Schlagwort-Archive: Mut

online Gottesdienst: Schutzengel

Die Sommerpause ist vorbei. Vielleicht waren Sie trotz Corona auf Reisen. Seien Sie herzlich zu unserem online-Gottesdienst eingeladen:

 

online Gottesdienst 19.04.2020

Herzliche Einladung zum online-Gottesdienst aus der Martinskirche in Apolda

 

Hier können Sie den Gottesdienst auch als Hörfassung herunterladen.

 

online-Gottesdienst am 05.04.2020 aus der Martinskirche

online-Gottesdienst am 05.04.2020 aus der Martinskirche in Apolda; 10:00

Sie können sich auch den Gottesdienst als .mp3 Datei zum Hören herunterladen!

 

Alles muss klein beginnen

This entry is part 1 of 106 in the series geistliches Wort
„Alles muss klein beginnen“

Vielleicht kennen Sie, liebe Leserinnen & Leser, dieses Lied von Gerhard Schöne. „Alles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen, es muss nur Kraft gewinnen  und schließlich ist es groß!“ – banal ist das in seiner Einfachheit. „Alles muss klein beginnen“ – im Rückblick auf manches Große, das wir kennen, fällt uns diese simple Wahrheit zu begreifen schwer. Die riesige Luther-Eiche im Kirchhof Oberndorf, kaum vorstellbar, dass auch sie aus einer kleinen Eichel gewachsen ist. Doch alles was wächst beginnt klein, ein Baum ebenso wie ein Mensch und auch im übertragenen Sinn ist das so: ein großer Fluss hat seinen Anfang in einer kleinen Quelle und ein Literaturprofessor hat irgendwann seinen ersten Buchstaben gelernt.

Das Große ist augenfällig und wird beachtet. Leider werden wir dadurch oft blind für alles was jetzt wächst. Und uns fehlt die Vision, im Kleinen und Unscheinbaren heute das Große von morgen zu erkennen. Deswegen achten wir es oft gering & haben den Eindruck, frühere Tage waren glorreicher. Da wurde die Krönungsmesse komponiert und die neunte Sinfonie. Leonardo da Vinci schuf in Mailand das berühmte Abendmahl. Uns fallen zahlreiche Beispiele ein. Aber auch da sehen wir nur auf das Große und das verstellt uns den Blick:  Leonardo ist in einer langen Tradition christlicher Malerei zu Hause, es gab unzählige andere Abendmahlsdarstellungen und Skizzen. 

Die Luther-Eiche ist aus einer einzelnen Eichel gewachsen, aber es gab hunderte anderer Eicheln. So viele Möglichkeiten! Gut, dass nicht alle zu riesigen Bäumen gewachsen sind! Nicht jede kleine Quelle wird zu einem reisenden Strom, manche versickert wieder, befeuchten die Erde und ermöglichen Pflanzenwachstum. Für mich ist dieser Gedanke hoffnungsvoll: nicht alles, was klein beginnt muss unbedingt großartig werden; Fehler und Scheitern sind ganz normal; auch in unserem Leben. Und mit Gottes Segen wird aus manchem auch etwas Großes werden. Nur das Beginnen liegt bei uns und zwar immer klein.

 

Der Artikel erschien erstmals in der Wochenendausgebe der Thüringer Allgemeinen am 24. August 2019

Worte und Wörter

This entry is part 103 of 106 in the series geistliches Wort
Worte und Wörter

Können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass ein Bibelwort eine Regierung zum Handeln bringt? Ich meine nicht vor zweitausend Jahren, sondern heute. „Nein, sicherlich nicht!“, werden Sie mir antworten. Das ist doch alles zu lange her und aus einer ganz anderen Zeit! So eine Macht haben Wörter nicht.“

Wörter sicherlich nicht. Da gebe ich Ihnen recht. Die Plätschern uns den ganzen Tag um die Ohren, man nimmt sie kaum wahr. Ebenso die reflexartigen Aufschreie, sobald jemand die weichgespülte politische Korrektheit verbal verlässt. Aber Worte, das ist doch etwas anderes! Worte haben doch Bestand, enthalten ewige Wahrheiten!

