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Henne oder Ei

This entry is part 2 of 94 in the series geistliches Wort
Henne oder Ei

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Was war zuerst da, Hase oder Ei?, ach nein, es muss ja Henne oder Ei heißen! Bei Hase oder Ei ließe sich die Frage recht einfach beantworten. Das Ei war zuerst da! Das Ei als Symbol für das Leben stammt bereits aus vorchristlicher Zeit, ein Blick nach Eisenach zum Sommergewinn erinnert uns daran. Der Hase als Ostersymbol ist erst mit dem Christentum aufgetaucht. Hin und wieder hört man auch, dass der Hase wegen seiner Fruchtbarkeit auch im Germanentum ein Symbol für Leben gewesen sei, doch da werden wohl Hasen und Kaninchen verwechselt. Denn nur Letztere vermehre sich außerordentlich stark. Aber was hat der Hase mit Ostern dann zu tun? In der Antike war man der fälschlichen Meinung, Hasen würden nie schlafen, weil sie angeblich immer die Augen geöffnet haben (Schlaf ist der Bruder des Todes, wenn der eine nicht kommt, dann der andere auch nicht). Dadurch wurden sie zum Symbol des Lebens und der Auferstehung.

Beim Ei hat sich übrigens eine interessante Bedeutungsverschiebung durch die christliche Interpretation ergeben. Es gilt nicht mehr nur als Symbol des Lebens, sondern des neuen Lebens, der Auferstehung: Das Ei ist in einer Schale, die an den Felsen des Grabes Jesu erinnert. Sie scheint wie aus Stein zu sein, auch ist das Ei zunächst kalt. Doch wie durch ein Wunder kann darin Leben wachsen und den Felsen zerbrechen. Wenn man das streng zu Ende denkt, müßten Ostereier eigentlich zerbrochene Eier sein, die bunten Eier, die jetzt schon an manchen Sträuchern hängen, sind dann vorösterliche Eier; Eier der Hoffnung, aber noch nicht des neuen Lebens!

Und was ist mit Henne und Ei? – davon, liebe Leserinnen und Leser, können Sie am nächsten Sonnabend lesen. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest!

Ihr Th.-M. Robscheit

Teil II (erschienen eine Woche später):

Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht haben Sie auch am letzten Wochenende das geistliche Wort gelesen und warten darauf, was ich zum Henne-Ei-Problem schreibe. Was war eher da? Henne oder Ei? Das Ei, werden manche rufen. Aus ihm entsteht schließlich neues Leben! Nein, die Henne, denn sie muss das Ei ja gelegt haben. Ja, aber: wenn eine einzelne Henne auch dutzende Eier legt, wird daraus nicht ein einziges Küken schlüpfen, so ganz ohne Hahn!

Man kann dieses Spiel, liebe Leserinnen und Leser noch weiter treiben. Uns allen ist klar, dass diese Frage völlig falsch gestellt ist: keins von beiden war zuerst da! Aber trotzdem bewegt uns diese (sinnlose) Diskussion. Das liegt vielleicht daran, dass wir die Welt als unveränderlich wahrnehmen. Es gibt Hühner und Eier, eines geht aus dem anderen hervor. Das war schon immer so!, denken wir weit häufiger unbewusst als bewusst. Aber nur ganz wenig war tatsächlich schon immer, oder wenigstens sehr lange so, wie wir das kennen. Das meiste verändert sich, doch wir tragen Scheuklappen und können oder wollen das nicht wahrhaben. Wir haben unsere Vorurteile und was da nicht hineinpasst, wird negiert. Das beginnt ganz klein im Alltag, wenn wir unseren Schlüssel nicht finden, der Mitten auf dem Tisch liegt oder die Butter, die uns im Kühlschrank fast ins Gesicht springt. Das geht weiter dort, wo wir mit Klimaveränderung oder Migration konfrontiert werden und hört bei unserem Unverständnis für das Osterfest, der Auferstehung Christi, noch lange nicht auf! Nur hin und wieder gelingt es uns staunend wie ein Kind die Welt zu sehen und ihre alltäglichen Wunder: Henne oder Ei? Beides! Schauen Sie über den Tellerrand Ihrer alltäglichen Erfahrungen!

Ein wundervolles Wochenende wünsche ich Ihnen!

 

Erschienen zu Ostern 2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Gute alte Zeit

This entry is part 3 of 94 in the series geistliches Wort
Gute alte Zeit

Liebe Leserinnen und Leser!
Erinnern Sie sich gerne? Die gute alte Zeit? Oder lassen Sie die Vergangenheit lieber vergangen sein und schauen nach vorn? Beides gibt es; beides ist wichtig! Wer immerzu nach hinten blickt, auf die vermeintlich gute alte Zeit, der verpasst die Chancen der Gegenwart. Denn der Blick ist dann eingeengt. Vieles, was früher gut funktioniert hat, klappt heute nicht mehr, weil sich viele andere Umstände geändert haben. In meiner Kindheit war es durchaus richtig, 20 Flaschen Ketchup zu kaufen, wenn es welches gab, heute macht das wohl niemand mehr. Es gab Zeiten, das war es sinnvoll, Geld in Lexika zu investieren…

Doch wer meint, die Vergangenheit spiele gar keine Rolle, der ist orientierungslos. Wir brauchen unsere Erfahrungen, unsere Wurzel um in die Zukunft hinein zu leben und die Gegenwart zu meistern. Deswegen ist es gut, ab und an innezuhalten und sich auch zu erinnern. So wie die Jugendlichen von einst, die heute ihre Goldene und Diamantene Konfirmation feiern. Da werden viele Erinnerungen wach, da wird über Lehrer und Mitschüler geplaudert, der eigene Lebensweg wir überdacht: was ist in diesen Jahren geschehen, welche finsteren Täler musste ich durchleben und über welche sonnigen Wiesen durfte ich gehen? Manch einer wird bei diesem Rückblick auch die Gewissheit haben, dass Gott ihn behütet hat, Tage, Wochen, Jahre und Jahrzehnte! Es ist gut, ab und zu an die gute alte Zeit zu denken.
Und, liebe Leserinnen und Leser, vergessen Sie nicht: die gute alte Zeit von morgen ist heute!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erschienen am 28.04.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Inklusionsfest in Apolda

Inklusionsfest in Apolda

Am 6. Mai 2018 fand das Inklusionsfest in Apolda statt. In einem bunten Gottesdienst in der Lutherkirche wurde die Gemeinschaft in aller Verschiedenheit der Menschen gefeiert. Vikarin Bärwald ist es sehr gut gelungen, die unterschiedlichesten Gruppen für den Gottesdienst zu begeistern.   Das war übrigens auch das Thema: ich bin begeistert – und du?

So sang der Chor der Lebenshilfe und Bewohner aus dem Haus Felsengrund wirkten bei der Lesung mit. Es gab eine Band unter Leitung von Herrn Kissmann, die Konfirmanden halfen an vielen Stellen im und vor dem Gottesdienst mit.

Nach der Predigt wurde aus unzähligen kleinen Plexiglas-Täfelchen, ein großes buntes Bild zusammengesetzt. Jeder Besucher hatte ein solches Täfelchen erhalten & war gebeten,  etwas malen oder schreiben.  Durch das bunte Bild wurde schließlich deutlich: wir sind eine Gemeinschaft. Dass einige wenige freie Stellen auf der Scheibe geblieben sind, ist ein gutes Symbol: unsere Gemeinschaft ist noch nicht „voll“!

Nach dem Gottesdienst warteten im Lutherkirchgarten bereist Kaffee und Kuchen und der Duft von leckeren Bratwürsten hing in der Luft…

Alle waren sich einig: nächstes Jahr brauchen wir eine Fortsetzung!

7. Tagung der II. Landessynode

This entry is part 6 of 7 in the series Landeskirche
Die 7. Tagung der II. Landessynode der EKM tagte vom 12. -14. April 2018 in Kloster Drübeck.

Umfangreichster Punkt auf der Tagesordnung der Landessynode war unter dem Thema: „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“ eine breite Diskussion und Standortbestimmung der Gemeinden in der EKM (TOP 4). Alle Synodenunterlagen finden Sie auf der Synodenseite der EKM.

TOP 2: Bericht der Landesbischöfin Junkermann

Traditionell ist der erste große Tagesordnungspunkt auf einer Landessynode der Bericht der Landesbischöfin. Sie betont darin die besondere Bedeutung von gemeinsamen Mahlfeiern für die Gemeinschaft. Ausdrücklich möchte sie das nicht auf liturgische Abendmahlsfeiern beschränken:

„Uns sind große Schätze anvertraut, lasst sie uns nicht vergraben, lasst uns mit ihnen wuchern! Ob es uns gelingt, den bestehenden Fokus allein auf die Erinnerung an Jesu letztes Mahl wieder zu erweitern um die vielerlei Mahlzeiten Jesu in Gemeinschaft mit vielen Verschiedenen und die nachösterlichen Mahlfeiern?… Grethlein plädiert dafür: „Das Mahlfeiern soll … als eine besondere Form der Kommunikation des Evangeliums verstanden werden … und für die drei grundlegenden Modi der Kommunikation (…) öffnen, die bereits das Wirken Jesu bestimmten: gemeinschaftliches Feiern, Lehren und Lernen sowie gegenseitiges Helfen zum Leben.“ Dabei soll es für alle (wirklich alle!) zugänglich sein.
Wie kann das aussehen in unserem Alltag in Gemeinde und Kirche? Und wird es wirklich kirchen- und gemeindegründend wirken?
Von den großen Mahlfeiern draußen haben wir nun viel gehört. Sie sind besondere Höhepunkte im Jahr. Ob sie auch Anregungen geben für die kleineren Mahlfeiern unter dem Jahr und auch innerhalb unserer Mauern. Den geschützten Raum braucht Gemeinschaft ja weiterhin, bei aller Wertschätzung des Umsonst und Draußen? Und wie sieht das in kleinen Gemeinden aus?“

In ihrer Antwort auf die Rückmeldungen zum Bericht weist Ilse Junkermann darauf hin, dass auch Jesus schon vorgeworfen wurde, er sitze bei den Säufern und Fressern (anstelle sich zu den Frommen zurückzuziehen).

TOP 3: Änderung der Verfassung der EKM
7. Tagung der II. Landessynode
geheime Abstimmung zur Veränderung der Verfassung der EKM

Die Überarbeitung der Verfassung in der Landessynode wäre eigentlich kein so wichtiger Punkt, aber mit der angestrebten Änderung in die geschlechtergerechte Sprache ist dieses Thema mit großen Emotionen belegt. Durch eine Eingabe Prof. Germanns, der an der ursprünglichen Verfassung maßgeblich mitgearbeitet hatte, fühlten sich etliche Synodale angesprochen und lehnen eine gegenderte Sprache der Verfassung ab. Ein Diskussionsbeitrag versuchte sich auf satirische Weise mit dieser Eingabe auseinanderzusetzen. Diese Ausführungen hat, so schätze ich das ein, die Unsicheren eher auf die Seite Prof. Germans gebracht haben, als gegen ihn. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“! Daneben gab es auch sachliche und bedenkenswerte Beiträge für die geschlechtergerechte Sprache in der Verfassung und dagegen. Neben einigen Argumenten, die sich hauptsächlich auf die Lesbarkeit bezogen, waren die meisten Bedenken bei einer theologischen Frage: „Christen“ waren schon immer Frauen und Männer (ähnlich wie Menschen), sie bilden eine Einheit. Durch die Formulierung in Christinnen und Christen wird diese Einheit in zwei Gruppen aufgespalten.
Die Vorlage wurde in die Ausschüsse verwiesen.

Am Samstag wurde das Thema nachdem  die überarbeitete Verfassung in den Ausschüssen beraten worden ist, erneut aufgerufen:

Es gab einigen inhaltlichen Präzisierungen wie der Stärkung der gewählten Synodalen im Landeskirchenrat (sie haben dort jetzt kein Vetorecht mehr, sondern ihre mehrheitliche Zustimmung ist Vorrausetzung. Das bedeutet, das nun mögliche Enthaltungen als „Nein“ gezählt werden, bei der bisherigen Variante waren Enthaltungen „Ja“ Stimmen, weil sie an der erforderlichen Mehrheit für das Veto nicht unterstützen.

Im Plenum wurde die Verfassung dann nur inhaltlich diskutiert, die Frage der gegenderten Version wurde nicht noch einmal erörtert. Ein Antrag auf zwei Abstimmungen, einen zum Text und eine weitere zur geschlechtergerechten Sprache wurde als nicht praktikabel abgelehnt. Auch konnte sich der Vorschlag, „Reformatoren“ durch „Männer und Frauen der Reformation“ nicht durchsetzen. Dies hatte wohl vor allem damit zu tun, dass ein Unterschied zwischen Menschen, die der Reformation angehört haben wie Lieschen Müller & ihr Mann, und den Verfasseren reformatorischer Schriften gemacht werden soll.

Ergebnis: 70 gültige Stimmen

Ja: 46
Nein: 22
Enthaltung: 2

Damit ist die 2/3 Mehrheit um eine Stimme nicht erreicht und die geänderte Verfassung tritt nicht in Kraft. Die oben gemachten Änderungen sind damit auch nicht im Text enthalten.

TOP 7 Umsatzsteuergesetz

Für die Kirchengemeinden, die bisher ihre Kirchrechnung noch selber geführt haben, ist ein Anschlußzwang vorgesehen, sobald ihr Jahresumsatz die Kleinunternehmergrenze  übersteigt. Diese mehrheitlich getroffene Gesetzesänderung ist sinnvoll, weil die Kompetenz für eine gesetzeskonforme Steuerabrechnung bei den ehrenamtlichen oder professionellen Steuerberatern, die nicht im kirchlichen Bereich spezialisiert sind, nach auffassung der Synode nicht im nötigen Maße gegeben ist.

TOP 5: Verlängerung der Amtszeit von Probst Hackbeil

Die Synode hat die Amtszeit von Probst Hackbeil bis zu seinem Ruhestand mit sehr großer Mehrheit beschlossen.

TOP 4: Gemeindekirche

7. Tagung der II. LandessynodeHauptthema der Tagung der Landessynode ist „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“. Dem ist heute fast der ganze Tage gewidmet. Der Diskussion zu grunde liegen die Thesen von Prof. Domsgen. Sie wurden  durch jeweils ein ehrenamtliches und ein hauptamtliches Mitglieder der Synode interpretiert. Es ist erstaunlich, wie klar Probleme und mögliche Lösungen in der Theorie gesehen werden und wie wenig davon in der Vergangenheit in der Praxis umgesetzt worden ist.

Zunächst wurde in mehreren Runden in verschiedenen Arbeitsgruppen dazu gearbeitet und diskutiert. Am Samstag wurden die Ergebnisse der gestrigen Arbeitsgruppen zum Gemeinde- & Kirchenbild vorgestellt. Die Arbeitsgruppen waren für die Teilnehmer sicherlich in jedem Fall anregend und wichtig. Es wird in unseren Gremien viel zu selten darüber diskutiert, was & warum & wie Kirche oder Gemeinde sein soll. Wenn aber jemand die Erwartung hatte, dass die Synode mit übertragbaren Handlungsanweisungen für die einzelnen Kirchengemeinden abschließt, so wird er zwangsläufig enttäuscht sein.

Hier finden Sie die grafisch aufgearbeiteten Arbeits- & Ergebnispapiere der Gemeindesynode.

Prof. Domsgen
These 1
These 2
These 3
These 4
These 5
These 6

 Mit einer Abendmahlsfeier endete die Landessynode am Samstag Mittag.

 

Reformationstag 2017 Kapellendorf: Lutherbaum gepflanzt

Lutherbaum gepflanzt

Zum Reformationstag 2017 wurde in Kapellendorf ein Lutherbaum gepflanzt. Getreu dem (angeblichen) Luther-Zitat „Wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen!“, wurde am Nachmittag des 31. Oktober 2017 vor der Kapellendorfer Kirche ein Lutherbäumchen gepflanzt: ein Apfelbaum der Sorte Discovery. Bei der Auswahl der Sorte spielte neben dem Standort und der Bodenbeschaffenheit auch die Robustheit der Sorte und natürlich seine Früchte eine Rolle. Die Äpfel sind im Sommer reif und können frisch verzehrt werden. So wird hoffentlich manch ein Friedhofsbesucher in den nächsten Jahren diese süßen Früchte genießen können.

Während es zum letzten großen Reformationsjubiläum vor 100 Jahren eher üblich war, Eichen zu pflanzen, scheint heute der Apfelbaum die geeignetere Wahl zu sein: ein Zeichen der Hoffnung angesichts drückender Sorgen um die Zukunft unseres Planeten.

Der Baum war von J. Köhler aus Kleinromstedt gezogen und veredelt worden. E. Frankenhäuser und Th.-M. Robscheit haben den Boden vorbereitet und das Bäumchen schließlich im Rahmen einer Andacht gepflanzt. Bei dieser Andacht brannte auch eine Reformationskerze. Diese Kerze war am Vorabend in einem festlichen Zentralgottesdienst des Kirchenkreises an alle Gemeinden weitergegeben worden. In diesem Gottesdienst in Buttstädt stand für jede Kirche des Kirchenkreises eine solche Kerze auf einer riesigen Landkarte. In fast allen Kirchen des Kirchenkreises brannten dann diese Kerzen am Reformationstag 2017.

Mehr über die Tradition der Lutherbäume und deren Standorte erfährt man auf dieser Webseite. Hier in unserem Kirchspiel gibt es eine Luthereiche in Oberndorf.

Zeit für einen Freund?

This entry is part 83 of 94 in the series geistliches Wort
Zeit für einen Freund?

Was machen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr Alltag durch eine schlechte Nachricht plötzlich in Frage gestellt wird? Wie setzen Sie Prioritäten, wenn Sie erfahren, dass ein Freund schwer krank ist?

Gehört es sich da nicht, alles andere hinten an zu stellen und einen Besuch zu machen? Doch was sagt man da? Wie verhält man sich, wenn einem das Elend des anderen ins Gesicht springt? Ich habe gestern so eine schlechte Nachricht erhalten: M. Ist schwer krank. Noch habe ich nicht angerufen und bin auch noch nicht auf dem Weg zu ihm. Was ist jetzt richtig? Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich seit Montag etwa 31 Stunden Sitzungen, Besprechungen und Verhandlungen hinter mir haben, 6 Stunden Gemeindebesuche, eine Trauerfeier und eine Hochzeit, ich werde diese und die Gottesdienste für Sonntag und Montag vorbereitet haben. Insgesamt etwa 60 Stunden „gute“ Gründe, sich um den schweren Gang zu drücken. Und jetzt am Wochenende? Jeden Tag mehrere Gottesdienste, keine Zeit, leider. Da kann ich nicht in den Thüringer Wald fahren um M. zu besuchen.

Merken Sie etwas, liebe Leserinnen und Leser? Es ist ganz einfach, sich um schwere Besuche herumzudrücken, einem Menschen nahe zu sein, dem das Leben übel mitspielt. Doch gerade da erweist sich Freundschaft, Liebe, Mitmenschlichkeit. Gerade da werden wir gebraucht, vielleicht  auch unser Glaube & unsere Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und greife jetzt mit einem mulmigen Gefühl zum Telefon.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 30. 11. 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Apolda

Prüfungsgottesdienst Vikar Neubert

Prüfungsgottesdienst Vikar Neubert

Am 28. August 2016 hat unser Vikar C. Neubert in der Herressener Kirche seinen Prüfungsgottesdienst gehalten. Aus fast allen Dörfern des Kirchspiels Kapellendorf und aus Apolda waren Interessierte gekommen, so dass fast ale Plätze besetzt waren. Abgenommen wurde die Prüfung durch die Superintendentin Hertel, Pastorin Dr.  Böhm und Frau Gröger, Mitglied des Kreiskirchenrates. Nach dem Gottesdienst hat die Prüfungskommissionen mit Vikar Neubert ein Auswertungsgespräch geführt und schließlich den Gottesdienst samt Predigt mit 2 benotet. Doch so eine dürre Zahl vermag kaum zu beschreiben, wie das „feeling“ in der Kirche war. Conrad Neubert trat sicher und überzeugend auf, der Gottesdienst mit seiner ausführlichen Liturgie war Dank des guten Zusammenspiels zwischen Herrn Neubert und Herrn Lindenborn an der Orgel gleichermaßen abwechslungsreich und in einem guten Sinn konservativ.

Das Thema der Predigt durchzog alle Teile des Gottesdienstes: am Anfang für den Besucher natürlich noch nicht sofort erkennbar, wurde es schließlich eine thematisch runde Sache. Höhepunkt war zweifelsohne die Predigt selber. Sie begann mit der Frage an die Gemeinde, was ihnen zu Theodor von und zu Guttenberg einfällt. Vielleicht hätten mit etwas mehr Erfahrung ein paarmehr Antworten herausgekitzelt werden können, aber auch mit wenigen Einwürfen aus der Gemeinde wurde schnell deutlich, dass zu diesem Mann verschiedene, teils widersprüchliche Informationen bekannt sind. C. Neubert machte anschaulich, dass neben den bewußt lancierten Bildern auch Informationen an die Öffentlichkeit gelangten, die der Freiherr dort lieber nicht gesehen hätte. „Nachrichtenpanne“, nannte Neubert das: „Ähnliches passierte Jesus auch, als er ausdrücklich verbot, von einer wunderbaren Heilung zu berichten.“ Jesus also auch mit Nachrichtenpannen? Botschaften, die nicht für alle bestimmt waren, kommen doch in die Öffentlichkeit?
In der vollen Kirche war die leise hüstelnde Stille der Besuchern auf nicht sehr bequemen Kirchenbänken. Neubert erzählte kurz die Geschichte eines Nachbarn, der vor Jahren einen schweren Motorradunfall  hatte, berichtete, wie alles auf Messersschneide stand, wie die bosorgten Eltern täglich ins Krankenhaus fuhren. Und von jenem einen Morgen, als sie genau auf dem Unfallhügel in einen goldenen Sonnenaufgag fuhren und das Versprechen Gottes ihnen beiden in dieser Sonne über dem noch finsteren Tal wie einer der Sonnenstrahlen ins Herz drang: „Euer Kind wird leben!“ – kein Hüsteln mehr in der Kirche, keine knarzende Bank, das großartige dieses einen besonderen Sonnenaufgangs hatte alle ergriffen. Neubert: „Das war eine Botschaft nur für die Eltern, aber Gott sendet uns allen ganz persönliche Botschaften. Doch auch die ursprünglich gar nicht für uns gedachten Botschaften Gottes, die wir in der Bibel finden, sind für uns wichtig, denn sie geben Orientierung.“

Während der Orgelmusik nach der Predigt sollte jeder seine Gedanken schweifen lassen. Wahrscheinlich sind den Meisten Situationen eingefallen, in denen sie Gottes Botschaft für sich gespürt hatten, ähnlich wie es den Eltern gegangen war.

Schulanfang 2016

This entry is part 15 of 25 in the series Pressemeldungen
Schulanfang 2016

Mit dem sehr gut besuchten „Zu Gast in…“ – Gottesdienst wurde der Schulanfang 2016 des Kirchspiels in Oberndorf gefeiert. Die Oberndorfer hatten ihre Kirche liebevoll geschmückt, auch ein Zuckertütenbaum, der am Ende geplündert wurde, zierte den Raum.
In der Predigt wurde auf den neuen Lebensabschnitt der Schulkinder und das damit vielleicht verbundene mulmige Gefühl eingegangen. Pfr. Robscheit hatte sich eine kleine Geschichte ausgedacht und mit einer Handpuppe erzählt:

Als die Menschen das Paradies verließen und das Tor offen stand, haben sich auch die Tiere auf den Weg gemacht. Nur ein kleiner Hund, eine Katze, ein Spatz und eine Kröte blieben. Gott ermutigte die vier, in die Welt aufzubrechen. Aber ihnen war mulmig. Wer weiß, was da alles sein wird!
Doch der kleine Hund besann sich seiner Zähne und stürmte bellend davon, die Katze wollte dem nicht nachstehen und dachte bei sich: Ich habe auch Zähne, und Krallen und kann klettern! Und sie verschwand in der Dämmerung. Der Spatz und die Kröte blieben ängstlich und versteckten sich in Mauerritzen. Doch in der Morgendämmerung hatte der Spatz so ein Ziehen in seinen Flügel und kurz darauf war er über die Mauer verschwunden.
Die Kröte blieb. Am Abend frage Gott: Was ist mit Dir? Willst Du nicht auch die Welt erkunden? Die Kröte: Ich habe keine Zähne, keine Krallen, bin nicht schnell, kann nicht klettern und nicht fliegen, das ist mir alles zu unsicher, ich will in meiner Schutzhöhle bleiben.
Nun gut, dacht sich Gott, dann sollst Du eben Deine Höhle mit Dir herumtragen. Und so brach auch die Kröte auf in die Welt, als Schildkröte.

So wie die Vier brechen auch Schulkinder auf, um eine neue Welt zu erkunden. Aber sie haben keinen Panzer, können nicht fliegen und mit Beißen oder Kratzen ist es auch nicht weit her. Gott schenkt ihnen etwas anders: seinen Segen: kein Schutzschild, keine Waffe, sondern eine Kraft, die Gutes bewirken kann: So wie Abram in die Welt geschickt wurde, so werden auch die Kinder losgeschickt: Geh in das Land, das ich Dir zeigen werde. Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein.

Alle Kinder waren nach der Predigt zum Altar gekommen und jedem wurde einzeln dieser Segen Gottes zugesprochen.
Und nach dem Gottesdienst in dem viel und fröhlich gesungen wurde, wartenen bereits Kaffee und Kuchen auf dem Winterhof, direkt der Kirche gegenüber.

Noch mehr Bilder gibt es auf der Oberndorf-Seite von Wolfgang Winter!

 

 

 

Ein Nachmittag im Paradies

This entry is part 82 of 94 in the series geistliches Wort
Ein Nachmittag im Paradies

„Ist das nicht paradiesisch?“, wann haben Sie sich diese rhetorische Frage zum letzten Mal gestellt? Oft verbinden wir schöne Strände oder ruhige Sommertäler mit diesem Gedanken. Doch als mufflige Deutsche ist das „Aber“ gleich in unserem Kopf präsent: „Alles nur Schein, nur für Touries; die Ausbeutung der Einheimischen, das Ökosystem…“ Die Welt ist kein Paradies haben wir im Laufe unseres Lebens lernen müssen und jetzt misstrauen wir allem was paradiesisch zu sein scheint. Aber wie eine schwache Erinnerung, ein Nachhall aus einer längst vergessenen Zeit, gibt es in uns dennoch diese Sehnsucht: Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. Wir können sie nicht ergründen. Oft ein vages Gefühl nur. Doch dieses Sehnen kann uns Antrieb und Motivation sein, Visionen zu haben und diese Welt mit ihren Sorgen und Problemen zu einem besseren Ort für andere und für uns selber zu verändern.

Aber woher kommt die Kraft, immer wieder neu aufzubrechen? Woher der lange Atem gegen die Trägheit? Woher der Mut?

Aus dem Paradies! Wir leben nicht darin, nein, aber ein Stück davon können wir immer wieder erfahren! Wir müssen das nur zulassen & Pause machen; den Alltagstrott durchbrechen, ganz gleich ob der aus Arbeit, Arbeitslosigkeit, Schüler- oder Rentnersein besteht. Anhalten. Den lauen Sommerabend genießen, den Gesang der Nachtigall, einen Film, ein Buch oder die fröhliche Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ein Nachmittag im Paradies gibt Mut für viele Tage Alltag.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

Der Beitrag erschien am 11. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Kikeriki

This entry is part 80 of 94 in the series geistliches Wort
Kikeriki

Kikeriki, guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht genießen sie gerade Ihr Frühstücksei und sind in Gedanken bei den glücklichen Hühnern auf dem Lande. Die picken im Gras nach Käferlein und ein schöner Hahn wacht über der Idylle. Doch ganz so harmonisch wie man sich´s vorstellt ist es nicht. Nicht umsonst spricht man von der Hackordnung. Und wenn es mehrere Hähne geben sollte, plustern sich besonders die, die nichts zu melden haben gerne gewaltig auf.

Wir haben so einen kleinen Hahn, auch der möchte gerne hin und wieder von den Hühnern beachtet werden. Dann hüpft er auf einen kleinen Stein, holt gewaltig Luft, streckt das Hühnerbrüstchen raus und – naja, macht ein Geräusch, das an Krähen erinnert. Die Hühner picken derweil unbeirrt weiter.

Die Erfahrung, dass sich Menschen aufplustern einem damit das Leben unnötig schwer machen, musste auch Petrus machen. Enttäuscht stellt er fest (1. Petrus 3, 13-18), dass einem Böses durch andere widerfahren kann, wenn man doch Gutes tut. „Habt keine Angst vor den Menschen, lasst Euch nicht irremachen..“, gibt er seiner Gemeinde auf den Weg. „Es ist besser, für gute Taten zu leiden, als für schlechte.“ Ein kleiner Trost angesichts der Anfeindungen, denen sich Christen im 2. Jh. ausgesetzt sahen. Und wir heute? Petrus´ Hinweise gelten immer noch: „..antwortet höflich und mit dem gebotenen Respekt in dem Bewußtsein, dass Ihr Euch nichts vorzuwerfen habt.“

Und vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, hilft uns darüber hinaus auch ein schmunzelnder Blick in den Hühnerhof. Lassen sie sich Ihr Frühstücksei schmecken!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

 

Der Beitrag erschien am 05. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land