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7. Tagung der II. Landessynode

This entry is part 6 of 6 in the series Landeskirche
Die 7. Tagung der II. Landessynode der EKM tagte vom 12. -14. April 2018 in Kloster Drübeck.

Umfangreichster Punkt auf der Tagesordnung der Landessynode war unter dem Thema: „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“ eine breite Diskussion und Standortbestimmung der Gemeinden in der EKM (TOP 4). Alle Synodenunterlagen finden Sie auf der Synodenseite der EKM.

TOP 2: Bericht der Landesbischöfin Junkermann

Traditionell ist der erste große Tagesordnungspunkt auf einer Landessynode der Bericht der Landesbischöfin. Sie betont darin die besondere Bedeutung von gemeinsamen Mahlfeiern für die Gemeinschaft. Ausdrücklich möchte sie das nicht auf liturgische Abendmahlsfeiern beschränken:

„Uns sind große Schätze anvertraut, lasst sie uns nicht vergraben, lasst uns mit ihnen wuchern! Ob es uns gelingt, den bestehenden Fokus allein auf die Erinnerung an Jesu letztes Mahl wieder zu erweitern um die vielerlei Mahlzeiten Jesu in Gemeinschaft mit vielen Verschiedenen und die nachösterlichen Mahlfeiern?… Grethlein plädiert dafür: „Das Mahlfeiern soll … als eine besondere Form der Kommunikation des Evangeliums verstanden werden … und für die drei grundlegenden Modi der Kommunikation (…) öffnen, die bereits das Wirken Jesu bestimmten: gemeinschaftliches Feiern, Lehren und Lernen sowie gegenseitiges Helfen zum Leben.“ Dabei soll es für alle (wirklich alle!) zugänglich sein.
Wie kann das aussehen in unserem Alltag in Gemeinde und Kirche? Und wird es wirklich kirchen- und gemeindegründend wirken?
Von den großen Mahlfeiern draußen haben wir nun viel gehört. Sie sind besondere Höhepunkte im Jahr. Ob sie auch Anregungen geben für die kleineren Mahlfeiern unter dem Jahr und auch innerhalb unserer Mauern. Den geschützten Raum braucht Gemeinschaft ja weiterhin, bei aller Wertschätzung des Umsonst und Draußen? Und wie sieht das in kleinen Gemeinden aus?“

In ihrer Antwort auf die Rückmeldungen zum Bericht weist Ilse Junkermann darauf hin, dass auch Jesus schon vorgeworfen wurde, er sitze bei den Säufern und Fressern (anstelle sich zu den Frommen zurückzuziehen).

TOP 3: Änderung der Verfassung der EKM
7. Tagung der II. Landessynode
geheime Abstimmung zur Veränderung der Verfassung der EKM

Die Überarbeitung der Verfassung in der Landessynode wäre eigentlich kein so wichtiger Punkt, aber mit der angestrebten Änderung in die geschlechtergerechte Sprache ist dieses Thema mit großen Emotionen belegt. Durch eine Eingabe Prof. Germanns, der an der ursprünglichen Verfassung maßgeblich mitgearbeitet hatte, fühlten sich etliche Synodale angesprochen und lehnen eine gegenderte Sprache der Verfassung ab. Ein Diskussionsbeitrag versuchte sich auf satirische Weise mit dieser Eingabe auseinanderzusetzen. Diese Ausführungen hat, so schätze ich das ein, die Unsicheren eher auf die Seite Prof. Germans gebracht haben, als gegen ihn. Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“! Daneben gab es auch sachliche und bedenkenswerte Beiträge für die geschlechtergerechte Sprache in der Verfassung und dagegen. Neben einigen Argumenten, die sich hauptsächlich auf die Lesbarkeit bezogen, waren die meisten Bedenken bei einer theologischen Frage: „Christen“ waren schon immer Frauen und Männer (ähnlich wie Menschen), sie bilden eine Einheit. Durch die Formulierung in Christinnen und Christen wird diese Einheit in zwei Gruppen aufgespalten.
Die Vorlage wurde in die Ausschüsse verwiesen.

Am Samstag wurde das Thema nachdem  die überarbeitete Verfassung in den Ausschüssen beraten worden ist, erneut aufgerufen:

Es gab einigen inhaltlichen Präzisierungen wie der Stärkung der gewählten Synodalen im Landeskirchenrat (sie haben dort jetzt kein Vetorecht mehr, sondern ihre mehrheitliche Zustimmung ist Vorrausetzung. Das bedeutet, das nun mögliche Enthaltungen als „Nein“ gezählt werden, bei der bisherigen Variante waren Enthaltungen „Ja“ Stimmen, weil sie an der erforderlichen Mehrheit für das Veto nicht unterstützen.