„Trotzdem“, werden Sie sagen, „die Worte der Bibel bewirken doch keine politischen Entscheidungen!“

Eigentlich bin ich im ersten Moment geneigt, Ihnen recht zu geben, denn wen interessiert schon noch die Bibel? Doch dann habe ich den Predigttext für Sonntag gelesen. Es ist eine der beiden Stellen, in denen „Schwerter zu Pflugscharen“ gedacht wird. Vor gut 35 Jahren hat diese 2500 Jahre alte pazifistische Idee sehr wohl eine Regierung zum Handeln und damit unzählige junge Menschen in Haft gebracht. Nur weil sie an der Jacke einen Aufnäher mit einer Bibelstelle nebst dem Bild eines sowjetischen Denkmals an die UNO trugen!

Und heute? Auch heute erleben wir hin und wieder, dass Politiker nicht ihr Fähnchen nach der öffentlichen Meinung in den Wind hängen, sondern christlich-abendländische Werte ernst nehmen und sich damit oft heftigster Kritik aussetzen. „Was Ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ – Jesus und die Werke der Barmherzigkeit und die ganz konkrete Antwort einer Politikerin: „Wir schaffen das!“, getragen damals von unzähligen Mitbürgern, die angepackt haben, die Hungernde gespeist, Nackte gekleidet & Fremde aufgenommen haben.

Wo Wörter oft nur Schall und Rauch sind, können Worte die Welt verändern; die Worte der Bibel, aber auch unsere eigenen.

Worte und Wörter, was geben Sie von sich wenn Sie sprechen?

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erstmals erschienen in der Thüringer Allgemeinde, Ausgabe Apolda am 10. August 2019

Lobt den HERRN, alle Völker!

This entry is part 2 of 106 in the series geistliches Wort

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Mit dem Loben ist das ja so eine Sache. Es fällt uns ja deutlich leichter zu klagen: „ Wie kann Gott das zulassen?“ Diese Frage werden Sie alle schon gehört und vielleicht sogar selber schon gestellt haben. Wir haben Bilder schreiender Ungerechtigkeit vor uns. Kinder, die verwaist in zerstörten Städten herumirren oder Menschen mit stumpfen hoffnungslosem Blick, im Hintergrund der giftige Schlamm, der ihre Dörfer und Familien begraben hat.

„Wenn es Gott gäbe, würde er das nicht zulassen!“ das ist der Vorwurf, den wir zu hören bekommen und kaum entkräften können. Meistens blenden wir aus, dass ein Großteil dieser Not durch Menschen verschuldet ist, von Menschen, die so leben wie wir: deren Regierungen geopolitische Interessen mit Gewalt durchsetzen; Zwietracht säen, lokale Spannungen anheizen und gut daran verdienen, die Konfliktparteien mit Waffen zu versorgen. Wie kann Gott das zulassen; zulassen, dass Menschen so auf Kosten anderer Menschen wie die Maden im Speck leben?

„Nicht immer der moralische Hammer mit der großen Weltpolitik bitte!“, werden Sie jetzt vielleicht aufstöhnen. „Es gibt genug Unbill in meinem eigenen kleinen Leben!“ Auch da finden wir genug Grund zu Klage: Gesundheit, Ärger mit Nachbarn, Ungerechtigkeit in der Gesetzgebung… „Warum sollte ich Gott loben oder danken?“, fragen Sie jetzt vielleicht.

Fällt Ihnen wirklich nichts ein?

Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass es selbstverständlich ist, im Frieden zu leben, genug zu Essen zu haben? Wenn Sie eine Zeitung aufmerksam lesen, werden Sie merken, dass all das keineswegs selbstverständlich ist. Es gibt viele große und kleine Gründe, dankbar zu sein!

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Augen offen sind für das Gute dieser Welt: denn das macht Ihr Leben reicher und gibt Ihnen die Kraft mit vielleicht scheinbar ganz kleinen Schritten, gegen die vielen Übel dieser Welt anzugehen. Und dann wird es wieder jemanden geben, der Gott lobt für das Gute, das ihm widerfährt!

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Erschienen als geistliches Wort am 16.02. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

This entry is part 99 of 106 in the series geistliches Wort

Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

Liebe Leserinnen und Leser!

„Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul!“ – leider ist es auch hier wie bei vielen Sprichworten: sie stimmen nur teilweise.
Aber mal der Reihe nach: Mit dem 29. Juni – die Namenspatronen sind Petrus & Paulus – sind die wichtigsten christlichen Feste des Kirchenjahres vorbei: Advent, Weihnachten, Passionszeit, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Die Konfirmationen sind Geschichte, Bibelwochen, Gebetswoche und der Weltgebetstag. Alles sammelt sich in der ersten Jahreshälfte.

Soweit ist das Sprichwort noch richtig; doch warten in der zweiten Jahreshälfte nicht minder wichtige Aufgaben. Sie sind nur oft nicht so sehr im öffentlichen Bewußtsein wie Verwaltung, Fördermitteleinwerben oder Bauaufgaben. Und natürlich warten Erntedank und Reformationstag sowie Feste, die erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben. Denken Sie an Schulanfängergottesdienste oder den Martinstag. Mit dem Faulwerden, liebe Leserinnen und Leser, klappt es leider genauso wenig wie bei den meisten anderen Berufen. Das legendäre Sommerloch gibt es oft nur als Wunschvorstellung!

Aber ein bißchen liegt es auch an uns selber: sind wir doch einfach mal faul, lassen die Seele baumeln und blicken stolz auf das zurück, was wir bereits geschafft haben!

Schließlich haben wir ein prominentes Vorbild: Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut! (1. Mose 2,3)
Also ruhen auch Sie mindestens einen Tag in der Woche von dem aus, was sonst Ihr Alltag ist. Wer viel alleine ist, sollte unter Leute gehen; wer nur Trubel um sich hat, die Einsamkeit suchen und wer immerzu unterwegs ist, zu Hause innehalten und wer meistens zu Hause ist, mal wieder einen Ausflug machen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei diesem Faulenzen dann dankbar feststellen dürfen: die Mühen haben sich gelohnt, es ist alles gut!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erstmals veröffentlich als geistliches Wort am 29.06. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Hätte der Hund nicht…

This entry is part 100 of 106 in the series geistliches Wort
Hätte der Hund nicht…

Sie kennen, liebe Leserinnen und Leser, diesen Spruch vom Hund und seiner Notdurft: Hätte der Hund nicht… hätte er den Hasen gehabt. Früher, als wir selber noch keinen Dackel hatten, konnte ich mir das nicht vorstellen: dass ein Hund auf der Jagd plötzlich innehält und sein Geschäft verrichtet. Nun weiß ich es besser. Bei unserer Frieda ist es tatsächlich so, dass sie nach wenigen Metern Rennen erstmal innehält. Hätte der Hund nicht… hätte er den Hasen gehabt.

Nein, hätte er trotzdem nicht! Aber er läßt sich natürlich trefflich darüber diskutieren, was alles wäre, wenn die Umstände anders gewesen wären. Sie kennen das aus den verschiedensten Lebensbereichen: Hätte ich andere Lehrer gehabt, dann… oder: wäre ich wegen meines Hauses nicht ortsgebunden, dann wäre ich…; wäre der Gottesdienst nicht 10:30, dann …

Was bringt das, dieses „Wenn“ & „Hätte“? Gar nichts! Im Gegenteil! Es lähmt uns. Wir verbeißen uns (wieder ein Hundebild!) in Belanglosigkeit und verlieren das Ziel aus den Augen. Nichts anderes meint Jesus: „Wer die Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht gemacht für das Reich Gottes.“ Blicke nach vorn und mach das Beste aus Deiner jetzigen Situation, ganz gleich, wie sie entstanden ist! Dir ist Lebenszeit geschenkt, Du bist verantwortlich dafür, laß Dich von Widrigkeiten und Rückschlägen nicht entmutigen! Das Reich Gottes ist vor dir! Dein Leben hat ein Ziel, verliere es nicht aus den Augen!

Und Frieda? Frieda ist entspannt, sie weiß wie der Hase läuft: „Den Hasen bekomme ich sowieso nicht; aber ich rieche ganz genau, ob er von links nach rechts oder umgekehr gehoppelt kam!“ Und fröhlich bellend zeigt sie mir die Richtung und folgt unbeirrbar ihrem Ziel.

