Schlagwort-Archive: krise

Corona-Einschränkungen

This entry is part 1 of 5 in the series Corona

Corona-Einschränkungen

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sagen die Ev. Kirchengemeinde Apolda und Kapellendorf alle Veranstaltungen, Konzerte sowie Proben der Kirchenmusik bis einschließlich 19.04. ab. Das betrifft u.a. die Johannespassion und die Verabschiedung von Vikar Rätz & Pfr. Robscheit aus Kapellendorf.  Gottesdienste werden in Abstimmung mit dem Landesverwaltungsamt jeweils sonntags um 10.00 Uhr in der Martinskirche gefeiert. Im Carolinenheim finden bis auf weiteres keine Gottesdienste statt. Auf den Dörfern finden die Gottesdienste mit kleiner Teilnehmerzahl wie geplant statt. In der Seitenleiste sehen Sie den aktuellen Gottesdienstkalender.

Es wird ab Mittwoch, dem 18.03., wochentags jeden Abend um 18.00 Uhr in der Martinskirche sowie in der Kirche Niederroßla eine Fürbitt-Andacht geben. Fürbittenwünsche können über info@kirche-apolda.de übermittelt werden. auch stehen die Kirchen in Sulzbach und Kapellendorf für das Gebet offen.

Da sich Gottesdienste aufgrund der Verordnungen ändern können, informieren die Samstagsausgabe der Thüringer allgemeinen und die Internetseiten der Kirchgemeinden (www.kirche-apolda.de, https://.kirchspiel-kapellendorf.de und https://pfarrbereich-niederrossla.jimdofree.com/ ).

Von den Corona-Einschränkungen sind auch die Geburtstagsbesuchen betroffen. Bis auf Weiteres sehen die Mitarbeitenden davon ab.

Trauerfeiern finden mit den Auflagen des Landesverwaltungsamtes statt (möglichst im Freien mit einer Teilnehmerzahl von maximal 49 Personen und einer Teilnehmerliste). Das Kirchenbüro ist besetzt, aber nicht geöffnet (Tel. 03644 – 562650).
Unsere Pfarrer und Pfarrerinnen stehen unter folgenden Telefonnummern zur Verfügung:

Pfarrer Robscheit 036425 – 22352

Pfarrerin Dr. Böhm 03644 – 6517720

Pfarrer Walter 03644 – 554946

Pfarrerin Bärwald 03644 – 555713.

Melancholie

This entry is part of 106 in the series geistliches Wort
Melancholie

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“

Sie kennen, liebe Leserinnen und Leser vermutlich das Gedicht, dem diese Zeilen entstammen. Wahrscheinlich kennen Sie auch das beschriebene Gefühl: Melancholie, Traurigkeit, vielleicht sogar Schwermut. Aber erinnern Sie sich auch, wann Sie das letzte Mal melancholisch waren? Ich meine nicht tief traurig, weil Sie enttäuscht wurden oder Ihnen das Leben übel mitgespielt hat. Ich meine jene hereinschleichende Melancholie, für die wir oft keine konkrete Ursache benennen können. Die sich wie ein Nebel auf unser Gemüt legt? Vielen wird es wahrscheinlich schwerfallen, sich zu erinnern: „Wann war ich das letzte Mal melancholisch, habe die Stirn ans kalte Fenster gepresst oder vor dem Ofen gesessen und einfach nur vor mich hingestarrt?“ Unsere Zeit, unsere Umwelt, ja unser eigenes Inneres sträuben sich dagegen! Einfach rumsitzen und die Gedanken treiben lassen, ziellos im Meer der Wehmut? Dabei Weltschmerz spüren & keine Lösung in Sicht? Nein, das wollen wir nicht! Schnell sind wir dabei, jede aufkeimenden Melancholie zu vertreiben. Mit Geschäftigkeit oder im oberflächlichen Rausch des TV. Das ist schade! Solche melancholische Seelenreise ist keineswegs vergeudete Zeit! Wir können die Tiefen unseres Lebens erspüren die sich unter der Alltagsoberfläche erstrecken, etwas erahnen von der Größe, von der Göttlichkeit,die uns umgibt.