Im Plenum wurde die Verfassung dann nur inhaltlich diskutiert, die Frage der gegenderten Version wurde nicht noch einmal erörtert. Ein Antrag auf zwei Abstimmungen, einen zum Text und eine weitere zur geschlechtergerechten Sprache wurde als nicht praktikabel abgelehnt. Auch konnte sich der Vorschlag, „Reformatoren“ durch „Männer und Frauen der Reformation“ nicht durchsetzen. Dies hatte wohl vor allem damit zu tun, dass ein Unterschied zwischen Menschen, die der Reformation angehört haben wie Lieschen Müller & ihr Mann, und den Verfasseren reformatorischer Schriften gemacht werden soll.

Ergebnis: 70 gültige Stimmen

Ja: 46
Nein: 22
Enthaltung: 2

Damit ist die 2/3 Mehrheit um eine Stimme nicht erreicht und die geänderte Verfassung tritt nicht in Kraft. Die oben gemachten Änderungen sind damit auch nicht im Text enthalten.

TOP 7 Umsatzsteuergesetz

Für die Kirchengemeinden, die bisher ihre Kirchrechnung noch selber geführt haben, ist ein Anschlußzwang vorgesehen, sobald ihr Jahresumsatz die Kleinunternehmergrenze  übersteigt. Diese mehrheitlich getroffene Gesetzesänderung ist sinnvoll, weil die Kompetenz für eine gesetzeskonforme Steuerabrechnung bei den ehrenamtlichen oder professionellen Steuerberatern, die nicht im kirchlichen Bereich spezialisiert sind, nach auffassung der Synode nicht im nötigen Maße gegeben ist.

TOP 5: Verlängerung der Amtszeit von Probst Hackbeil

Die Synode hat die Amtszeit von Probst Hackbeil bis zu seinem Ruhestand mit sehr großer Mehrheit beschlossen.

TOP 4: Gemeindekirche

7. Tagung der II. LandessynodeHauptthema der Tagung der Landessynode ist „Evangelisch – ein Kreuz für die Welt“. Dem ist heute fast der ganze Tage gewidmet. Der Diskussion zu grunde liegen die Thesen von Prof. Domsgen. Sie wurden  durch jeweils ein ehrenamtliches und ein hauptamtliches Mitglieder der Synode interpretiert. Es ist erstaunlich, wie klar Probleme und mögliche Lösungen in der Theorie gesehen werden und wie wenig davon in der Vergangenheit in der Praxis umgesetzt worden ist.

Zunächst wurde in mehreren Runden in verschiedenen Arbeitsgruppen dazu gearbeitet und diskutiert. Am Samstag wurden die Ergebnisse der gestrigen Arbeitsgruppen zum Gemeinde- & Kirchenbild vorgestellt. Die Arbeitsgruppen waren für die Teilnehmer sicherlich in jedem Fall anregend und wichtig. Es wird in unseren Gremien viel zu selten darüber diskutiert, was & warum & wie Kirche oder Gemeinde sein soll. Wenn aber jemand die Erwartung hatte, dass die Synode mit übertragbaren Handlungsanweisungen für die einzelnen Kirchengemeinden abschließt, so wird er zwangsläufig enttäuscht sein.

Hier finden Sie die grafisch aufgearbeiteten Arbeits- & Ergebnispapiere der Gemeindesynode.

Prof. Domsgen
These 1
These 2
These 3
These 4
These 5
These 6

 Mit einer Abendmahlsfeier endete die Landessynode am Samstag Mittag.

 

Sinn machen oder Sinn haben?

This entry is part 55 of 93 in the series geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist in Buttstädt die konstituierende Sitzung der neuen Kreissynode, das leitende Gremium unseres Kirchenkreises. Es läßt sich absehen, dass dies eine anstrengende und lange Sitzung werden wird: alle Gremien und Ausschüsse müssen besetzt werden. Der/die neue Präses (=Vorsitzende) muss gewählt werden. Wer wird zukünftig über Gelder entscheiden? Wer wird unseren Kirchenkreis in der Landessynode vertreten? …
„Mein Gott, ist das langweilig!“, werden Sie jetzt vielleicht denken, „Damit verplempern die ihre Lebenszeit! Das macht doch alles keinen Sinn.“
Richtig! Es macht keinen Sinn, sondern es hat Sinn! Dieser Anglizismus, der sich in unserer Sprache breit macht, verrät viel über das Denken des Sprechers aus: können Handlungen, oder Dinge in sich selber Sinn stiften? Kann ich irgendetwas tun, das zunächst keinen Sinn hat, das also „sinnlos“ ist und es bekommt dadurch Sinn? Oder gibt es etwas Höheres, Ziel- & Sinnstiftendes? Für Münchhausen macht es Sinn, sich selber an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, aber es hat keinen Sinn, es ist sinnlos; da kann der Baron ziehen soviel er will!
Ebenso macht es keinen Sinn, auf Tagungen herumzulungern und seine Zeit abzusitzen. Aber es hat Sinn, sich für seine Kirche einzusetzen, einen Teil seine Lebenszeit für das Gemeinwohl zu nutzen. Das ist keine vergeudete Zeit!
Noch eine Frage zu Schluß: womit, liebe Leserinnen und Leser, womit verplempern Sie eigentlich Ihre Lebenszeit?

Ihr Th.-M. Robscheit

März 2014

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!

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Liebe Leserinnen und Leser, keine Angst, ich will mich nicht zum Wahlkampf äußern -obwohl zumindest soviel: bei einigen Werbespots im Fernsehen und manchen Parolen auf den Plakaten frage ich mich ernsthaft, ob die Betreffenden schonmal einen Taschenrechner zur Hand genommen haben. Mit einem „Managergehalt“ von einer Million, kann man zwar 50 Menschen versorgen; aber auch nicht mehr – also: Gehirn einschalten vor dem Ankreuzen!

Aber eigentlich wollte ich ja gar nicht zum Wahlkampf schreiben, sondern zu unserem tagtäglichen Umgang mit den zehn Geboten. Gestern war bei uns im Kirchspiel Konfirmandenprüfung und die Gebote und ihre Bedeutung für uns heute gehörte natürlich mit zum Prüfungsinhalt. „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ – was ist damit gemeint? Jedenfalls nicht in erster Linie, den Geschirrspüler ohne Murren auszuräumen, sondern mit den altgewordenen Eltern ehrfürchtig umgehen und sich darüber auch wirklich Gedanken zu machen, manchmal ist ein Pflegeheim eben besser und oft genug die persönliche Pflege zu Hause mit all den Opfern und Einschränkungen, die damit verbunden sind. Die Konfirmanden wußten das gestern, hoffentlich beherzigen sie es auch in zwanzig oder dreißig Jahren!
Ein anderes Gebot: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!“ ganz sicher ist damit mehr gemeint als nicht zu lügen. Es geht um das Wohl und den guten Ruf meiner Mitmenschen! So kann die Wahrheit genauso schlimm sein wie die Verleumdung oder das berühmte Gerücht, das Menschen im Nu abstempelt, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen können. Mich bewegt ein anderes Problem, mit dem ich in den letzten Tagen mehrfach zu tun hatte: Jemand ist krank, alles ist ungewiß. Die Leute erkundigen sich, wie es denn geht. Eigentlich gehört sich das auch so. Wieder andere, haben was gehört und wollen mehr wissen, auch aus Anteilnahme, man erzählt weiter, ganz unmerklich verändert sich die Geschichte, keiner will was Böses und doch entsteht ein Gerücht.
Aus Sicht des Kranken, wird das ganz schnell zu einer unglaublichen Belastung, man weiß, dass Gerüchte entstehen, was genau getuschelt wird, erfährt man aber meistens nicht. „Man kommt sich vor wie in der Zirkusmanege!“, klagte mir jemand sein Leid. „Alle gaffen Dich an!“
Ein besonders grasses Beispiel: das Kind von Familie XY hat einen unklaren Befund, möglicherweise eine tödliche Krankheit. Tage später wird der Mutter mit echter Anteilnahme angesprochen, wie schlimm das sein, dass ihr Kind nur noch drei Monate zu leben hat. Ein Gerücht; inzwischen ist klar, dass es dem Jungen gut geht. Aber was das bewirkt, können Sie sich vorstellen!

Es fordert eine ganze Menge Einfühlungsvermögen, guten Willen und Mitmenschlichkeit, dem achten Gebot gerecht zu werden. Wo ist die Grenze zwischen harmlosen Dorftratsch und Mobbing, wo zwischen Anteilnahme und Voyeurismus?
Solche Fragen MUSS jeder für sein Leben selber beantworten, ohne diese Mühe wird er zweifelsfrei zum bösartigen Traschmaul! Doch wo und wie soll man sich selber den Spiegel vorhalten? Bei all der Alltagshektik?
„Du sollst den Feiertag heiligen!“ – das dritte Gebot, aber was heißt das? Zu allererst: Abstand von eben jenem Alltagsstreß zu finden, in sich zu gehen und das eigene Verhalten, z.B. im Bezug auf unsere Rede von und mit anderen Menschen nach zu denken: „Rede ich so, dass es meinem Nachbar nützt, ihn in gutes Licht stellt, oder schade ich ihm durch Rede oder Schweigen?“. Viele Generationen hatten die Erfahrung gemacht, dass ihnen das besonders gut gelingt, wenn sie auf Gottes Wort hören und es sich für ihr Leben auslegen lassen: Am Sonntag zum Gottesdienst.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit aus Kapellendorf

Mai 2009