Ein spannendes Wochenende wünscht Ihnen Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Erschienen in leicht gekürzter Version als geistliches Wort am 22. 03. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Was für eine Herausforderung! Sanierung der Kirche in Kapellendorf

This entry is part 4 of 4 in the series 2018-Sanierung Kirche Kapellendorf
Was für eine Herausforderung! Sanierung der Kirche in Kapellendorf

Stehe ich jetzt im Schiff der Kapellendorfer Kirche, muss ich das vergangene Jahr immer noch einmal Revue passieren lassen: Was für eine Herausforderung! Sanierung der Kirche in Kapellendorf!

Nachdem alle Beschlüsse gefasst, Sanierungs- und Fördermittelanträge gestellt und Begehungen mit dem Kreiskirchen- und Denkmalamt erfolgt waren, haben wir am 10. März 2018 mit der Sanierung der Kirchendecke im Schiff der Kapellendorfer Kirche begonnen. Die Sanierung sollte weitestgehend im ehrenamtlichen Engagement erfolgen. Unermüdliche Unterstützung war hier also gefragt.

Was für eine Herausforderung! Sanierung der Kirche in Kapellendorf

Nachdem uns einige ihre Hilfe zugesichert haben und die Kirche komplett beräumt und mittels großen Rollgerüsten eingerüstet wurde, galt es zunächst, den Deckenputz sowie das darunter angebrachte Material abzutragen. Dies erwies sich als sehr kraftintensive, aufwendige und staubige Angelegenheit. Nachdem der Abbruch zur Erleichterung aller Beteiligten beseitigt wurde, nutzte man die sich gebotene Gelegenheit um den Blasebalg der ehemaligen Kapellendorfer Orgel in den Kirchenraum herunterzulassen. Dieser wurde dem Museum der Wasserburg Kapellendorf als Leihgabe übergeben. Anschließend haben wir die Kirchendecke mit einer Unterspannbahn und Ausgleichslattung versehen. Die angelieferten Dielenbretter konnten nun in altweiß angestrichen und zu Beginn des Sommers endlich angebracht werden. Jede freie Minute waren die Helfer tatkräftig am Werk. Nach neun Monaten unermüdlichen Einsatzes konnten Anfang Dezember die Arbeiten an der Kirchendecke abgeschlossen werden. Eine Woche vor heilig Abend wurden die Gerüste abgebaut und das Gebäude von einer Gebäudereinigerfirma einer kompletten Grundreinigung unterzogen. Nur wenige Tage vor Weihnachten haben wir die Bestuhlung wieder einräumen und für den festlichen Gottesdienst schmücken können.

Was für eine Herausforderung…‘ – schießt mir gedanklich in den Kopf – ‚…wir haben sie gemeistert‘. Und plötzlich fällt die ganze Anspannung des letzten Jahres von den Schultern.

Ich möchte gern diese Gelegenheit noch einmal nutzen und mich vor allem persönlich und als Gemeindekirchenrat im Namen der Kirchengemeinde Kapellendorf bei allen fleißigen Helfern und Ehrenamtlichen ganz herzlich für ihre Unterstützung, ihr Engagement und ihr fachliches Know-how bedanken. Ich weiß nicht mehr wie viel Zeit, Energie, Ideen und Kraft sie alle in diesem vergangenen Jahr eingebracht haben. Ein herzliches DANKESCHÖN dafür!

DANKE auch an alle, die uns mittels Spenden bei unserem Vorhaben unterstützt haben sowie DANKE an alle Aufbauer, Abbauer, Aufräumer und auch diejenigen, die uns mit Kaffee und kleinen Stärkungen motiviert haben.

Und DANKE auch an unser aller Schutzengel, der, bis auf ein paar Kratzer und Prellungen, seine schützende Hand stets über uns gehalten hat.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit.