Melancholie, nein, das ist nicht nur traurige Schwere, das ist der Weg der tiefen Gedanken im Meer der inneren Ruhe! In den Wochen vor Ostern sind Sie eingeladen, sich auf diese Reise zu begeben: zu Hause, allein in einer Kirche, oder auch zur Passionsandacht. Heute zum Beispiel (18:00 Martinskirche) wird die Melencholia von Dürer uns inspirieren. Eines kann ich Ihnen schon verraten: sie ist keineswegs tränenverschwommene Traurigkeit!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

 

Melancholie

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 07. März 2020

Die Passionsandachten 2020 in Apolda beschäftigen sich mit Stichen A. Dürers, die auch in der derzeitigen Ausstellung des Kunsthauses in Apolda zu bewundern sind.

Gott sei Dank!

This entry is part 105 of 106 in the series geistliches Wort
Gott sei Dank!

Das Schienenbein ist bläulich-rot, der halbe Fuß ebenso. Es schmerzt, aber bei weitem nicht so, wie es aussieht! Der Sturm hatte ein Eisentor aus seiner Verankerung gerissen. Beim Versuch es wieder zu lösen, gibt es plötzlich nach. Das Bein ist im Weg. Schmerz schießt ins Hirn, im Bauch wird´s flau. Erstmal setzen! Ruhig atmen! Dann vorsichtig auftreten: es geht, nichts gebrochen! Gott sei Dank!

Dankbarsein bei einem Unfall? Ja. Liebe Leserinnen und Leser, das kann man! Es hätte viel übler enden können. Nur ein paar Zentimeter weiter und der Schlag hätte das Gelenk getroffen, was möglicherweise ganz anders ausgegangen wäre. „Da hatte ich einen Schutzengel!“ – wann haben Sie sich das zum letzten mal gesagt? Meistens realisieren wir gar nicht, was alles hätte schief gehen können, welchen Gefahren wir entronnen sind. Am ehesten haben wir im Straßenverkehr noch ein Gefühl für das Risiko: Die Sonne blendet, Sprühwasser wird aufgewirbelt oder es ist bereits dunkel. Trotzdem wird zügig gefahren. Wie oft wurden wir da wohl schon behütet, weil ein Engel dem Reh, das wir gar nicht bemerkt hatten, im Weg stand?

Manchmal brauchen wir so einen sprichwörtlichen Tritt vor´s Schienbein, damit wir wach werden für die Geschenke unseres Lebens. Essen, Kleidung, Frieden – nichts ist selbstverständlich!

Und wenn Ihnen das nächste Mal beim Telefonieren plötzlich siedend heiß einfällt, dass da noch ein Topf auf dem Herd steht, dann meinen Sie es einfach mal ernst, wenn Sie murmeln „Gott sei Dank!“

 

„Gott sei Dank!“

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 15. Februar 2020

Wunder gibt es immer wieder

This entry is part 102 of 106 in the series geistliches Wort
Wunder gibt es immer wieder…

Liebe Leserinnen und Leser, mal Hand auf´s Herz: Glauben Sie an Wunder? Man hört ja manchmal den Satz, Wunder gibt es immer wieder…Wie geht es Ihnen, wenn Sie Berichte über angebliche Wunder hören? Diesen zum Beispiel: Um das Jahr 30 sind zwei der Anhänger Jesu auf den Weg zum Tempel um dort zu beten. Es wird erzählt, dass vor dem Tor ein Bettler sitzt, der seit Geburt gelähmt ist. Die beiden Männer sprechen ihn an: „ Geld haben wir keins!“ Sattdessen ist er plötzlich gesund und kann laufen.

„Frommer Unsinn!“, werden manche von Ihnen denken. „Wird so gewesen sein!“, sind andere überzeugt und die meisten von Ihnen werden wahrscheinlich keine richtige Meinung dazu haben: „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ist ziemlich unwahrscheinlich, andererseits…“

Viel spannender als sich Gedanken darüber zu machen, ob oder wie diese Heilung geschehen ist, ist die Frage:

Warum wurde diese Geschichte aufgeschrieben?

Jesus ist bereits nicht mehr auf dieser Erde; die Geschichte taugt also nicht als „Beweis“ für seine besondere Rolle oder Fähigkeiten. Vom Bettler wird kein ein besonderer Glaube erwartet, die Geschichte ist also auch kein moralischer Zeigefinger nach dem Motto: Wenn du richtig glaubst, dann geschehen auch in Deinem Leben Wunder!

Warum wurde diese und viele andere Geschichten von Wundern überliefert? Warum gibt es an vielen Wallfahrtskirchen unzählige Tafeln, auf denen Menschen ihre wunderbare Heilung oder Rettung beschreiben? Ich bin überzeugt, dass wir Menschen uns Geschichten von Wundern zunächst aus Dankbarkeit weitererzählen. Aber auch, weil Wundergeschichten unseren Blick weiten: es gibt mehr als das, was plausibel und wahrscheinlich ist. Denn leider neigen wird dazu, uns in unserem Trott zu verkriechen & zu erwarten, dass alles klar und unveränderlich sei.

So wie der Bettler: er bettelt. Schon immer. Leute kommen und geben Almosen. So ist die Welt. So bleibt alles. Falsch! Es kann alles auch ganz anders werden. Damit wir das nicht gänzlich vergessen, damit wir Hoffnung behalten, sollten wir die Geschichten der kleinen und großen Wunder auch heute in der scheinbar so abgeklärten Zeit voller Staunen und dankbarer Freude weitererzählen. Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, denn sicherlich haben Sie manches kleine oder große Wunder selber schon erleben dürfen. Wunder gibt es immer wieder!

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 07.09. 2019

Friedrich Kramer: Vorstellung als Bischofskandidat

This entry is part 9 of 10 in the series Landeskirche

Friedrich Kramer: Vorstellung als Bischofskandidat

Auf der 9. Tagung der II Landessynode der EKM haben sich die drei Kandidaten für die Bischofswahl in einem zwanzigminütigen Impulsreferat vorgestellt. Der spätere Gewinner der Bischofswahlwahl, Friedrich Kramer, hat sein Referat mit „Die siebeneinhalb Ks der Kirche“ überschrieben. Hier können Sie die stichpunktartigen Notizen des Synodalen Th.-M. Robscheit lesen.

Krise

  • was ist die Krise der Kirche?; 
  • nicht das Wenigerwerden; es gibt keinen Wendepunkt, sondern eine kontinuierliche Entwicklung (die vielleicht nicht immer schön ist); 
  • eine wirkliche Krise liegt in der Umweltpolitik
  • Krise ist der Normalzustand der Christen

Kompass

  • wonach richten wir uns aus?
  • Leitung: kreativität, Kommunikation & Kontext
  • Jeder muss vor Ort kreativ werden; Lösungen kommen nicht von oben

Kommunikation

  • Machtfragen müssen geklärt werden, sonst nutzt beste Kommunikation nichts
  • der Ruf der Kirche muss verbessert werden -> damit Leute Lust haben, bei Kirche mitzumachen; 
  • ordentliche Streitkultur (schwierig ist es, wenn nicht mehr gestritten wird); 
  • Frage der Digitalität

Kooperation

  • Wir sind verstreut, können aber miteinander sein
  • Partner suchen; Kooperation auf Augenhöhe
  • wird können oft mehr machen, als wir denken, weil wir oft der einzige große Player sind

Kultur

  • Wie öffnen und nutzen wir unsere kulturellen Schätze?
  • Kultureller Wandel -> Abstimmung zu einer nachhaltigen Gesellschaft
  • Nicht nur Trauer nach außen zeigen, sondern vor allem nach außen Fröhlichkeit zeigen!

Konzertfähigkeit

  • Kirche als Teil einer großen musikalischen Landschaft; als wer verstehen wir uns in dem „Orchester“?
  • verstehen wir, wie gerade die Stimmung ist?
  • Eigenverständnis als Leitung: Dirigent

Kairos: der richtige Moment

  • manchmal ist etwas Richtiges im falschen Moment (bsp:Bischofsbericht als Abschlussbericht; aber nur Diskussion über Kommunikation) 

Kraft

  • warum nur 1/2 k?): wir leben aus der Kraft Gottes
  • Kraft im Vater Unser

 

In der anschließenden 45 minütigen Diskussion in drei Gruppen wurde auf einige dieser Punkte besonders eingegangen. In der Gruppe, in der der Verfasser saß,  zum Beispiel:

  • Warum wurde mit „Krise“ begonnen?
    • Weil Kirche mit Krise verbunden wird; er das aber nicht so sieht.
  • Verbesserung des Rufes der Kirchen:
    • Rufschädigung begann mit den Bauernkriegen (durch verhalten Luthers)
    • Gottesdienste mit vier Leuten sind „rufschädigend“; man muss auch darauf achten, wie Dinge nach außen wirken.

