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Abgehängt

This entry is part 1 of 94 in the series geistliches Wort
Abgehängt

Liebe Leserinnen und Leser,
„abgehängt“ ist in dieser Woche das Un-Wort in Apolda & das alles wegen eines schlecht recherchierten Beitrages eines dritten Programmes. Ich habe mir die Mühe gemacht und den Beitrag in der Mediathek angesehen. Interessant ist das Ende: da wird nämlich gefordert, dass die Bundespolitik agieren müsse (also die da oben – bloß sich nicht selber anstrengen), „damit sich… niemand abgehängt fühlt.“

Aber, fühlen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, überhaupt abgehängt? Wann kann einem das eigentlich passieren, dass man „abgehängt“ wird? Ich habe irgendwelches Rennen und Hetzen vor Augen. Ausdauerlauf im Stadion, bei denen irgendwann der Punkt erreicht ist, dass jemand nicht mehr mitkommt. Manch einer denkt vielleicht auch an das Hamsterrad in das Arbeit und Alltag ihn zwängen. Immer schneller und immer mehr, bis es nicht mehr geht.

Immer schneller, immer mehr, immer schöner, immer weiter, immer billiger. Wo noch so gedacht wird, wird Raubbau betrieben an Menschen und Ressourcen, werden Lebensqualität und Zukunft zerstört. Im privaten Umfeld, wie in der Wirtschaft erleben wir fast täglich, dass dies ein Irrweg ist. Es gibt kein grenzenloses Wachstum. Vielmehr ist das alles ein Rennen im Stadion: Runde um Runde kommt man an der selben Stelle vorbei. Ist es da nicht viel klüger, (sich) abzuhängen? „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, alles ist eitel und Haschen nach Wind“, lesen wir schon im Alten Testament (Prediger 1) und die Erkenntnis, „dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. “ (Prediger 3, 12+13).

So wünsche ich Ihnen ein Wochenende, bei dem Sie zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und fröhlich sind bei aller -auch vergeblicher- Mühe, die die Woche Ihnen gebracht hat. Und ob Ihr Wohnort abgehängt im Hetzen der Zeit oder eine lebendige und liebenswerte Heimat ist, liegt ganz in Ihrem Fühlen & Handeln.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen zu 04.08.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Thüringentag Apolda

This entry is part 3 of 3 in the series Landesgartenschau 2017
Thüringentag Apolda

2017-06-11 Thüringentag

Vom 9. -11. Juni war in Apolda der Thüringentag. Es waren etwas über 100.000 Besucher (bei etwa 20.000 Einwohnern); da kann man sich vorstellen, was in der Stadt los war. Die Innenstadt war von Donnerstag früh bis Monatg Abend für den Verkehr weitgehend gesperrt.

Am Freitag Nachmittag fand der Eröffnungsgottesdienst für den Thüringentag Apolda in der Lutherkirche statt. Zu den Mitwirkenden gehörten die Bischöfin der EKM Ilse Junkermann, der Bischof des Bistums Erfurt Ulrich Neymeyr, Superintendentin Bärbel Hertel, Gemeindediakon Daniel Pomm. Nicht zu sehen, aber dafür gut & schön anzuhören waren unser Chor und der Posaunenchor unter Leitung von Mike Nych.

Rund um die Lutherkirche war das „Kirchendorf“, ähnlich wie der berühmte „Markt der Möglichkeiten“ bei einem Kirchentag. Es lief alles bestens, die Leute hatten gute Laune und bei uns war immer genügend Betrieb. Das Kirchendorf mit seinen Ständen aus dem diakonischen und kirchlichem Bereich, mit sozial engagierten Vereinen und dem Glockengießer war maßgeblich durch den Beauftragten der EKM für solche Großprojekte, René Thumser, organisiert worden. Die Kirchengemeinde und der Förderverein Lutherkirche waren hauptsächlich verantwortlich für die Führungen in der Lutherkirche, die Turmbesteigung und vor allem Kaffee & Kuchen. Ausgeschenkt wurde fair gehandelter Kaffee. Am „Kuchenbuffet“ haben sich zahlreiche Kirchengemeinden aus unserem Kirchenkreis beteiligt. Allen Helfern gilt dieser Dank:

