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Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

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Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul

Liebe Leserinnen und Leser!

„Peter und Paul werden auch die Pfarrer faul!“ – leider ist es auch hier wie bei vielen Sprichworten: sie stimmen nur teilweise.
Aber mal der Reihe nach: Mit dem 29. Juni – die Namenspatronen sind Petrus & Paulus – sind die wichtigsten christlichen Feste des Kirchenjahres vorbei: Advent, Weihnachten, Passionszeit, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Die Konfirmationen sind Geschichte, Bibelwochen, Gebetswoche und der Weltgebetstag. Alles sammelt sich in der ersten Jahreshälfte.

Soweit ist das Sprichwort noch richtig; doch warten in der zweiten Jahreshälfte nicht minder wichtige Aufgaben. Sie sind nur oft nicht so sehr im öffentlichen Bewußtsein wie Verwaltung, Fördermitteleinwerben oder Bauaufgaben. Und natürlich warten Erntedank und Reformationstag sowie Feste, die erst in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen haben. Denken Sie an Schulanfängergottesdienste oder den Martinstag. Mit dem Faulwerden, liebe Leserinnen und Leser, klappt es leider genauso wenig wie bei den meisten anderen Berufen. Das legendäre Sommerloch gibt es oft nur als Wunschvorstellung!

Aber ein bißchen liegt es auch an uns selber: sind wir doch einfach mal faul, lassen die Seele baumeln und blicken stolz auf das zurück, was wir bereits geschafft haben!

Schließlich haben wir ein prominentes Vorbild: Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut! (1. Mose 2,3)
Also ruhen auch Sie mindestens einen Tag in der Woche von dem aus, was sonst Ihr Alltag ist. Wer viel alleine ist, sollte unter Leute gehen; wer nur Trubel um sich hat, die Einsamkeit suchen und wer immerzu unterwegs ist, zu Hause innehalten und wer meistens zu Hause ist, mal wieder einen Ausflug machen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei diesem Faulenzen dann dankbar feststellen dürfen: die Mühen haben sich gelohnt, es ist alles gut!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erstmals veröffentlich als geistliches Wort am 29.06. 2019  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Kikeriki

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Kikeriki

Kikeriki, guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht genießen sie gerade Ihr Frühstücksei und sind in Gedanken bei den glücklichen Hühnern auf dem Lande. Die picken im Gras nach Käferlein und ein schöner Hahn wacht über der Idylle. Doch ganz so harmonisch wie man sich´s vorstellt ist es nicht. Nicht umsonst spricht man von der Hackordnung. Und wenn es mehrere Hähne geben sollte, plustern sich besonders die, die nichts zu melden haben gerne gewaltig auf.

Wir haben so einen kleinen Hahn, auch der möchte gerne hin und wieder von den Hühnern beachtet werden. Dann hüpft er auf einen kleinen Stein, holt gewaltig Luft, streckt das Hühnerbrüstchen raus und – naja, macht ein Geräusch, das an Krähen erinnert. Die Hühner picken derweil unbeirrt weiter.

Die Erfahrung, dass sich Menschen aufplustern einem damit das Leben unnötig schwer machen, musste auch Petrus machen. Enttäuscht stellt er fest (1. Petrus 3, 13-18), dass einem Böses durch andere widerfahren kann, wenn man doch Gutes tut. „Habt keine Angst vor den Menschen, lasst Euch nicht irremachen..“, gibt er seiner Gemeinde auf den Weg. „Es ist besser, für gute Taten zu leiden, als für schlechte.“ Ein kleiner Trost angesichts der Anfeindungen, denen sich Christen im 2. Jh. ausgesetzt sahen. Und wir heute? Petrus´ Hinweise gelten immer noch: „..antwortet höflich und mit dem gebotenen Respekt in dem Bewußtsein, dass Ihr Euch nichts vorzuwerfen habt.“

Und vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, hilft uns darüber hinaus auch ein schmunzelnder Blick in den Hühnerhof. Lassen sie sich Ihr Frühstücksei schmecken!

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

 

Der Beitrag erschien am 05. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Perter & Paul

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Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie welcher bedeutender Tag der morgige Sonntag ist? 29. Juni? Nein? Fällt Ihnen nichts ein?

Es gibt jemanden aus dem öffentlichen Leben unserer Stadt, der Geburtstag hat (an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen im neuen Lebensjahr!).

Ich sehe Sie, lieber Leserinnen und Leser, vor mir: Wie Sie überlegen, wer das wohl sein könnte, oder wenn Sie´s wissen: Wie Sie sich fragen, was Sie in die Geburtstagskarte schreiben (kleiner Hinweis: Anrufen nervt!).

Doch dieser Geburtstag ist nicht der Anlass für die Zeilen. Der 29. Juni ist den beiden Aposteln Petrus und Paulus gewidmet (er gehört damit zu den wenigen Tagen im Jahr, die auch bei uns Evangelischen mit einem Namen bzw. einer Person verbunden sind).

Petrus und Paulus, vielleicht erinnern Sie sich an Christenlehre oder Konfirmandenunterricht: die beiden wichtigen Gestalten der frühen Kirchengeschichte. Petrus, der Felsen, den Jesus beauftragt hat, sich um die zunächst kleine Schar seiner Anhänger zu kümmern. Petrus, der Jesus drei Mal verraten hatte, bevor der Hahn krähte. Petrus, der dann nach Jesus Auferstehung bemüht war, im Sinne Jesu alles zusammen zuhalten und die kleine Gemeinde durch die heftigen Stürme der Zeit zu bringen. Konservativ, er hielt an jüdischen Gesetzen und Riten fest, so wie Jesus das vorgelebt hatte.

Der andere: Paulus. Ein Fanatiker. Erst bekämpft er christliche Gemeinden, dann eine 180° Wendung: er beginnt Gemeinden zu gründen. Aber anders als Petrus legt er auf das Einhalten der jüdischen Gesetze keinen Wert mehr: „Christus hat das Gesetz erfüllt!“.

Ich kann mir lebhaft vorstellen, was das für Ärger gegeben hat! Da sind nicht nur Befindlichkeiten aufeinandergeprallt oder persönliche Antipathien, da war keiner auf dem Ego-Trip und hat versucht durch Intrigen und Anmaßung sich in den Vordergrund zu spielen; nein, da ging es um religiöse Grundsatzfragen: Ist ein Christ von den vielen Vorschriften der Thora befreit oder nicht? Bedeutet Jesus nachzufolgen, die Gesetzte Gottes alle einzuhalten, oder ist das nicht mehr wichtig? Als die Streitigkeiten in der frühen Kirche immer größer wurden, haben sich die Apostel zu einer Konferenz zusammengefunden. Selbst unsere Verfassungsdiskussion bei der wir uns auf der Synode die Köpfe heiß reden, ist im Vergleich dazu belanglos! Die Apostel damals erarbeiteten schmerzliche Kompromisse, aber erst der Fluß der Zeit hat alle Streitigkeiten wirklich bereinigt. Freunde waren Petrus und Paulus gewiß nicht! Und ausgerechnet die beiden werden an einem Feiertag zusammengebunden und geehrt! Das hätten sich die beiden bestimmt nicht träumen lassen! Die Wege des Herrn sind unerforschlich!

Mir, liebe Leserinnen und Leser, macht das Mut und vor allem gibt es mir Gelassenheit: Dort wo wir uns über der Verfassung unserer Kirche streiten, wird auch der Weg gefunden werden, den Gott uns schicken will. Dass wir kämpfen und eifern, ist wichtig, vielleicht sogar nötig, aber in der Zeit wird Gott alle Widersprüche auflösen und scheinbar Gegensätzliches Zusammenfinden wie Petrus und Paulus.

Uns so wünsche ich Ihnen, besonders aber unserem Geburtstagskind, den Eifer, der nötig ist, Dinge voranzutreiben und zum Guten zu wenden, und die Gelassenheit, dass nicht wir das letzte Wort sprechen müssen, sondern Gott, der Herr über Zeit und Raum.

Ihr Th.-M. Robscheit, Pfarrer in Kapellendorf

Juni 2008