 

 

Mitarbeiter sofort eingestellt

This entry is part 101 of 106 in the series geistliches Wort
Mitarbeiter sofort eingestellt

In diesem Jahr hatte ich mir in der Passionszeit vorgenommen, sooft wie möglich das Auto stehen zu lassen. Ich bin überrascht, wie unvorhergesehen und interessant die Wege dadurch werden. Manchmal bin ich gelaufen, oft nehme ich den Bus (oder versuche das zumindest). Neulich stand ich mit einer älteren Dame allerdings vergeblich in Kapellendorf; wir plauderten ganz anregt. Die Zeit verging, der Bus kam nicht. Scheinbar hatte jemand seinen Dienstplan nicht richtig gelesen. Ein paar Tage später erzählte ich das einem Busfahrer. Als hätte man in einen Ballon mit Wasser gestochen, sprudelte er los: wie schwierig es sei; viel zu wenig Personal, dauernd ändert sich der Dienstplan, unzählige Überstunden & wenn dann noch jemand krank wird… Der oft beschworene drohende Fachkräftemangel hat längst Einzug gehalten! An verschiedensten Autos kleben Hinweise, dass Mitarbeiter sofort eingestellt würden.

Viel Arbeit und zu wenige, die diese Arbeit stemmen können. Mir kommen ähnliche Sorgen und Probleme in unserer Kirche, dem Gesundheitswesen und Schulen in den Sinn. Doch da fällt nicht ein Bus aus oder ein Haus wird erst später fertig. Da hängt das Wohl und Wehe anderer Menschen oft ganz existentiell vom Engagement derjenigen ab, die da sind, die durchhalten, die eigene Interessen hinten an stellen und denen das dann in aller Regel nicht gedankt wird.

Wie gehen wir, liebe Leserinnen und Leser mit dieser Beobachtung um? Ist das etwas Neues? War das vor 20 Jahren, als es eine hohe Arbeitslosigkeit gab anders? Oder vor 2000 Jahren? Wohl eher nicht: „Und als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstigt und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Wenn sollte Gott senden? Als grüne Damen oder als Schulbegleiter? Wenn sollte er schicken, an der Bushaltestelle anzuhalten & vergeblich Wartende mitzunehmen?Wer hört das Rufen? Fühlen sie sich, liebe Leserinnen und Leser angesprochen?

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort am 06.04. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Autofasten der Schludrian bei der PVG

This entry is part 4 of 4 in the series 2019 - Autofasten

Diesmal kam das „Fastenbrechen“ von ganz unerwarteter Seite; jedenfalls für mich als in Deutschland sozialisiertem Menschen!

Ich stand pünktlich am Bus, eine ältere Dame aus Kapellendorf kam dazu. Wir haben über die Pflege ihres Mannes geplaudert; zunächst aber über meinen Plan, möglichst viel mit dem öffentlichen Nahverkehr und wenig mit dem eigenen Auto zu fahren. Das brachte sie dazu, mir zu berichten, wie schwierig es manchmal ist, wenn man täglich den Bus benutzen muss und dann auch noch umsteigen. „Manchmal laufe ich dann ach einfach über´s Feld“, berichtete sie. „Aber ein bißchen komisch ist mir da schon!“,  kann ich mir denken. So plätscherte das Gespräch dahin, doch irgendwann kam es uns doch eigenartig vor, dass der Bus nicht pünktlich war. Wie kann man von Frankendorf bis Kapellendorf 10 Minuten Verspätung haben?
„Vielleicht parkt einer die Straße zu?“ Nur eine vage Hoffnung, während die Gewissheit immer mehr Gestalt annahm.
Schließlich der Anruf bei der PVG in Apolda. Die Bitte, kurz zu warten; dann: „Ja, der Bus ist heute ausgefallen.“
„Das finde ich aber nicht lustig!“
„Beschweren Sie sich gleich in Weimar, die sind zuständig.“
„Hm.“
„Wenn da einer seinen Dienstplan nicht lesen kann…“, hörte ich noch brummeln.

Dass der Bus ausgefallen ist,  war scheinbar erst durch unseren Anruf überhaupt aufgefallen. An die PVG & die Dachorganistaion VMT habe ich geschrieben & meinen Unmut darüber geäußert, dass der o.g. Bus  nicht gefahren ist.

Wenn man wirbt, muss man auch das Produkt liefern!

Die PVG  beteiligt sich als Mitglied des VMT an der Aktion Autofasten (https://www.vmt-thueringen.de/aktion-autofasten-2019/) & wollen Menschen zum Umsteigen auf den öffentlichen Personennahverkehr ermutigen und animieren. Zumindest während des Aktionszeitraumes sollte dann aber auch die nötige Professionalität gegeben sein & alles klappen. Von dieser Seite hatte ich jedenfalls eigentlich keine Probleme erwartet.

Ich habe schließlich das Auto geholt und die Frau nach Apolda gefahren und dann meine Dinge erledigt.

 

PS: Bis jetzt habe ich übrigens noch keine Antwort auf meine Mail bekommen, weder von der PVG noch von VMT

 

Jetzt reicht´s!

This entry is part 98 of 106 in the series geistliches Wort
Jetzt reicht´s!

Jetzt reicht´s!“, diesen Ausspruch, liebe Leserinnen und Leser, kennen sie sicherlich alle. wahrscheinlich kommt er auch gelegentlich über Ihre Lippen. Heute, zwei Tage vor heilig Abend, vielleicht? Eigentlich kommt erst noch der vierte Advent, Besinnlichkeit; aber dafür fehlt einfach der Nerv. Es reicht!

Die selben Äußerungen hören wir auch immer wieder von aufgeregten Bürgern; kürzlich z.B. von den Apoldaer Gelbwesten. Und natürlich soll die Parallele zur Wende 89 hergestellt werden. Doch das ist nur leere Hülse. Denn abgesehen davon, dass die Wende im Gebet für Frieden, weltweite Gerechtigkeit und Umweltschutz begonnen hatte, ist der gravierende Unterschied, dass wir damals nicht gegen alles mögliche waren, was uns nicht gepaßt hat (& das war eine Menge!), sondern für eine offene, freie und demokratische Gesellschaft. Und selbst als die eigentliche „Wende“ vollzogen war, haben Menschen nicht gegen die DDR-Mark aufbegehrt, sondern für eine einheitliche Währung, die D-Mark. Nur gegen etwas zu sein, bringt die Gesellschaft nicht voran, im Gegenteil! Dort wo Menschen Visionen, Träume und Ziele haben und dafür eintreten, verändern sie die Welt. Es hilft einen von Hartz IV betroffenen Kind oder einem vereinsamten alten Menschen nicht, über ungerechte Verteilung zu lamentieren; sich bei der Tafel zu engagieren, Pakete zu packen oder Besuche zu machen, dagegen schon.

Aber darum geht es ja in diesem geistlichen Wort gar nicht! Sondern darum, dass Ihnen der Streß vor Weihnachten reicht und sie zu keiner Besinnlichkeit finden. Darüber, liebe Leserinnen und Leser, können Sie zu recht heftig klagen. Sie könnten aber auch etwas für Ihre Seele tun: heute 17:00 in die Lutherkirche gehen, der Advents- & Weihnachtsmusik lauschen, vielleicht ein bißchen mitsingen & Ihrer gehetzten Seele eine Stunde Adventsbesinnung gönnen.

Einen besinnlichen vierten Advent wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erschienen als geistliches Wort „Durch die Zeit treiben“ am 22. 12.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Gute alte Zeit

This entry is part 6 of 106 in the series geistliches Wort
Gute alte Zeit

Liebe Leserinnen und Leser!
Erinnern Sie sich gerne? Die gute alte Zeit? Oder lassen Sie die Vergangenheit lieber vergangen sein und schauen nach vorn? Beides gibt es; beides ist wichtig! Wer immerzu nach hinten blickt, auf die vermeintlich gute alte Zeit, der verpasst die Chancen der Gegenwart. Denn der Blick ist dann eingeengt. Vieles, was früher gut funktioniert hat, klappt heute nicht mehr, weil sich viele andere Umstände geändert haben. In meiner Kindheit war es durchaus richtig, 20 Flaschen Ketchup zu kaufen, wenn es welches gab, heute macht das wohl niemand mehr. Es gab Zeiten, das war es sinnvoll, Geld in Lexika zu investieren…

Doch wer meint, die Vergangenheit spiele gar keine Rolle, der ist orientierungslos. Wir brauchen unsere Erfahrungen, unsere Wurzel um in die Zukunft hinein zu leben und die Gegenwart zu meistern. Deswegen ist es gut, ab und an innezuhalten und sich auch zu erinnern. So wie die Jugendlichen von einst, die heute ihre Goldene und Diamantene Konfirmation feiern. Da werden viele Erinnerungen wach, da wird über Lehrer und Mitschüler geplaudert, der eigene Lebensweg wir überdacht: was ist in diesen Jahren geschehen, welche finsteren Täler musste ich durchleben und über welche sonnigen Wiesen durfte ich gehen? Manch einer wird bei diesem Rückblick auch die Gewissheit haben, dass Gott ihn behütet hat, Tage, Wochen, Jahre und Jahrzehnte! Es ist gut, ab und zu an die gute alte Zeit zu denken.
Und, liebe Leserinnen und Leser, vergessen Sie nicht: die gute alte Zeit von morgen ist heute!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erschienen am 28.04.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

7. Tagung der II. Landessynode

This entry is part 6 of 10 in the series Landeskirche
Die 7. Tagung der II. Landessynode der EKM tagte vom 12. -14. April 2018 in Kloster Drübeck.

Umfangreichster Punkt auf der Tagesordnung der Landessynode war unter dem Thema: „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“ eine breite Diskussion und Standortbestimmung der Gemeinden in der EKM (TOP 4). Alle Synodenunterlagen finden Sie auf der Synodenseite der EKM.

TOP 2: Bericht der Landesbischöfin Junkermann

Traditionell ist der erste große Tagesordnungspunkt auf einer Landessynode der Bericht der Landesbischöfin. Sie betont darin die besondere Bedeutung von gemeinsamen Mahlfeiern für die Gemeinschaft. Ausdrücklich möchte sie das nicht auf liturgische Abendmahlsfeiern beschränken:

„Uns sind große Schätze anvertraut, lasst sie uns nicht vergraben, lasst uns mit ihnen wuchern! Ob es uns gelingt, den bestehenden Fokus allein auf die Erinnerung an Jesu letztes Mahl wieder zu erweitern um die vielerlei Mahlzeiten Jesu in Gemeinschaft mit vielen Verschiedenen und die nachösterlichen Mahlfeiern?… Grethlein plädiert dafür: „Das Mahlfeiern soll … als eine besondere Form der Kommunikation des Evangeliums verstanden werden … und für die drei grundlegenden Modi der Kommunikation (…) öffnen, die bereits das Wirken Jesu bestimmten: gemeinschaftliches Feiern, Lehren und Lernen sowie gegenseitiges Helfen zum Leben.“ Dabei soll es für alle (wirklich alle!) zugänglich sein.
Wie kann das aussehen in unserem Alltag in Gemeinde und Kirche? Und wird es wirklich kirchen- und gemeindegründend wirken?
Von den großen Mahlfeiern draußen haben wir nun viel gehört. Sie sind besondere Höhepunkte im Jahr. Ob sie auch Anregungen geben für die kleineren Mahlfeiern unter dem Jahr und auch innerhalb unserer Mauern. Den geschützten Raum braucht Gemeinschaft ja weiterhin, bei aller Wertschätzung des Umsonst und Draußen? Und wie sieht das in kleinen Gemeinden aus?“

In ihrer Antwort auf die Rückmeldungen zum Bericht weist Ilse Junkermann darauf hin, dass auch Jesus schon vorgeworfen wurde, er sitze bei den Säufern und Fressern (anstelle sich zu den Frommen zurückzuziehen).

TOP 3: Änderung der Verfassung der EKM
7. Tagung der II. Landessynode
geheime Abstimmung zur Veränderung der Verfassung der EKM

Die Überarbeitung der Verfassung in der Landessynode wäre eigentlich kein so wichtiger Punkt, aber mit der angestrebten Änderung in die geschlechtergerechte Sprache ist dieses Thema mit großen Emotionen belegt. Durch eine Eingabe Prof. Germanns, der an der ursprünglichen Verfassung maßgeblich mitgearbeitet hatte, fühlten sich etliche Synodale angesprochen und lehnen eine gegenderte Sprache der Verfassung ab. Ein Diskussionsbeitrag versuchte sich auf satirische Weise mit dieser Eingabe auseinanderzusetzen. Diese Ausführungen hat, so schätze ich das ein, die Unsicheren eher auf die Seite Prof. Germans gebracht haben, als gegen ihn. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“! Daneben gab es auch sachliche und bedenkenswerte Beiträge für die geschlechtergerechte Sprache in der Verfassung und dagegen. Neben einigen Argumenten, die sich hauptsächlich auf die Lesbarkeit bezogen, waren die meisten Bedenken bei einer theologischen Frage: „Christen“ waren schon immer Frauen und Männer (ähnlich wie Menschen), sie bilden eine Einheit. Durch die Formulierung in Christinnen und Christen wird diese Einheit in zwei Gruppen aufgespalten.
Die Vorlage wurde in die Ausschüsse verwiesen.

Am Samstag wurde das Thema nachdem  die überarbeitete Verfassung in den Ausschüssen beraten worden ist, erneut aufgerufen:

Es gab einigen inhaltlichen Präzisierungen wie der Stärkung der gewählten Synodalen im Landeskirchenrat (sie haben dort jetzt kein Vetorecht mehr, sondern ihre mehrheitliche Zustimmung ist Vorrausetzung. Das bedeutet, das nun mögliche Enthaltungen als „Nein“ gezählt werden, bei der bisherigen Variante waren Enthaltungen „Ja“ Stimmen, weil sie an der erforderlichen Mehrheit für das Veto nicht unterstützen.

Im Plenum wurde die Verfassung dann nur inhaltlich diskutiert, die Frage der gegenderten Version wurde nicht noch einmal erörtert. Ein Antrag auf zwei Abstimmungen, einen zum Text und eine weitere zur geschlechtergerechten Sprache wurde als nicht praktikabel abgelehnt. Auch konnte sich der Vorschlag, „Reformatoren“ durch „Männer und Frauen der Reformation“ nicht durchsetzen. Dies hatte wohl vor allem damit zu tun, dass ein Unterschied zwischen Menschen, die der Reformation angehört haben wie Lieschen Müller & ihr Mann, und den Verfasseren reformatorischer Schriften gemacht werden soll.

Ergebnis: 70 gültige Stimmen

Ja: 46
Nein: 22
Enthaltung: 2

Damit ist die 2/3 Mehrheit um eine Stimme nicht erreicht und die geänderte Verfassung tritt nicht in Kraft. Die oben gemachten Änderungen sind damit auch nicht im Text enthalten.

TOP 7 Umsatzsteuergesetz

Für die Kirchengemeinden, die bisher ihre Kirchrechnung noch selber geführt haben, ist ein Anschlußzwang vorgesehen, sobald ihr Jahresumsatz die Kleinunternehmergrenze  übersteigt. Diese mehrheitlich getroffene Gesetzesänderung ist sinnvoll, weil die Kompetenz für eine gesetzeskonforme Steuerabrechnung bei den ehrenamtlichen oder professionellen Steuerberatern, die nicht im kirchlichen Bereich spezialisiert sind, nach auffassung der Synode nicht im nötigen Maße gegeben ist.

TOP 5: Verlängerung der Amtszeit von Probst Hackbeil

Die Synode hat die Amtszeit von Probst Hackbeil bis zu seinem Ruhestand mit sehr großer Mehrheit beschlossen.

TOP 4: Gemeindekirche

7. Tagung der II. LandessynodeHauptthema der Tagung der Landessynode ist „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“. Dem ist heute fast der ganze Tage gewidmet. Der Diskussion zu grunde liegen die Thesen von Prof. Domsgen. Sie wurden  durch jeweils ein ehrenamtliches und ein hauptamtliches Mitglieder der Synode interpretiert. Es ist erstaunlich, wie klar Probleme und mögliche Lösungen in der Theorie gesehen werden und wie wenig davon in der Vergangenheit in der Praxis umgesetzt worden ist.

Zunächst wurde in mehreren Runden in verschiedenen Arbeitsgruppen dazu gearbeitet und diskutiert. Am Samstag wurden die Ergebnisse der gestrigen Arbeitsgruppen zum Gemeinde- & Kirchenbild vorgestellt. Die Arbeitsgruppen waren für die Teilnehmer sicherlich in jedem Fall anregend und wichtig. Es wird in unseren Gremien viel zu selten darüber diskutiert, was & warum & wie Kirche oder Gemeinde sein soll. Wenn aber jemand die Erwartung hatte, dass die Synode mit übertragbaren Handlungsanweisungen für die einzelnen Kirchengemeinden abschließt, so wird er zwangsläufig enttäuscht sein.

Hier finden Sie die grafisch aufgearbeiteten Arbeits- & Ergebnispapiere der Gemeindesynode.

Prof. Domsgen
These 1
These 2
These 3
These 4
These 5
These 6

 Mit einer Abendmahlsfeier endete die Landessynode am Samstag Mittag.