Ihre Erika Frankenhäuser

Henne oder Ei

This entry is part 5 of 106 in the series geistliches Wort
Henne oder Ei

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Was war zuerst da, Hase oder Ei?, ach nein, es muss ja Henne oder Ei heißen! Bei Hase oder Ei ließe sich die Frage recht einfach beantworten. Das Ei war zuerst da! Das Ei als Symbol für das Leben stammt bereits aus vorchristlicher Zeit, ein Blick nach Eisenach zum Sommergewinn erinnert uns daran. Der Hase als Ostersymbol ist erst mit dem Christentum aufgetaucht. Hin und wieder hört man auch, dass der Hase wegen seiner Fruchtbarkeit auch im Germanentum ein Symbol für Leben gewesen sei, doch da werden wohl Hasen und Kaninchen verwechselt. Denn nur Letztere vermehre sich außerordentlich stark. Aber was hat der Hase mit Ostern dann zu tun? In der Antike war man der fälschlichen Meinung, Hasen würden nie schlafen, weil sie angeblich immer die Augen geöffnet haben (Schlaf ist der Bruder des Todes, wenn der eine nicht kommt, dann der andere auch nicht). Dadurch wurden sie zum Symbol des Lebens und der Auferstehung.

Beim Ei hat sich übrigens eine interessante Bedeutungsverschiebung durch die christliche Interpretation ergeben. Es gilt nicht mehr nur als Symbol des Lebens, sondern des neuen Lebens, der Auferstehung: Das Ei ist in einer Schale, die an den Felsen des Grabes Jesu erinnert. Sie scheint wie aus Stein zu sein, auch ist das Ei zunächst kalt. Doch wie durch ein Wunder kann darin Leben wachsen und den Felsen zerbrechen. Wenn man das streng zu Ende denkt, müßten Ostereier eigentlich zerbrochene Eier sein, die bunten Eier, die jetzt schon an manchen Sträuchern hängen, sind dann vorösterliche Eier; Eier der Hoffnung, aber noch nicht des neuen Lebens!

Und was ist mit Henne und Ei? – davon, liebe Leserinnen und Leser, können Sie am nächsten Sonnabend lesen. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Th.-M. Robscheit

Teil II (erschienen eine Woche später):

Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht haben Sie auch am letzten Wochenende das geistliche Wort gelesen und warten darauf, was ich zum Henne-Ei-Problem schreibe. Was war eher da? Henne oder Ei? Das Ei, werden manche rufen. Aus ihm entsteht schließlich neues Leben! Nein, die Henne, denn sie muss das Ei ja gelegt haben. Ja, aber: wenn eine einzelne Henne auch dutzende Eier legt, wird daraus nicht ein einziges Küken schlüpfen, so ganz ohne Hahn!

Man kann dieses Spiel, liebe Leserinnen und Leser noch weiter treiben. Uns allen ist klar, dass diese Frage völlig falsch gestellt ist: keins von beiden war zuerst da! Aber trotzdem bewegt uns diese (sinnlose) Diskussion. Das liegt vielleicht daran, dass wir die Welt als unveränderlich wahrnehmen. Es gibt Hühner und Eier, eines geht aus dem anderen hervor. Das war schon immer so!, denken wir weit häufiger unbewusst als bewusst. Aber nur ganz wenig war tatsächlich schon immer, oder wenigstens sehr lange so, wie wir das kennen. Das meiste verändert sich, doch wir tragen Scheuklappen und können oder wollen das nicht wahrhaben. Wir haben unsere Vorurteile und was da nicht hineinpasst, wird negiert. Das beginnt ganz klein im Alltag, wenn wir unseren Schlüssel nicht finden, der Mitten auf dem Tisch liegt oder die Butter, die uns im Kühlschrank fast ins Gesicht springt. Das geht weiter dort, wo wir mit Klimaveränderung oder Migration konfrontiert werden und hört bei unserem Unverständnis für das Osterfest, der Auferstehung Christi, noch lange nicht auf! Nur hin und wieder gelingt es uns staunend wie ein Kind die Welt zu sehen und ihre alltäglichen Wunder: Henne oder Ei? Beides! Schauen Sie über den Tellerrand Ihrer alltäglichen Erfahrungen!

Ein wundervolles Wochenende wünsche ich Ihnen!

 

Erschienen zu Ostern 2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen