und gleichmäßig – & vor allem: kein Handy!

Ihr Th.-M. Robscheit

veröffentlich in der Ausgabe der Thüringer Allgemeinen  vom 18. 02.2017

Zeit für einen Freund?

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Zeit für einen Freund?

Was machen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr Alltag durch eine schlechte Nachricht plötzlich in Frage gestellt wird? Wie setzen Sie Prioritäten, wenn Sie erfahren, dass ein Freund schwer krank ist?

Gehört es sich da nicht, alles andere hinten an zu stellen und einen Besuch zu machen? Doch was sagt man da? Wie verhält man sich, wenn einem das Elend des anderen ins Gesicht springt? Ich habe gestern so eine schlechte Nachricht erhalten: M. Ist schwer krank. Noch habe ich nicht angerufen und bin auch noch nicht auf dem Weg zu ihm. Was ist jetzt richtig? Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich seit Montag etwa 31 Stunden Sitzungen, Besprechungen und Verhandlungen hinter mir haben, 6 Stunden Gemeindebesuche, eine Trauerfeier und eine Hochzeit, ich werde diese und die Gottesdienste für Sonntag und Montag vorbereitet haben. Insgesamt etwa 60 Stunden „gute“ Gründe, sich um den schweren Gang zu drücken. Und jetzt am Wochenende? Jeden Tag mehrere Gottesdienste, keine Zeit, leider. Da kann ich nicht in den Thüringer Wald fahren um M. zu besuchen.

Merken Sie etwas, liebe Leserinnen und Leser? Es ist ganz einfach, sich um schwere Besuche herumzudrücken, einem Menschen nahe zu sein, dem das Leben übel mitspielt. Doch gerade da erweist sich Freundschaft, Liebe, Mitmenschlichkeit. Gerade da werden wir gebraucht, vielleicht  auch unser Glaube & unsere Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und greife jetzt mit einem mulmigen Gefühl zum Telefon.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 30. 11. 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Apolda