Liebe Helferinnen und Helfer im Kirchencafe, liebe Backfrauen und Backherren,
 inzwischen ist der Thüringen Tag 2017 in Apolda Geschichte.
Das Wetter hat bis auf den Freitagabend wunderbar mitgespielt. Die Einrichtung “ Kirchencafe“ war ein voller Erfolg und wurde sehr gut angenommen. Insgesamt wurden rund 1700 Tassen Kaffee ausgeschenkt und circa 900 vorbereitete Kuchentabletts ausgegeben. Nicht alle wurden gegen eine Spende an Besucher abgegeben , sondern auch unentgeltlich an Helfer verteilt, die im Kirchendorf die Stände betreut haben. Auch das Sicherheitspersonal des Ministerpräsidenten und anwesenden Polizisten haben sich über Kuchen- und Kaffeespenden gefreut. 
Insgesamt sind fast 200 Kuchen aus den verschiedenen Gemeinden zusammen gekommen. Auch einige Bäckereien aus dem Umkreis von Apolda haben sich mit einer Kuchenspende beteiligt. 
Trotz der überwältigenden Zahl an Kuchen waren wir am Sonntagnachmittag nahezu „aufgegessen“. 
Lediglich 10 1/2 Rührkuchen waren übrig geblieben. Diese haben wir an das Carolinenheim gegeben, damit auch die dortigen Bewohner noch vom Thüringen Tag profitieren können.
 Durch ihre Hilfedienste beziehungsweise das Backen der ganzen Kuchen haben Sie erheblich zu diesem Erfolg beigetragen.
Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen allen bedanken. Bitte geben Sie meinen Dank auch an die anderen fleißigen Helfer aus den Gemeinden weiter, die uns tatkräftig mit Kuchen versorgt haben.
 Viele liebe Grüße, Britta Rehder-Geßner
Höhepunkt war der Umzug am Sonntag. Neben den Bläsern, der Kirchengemeinde Apolda, der Evangelischen Grundschule und dem Diakoniewerk Apolda war auch die Kirchgemeinde Oberndorf vertreten. Wolfgang Winter hat einen Wagen mit dem Model der Oberndorfer Kirche und einer Nachbildung der 500-jährigen Oberndorfer Glocke „Anna hilf!“ geschmückt. Über dem Ensemble schwebt der Engel. Dieser wagen word auch am 17 Juni 2017 in Oberndorf zu bewundern sein, wenn wir ab 14:00 das 500-jährige Glockenjubiläum feiern werden.
Das Video beginnt dort, wo unsere wagen ins Bild kommen.

Mitmenschlich in Thüringen – Brief der Bischöfin an die Gemeinden

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Liebe Schwestern und Brüder in den Kirchengemeinden!

Die Situation in unserem Land hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Seit meinem letzten Brief an Sie im September scheint die Spaltung in unserer Gesellschaft noch größer geworden zu sein: Viele Menschen, auch in unseren Kirchengemeinden, engagieren sich für hier ankommende Flüchtlinge, leisten unkompliziert und bis an die Grenzen der eigenen Kraft Hilfe, leben eine großherzige Willkommenskultur. Mit großer Dankbarkeit lässt mich all das denken an die Worte Jesu im Evangelium des Reformationstages: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Zugleich wird auf unseren Straßen offen Hass und Gewaltbereitschaft demonstriert: Menschen gegenüber, die in unserem Land Schutz suchen, aber auch gegenüber denen, die sich für Hilfe- und Schutzsuchende einsetzen. Das ist bedrückend und alarmierend. Ich frage mich: Welche grundlegenden Werte für ein Zusammenleben in einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft sind jetzt besonders wichtig – unabhängig von politischen oder religiösen Überzeugungen, verbindlich und tragend für alle?
In diesen Tagen hat sich im Freistaat Thüringen ein breites Bündnis zusammengefunden, das einen grundlegenden Wert in den Mittelpunkt stellt: Mitmenschlichkeit. Unter der Überschrift „Mitmenschlich in Thüringen“ tritt dieses breite Bündnis aus allen Teilen der Gesellschaft ein für ein Thüringen der Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Die Erklärung dieses Bündnisses, die ich als Erstunterzeichnerin ausdrücklich unterstütze, füge ich diesem Brief bei. Die Regionalbischöfin und die Regionalbischöfe im Thüringer Bereich sowie zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter unserer Kirche unterstützen ebenfalls als Erstunterzeichner diese Erklärung und das Bündnis.
Für den 9. November ruft das Bündnis um 18 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Erfurter Domplatz auf. Ich bitte Sie herzlich, diese Erklärung und den Aufruf zur Kundgebung in Ihren Gemeinden bekannt zu machen und zu unterstützen. Bitte nehmen Sie an der Kundgebung am 9. November teil. Thüringen braucht ein starkes öffentliches Zeichen für Demokratie und Mitmenschlichkeit. Ich bitte Sie herzlich, dazu beizutragen, gerade an diesem Tag, an dem vor 77 Jahren Hass und Gewalt über Mitmenschlichkeit triumphiert haben! Gerade an diesem Tag, an dem vor 26 Jahren der friedliche Einsatz für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit zur Überwindung trennender Mauern und einem neuen Miteinander geführt hat! Treten wir heute als Kirche, als Kirchengemeinden und als einzelne Christinnen und Christen gemeinsam mit anderen für Mitmenschlichkeit, Vielfalt und Demokratie ein – im Namen der Barmherzigkeit, die Jesus verkündigt und gelebt hat!

Mit herzlichen geschwisterlichen Grüßen bin ich Ihre

Ilse Junkermann

Landesbischöfin
der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Erklärung Mitmenschlich in Thüringen
Mitmenschlich in Thüringen: Brief an die Gemeinden 9. Nov.15

EKM – Pressemeldung: Mitmenschlich in Thüringen

Ohne Identität?

This entry is part 72 of 94 in the series geistliches Wort

Ohne Identitästnachweis nach Deutschland einreisen – „Schon wieder Flüchtlinge!“, werden Sie, liebe Leserinnen & Leser jetzt vielleicht stöhnen. Aber Halt! Es geht um keine Flüchtlinge! Es geht um mich & natürlich auch um Sie!
Die Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern können, mit welchem Unbehagen man vor den wenigen passierbaren Grenzen der DDR gewartet hat: Zig mal überprüft, ob man alles dabei hat, dennoch die Angst, irgendetwas könnte passieren. Vielleicht weil man komisch guckt, oder der Zöllner gerade Ärger mit seinen Kindern hatte, es regnete oder gar die Sonne schien. Kennen Sie das Gefühl noch?
Können Sie sich vorstellen, wie es mir ging: Vor zwei Wochen habe ich in Italien plötzlich festgestellt, dass ich keine Papiere dabei hatte. Und ich wußte, dass in Bayern bei der Einreise kontrolliert werden würde. Ohne Identitätsnachweis an der Grenze! Wer bin ich? Bin ich in den Augen der Behörde überhaupt da?
Wieviel entspannter ist es da doch Gott gegenüber! Da brauchen wir keinen Ausweis, kein Zeugnis, da reicht es Mensch zu sein, es gilt Gottes Zusage: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein!“ Vor Gott können wir unsere Identität nicht verlieren & wir brauchen sie nicht zu beweisen.
„Und an der Grenze, was war da?“, werden Sie vielleicht fragen. Zunächst langes Warten im Stau. Ein mulmiges Gefühl, aber keine Angst. Vermischt mit Dankbarkeit, in einem Land leben zu dürfen, in dem Menschlichkeit ein Ideal ist und die Würde des Menschen vor allen Gesetzen kommt. „Irgendwie wird es schon gehen!“, versuche ich mich zu beruhigen. Dann schließlich der Grenzbeamte, frierend auf der halbseitig gesperrten Autobahn. Er schaut ins Auto, blickt mich an und winkt uns durch. Wer ihn wohl bewogen hat, so zu handeln?
Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Klage der EKM in Sachen Kommunale Kirchbaulasten

This entry is part 5 of 25 in the series Pressemeldungen

Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)

Klage der EKM in Sachen Kommunale Kirchbaulasten vorerst gescheitert
Kirchen wollen Klärung vor dem Bundesverfassungsgericht

Die Klage der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gegen die Gemeinde Hochheim (Landkreis Gotha) in Sachen Kommunale Kirchbaulasten ist heute vor dem Verwaltungsgericht Weimar gescheitert. Das Gericht gab in der heutigen mündlichen Verhandlung eindeutig zu erkennen, sich in dem zeitnah ergehenden Urteil der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig vom Dezember 2008 anzuschließen. Danach seien vertragliche Baulastansprüche von Kirchengemeinden gegen Kommunen im Beitrittsgebiet mit der deutschen Einheit „untergegangen“. Damals ging es um einen Fall der Kommune Häselrieth (Hildburghausen). Die EKM wird nun nach Zugang des Urteils Berufung beim Oberverwaltungsgericht in Weimar einlegen. „Die abschlägige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar kommt nicht überraschend und ist für uns auch keine Enttäuschung“, sagt Oberkirchenrat Stefan Große, Finanzdezernent der EKM. „Wir streben eine Klärung vor dem Bundesverfassungsgericht an. Dafür müssen wir aber den Weg durch die Instanzen bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen.“

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