Schlagwort-Archive: Zeit

Durch die Zeit treiben

This entry is part 93 of 93 in the series geistliches Wort

durch die Zeit treiben

Oft, liebe Leserinnen und Leser, oft haben wir gar kein richtiges Zeitgefühl. Zwar können wir abschätzen, ob es etwa zehn ist, oder nachmittags um fünf. Doch fällt es uns schwer, das Verrinnen der Zeit dazwischen zu fassen. Manchmal rennt sie nur so dahin, manchmal schleicht sie quälend langsam. Und wie oft fragen wir uns nach einer Woche, einem Monat oder Jahr, wo denn die ganze Zeit geblieben ist. Sie rinnt durch die Finger, nichts bleibt.

Und manchmal erleben wir die beglückenden Momente, in denen Zeit gar keine Rolle spielt. Wir sitzen am Strand, blicken auf Wellen. Unaufhörlich rollen sie heran, bäumen sich leicht auf, vergehen. Steine poltern leise grollend in den Wogen hin und her, der Wind weht. Zeit steht still. Und doch sehen wir Bewegung: Felsen am Ufer sind von Wind und Wetter zu skurrilen Denkmalen geschliffen. Welcher unvorstellbar langen Zeiträume hat es bedurft, Sediment am Meeresboden abzulagern, zu verfestigen, dann anzuheben und schließlich wieder zu zerbröseln! Der Zahn der Zeit hat sichtbar genagt, doch wir sind frei. Unsere Seele treibt leicht durch die Zeiten, Millionen Jahre mit jeder kleinen Welle. So unendlich viel.

Ganz objektiv, liebe Leserinnen und Leser, vergeht auch in solchen Momenten unsere Lebenszeit, aber wir verlieren nichts! In solchen Momenten spüren wir etwas von der Ewigkeit, die Gott uns Menschen in Herz gelegt hat und wir bewahren sie vielleicht bis zum Ende unserer Tage.

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erschienen als geistliches Wort „Durch die Zeit treiben“ am 22. 09.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen.

Alles hat seine Zeit

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Alles hat seine Zeit

Vermutlich werden sie, liebe Leserinnen und Leser, auch zu den Menschen gehören, die sich über diese regnerischen Tage freuen. „Das war ja kein Zustand, diese Trockenheit!“ Bei allen Gemeindebesuchen in den letzten Wochen war das das Thema gewesen. Und nun: „Endlich etwas Regen!“ – obwohl, wird mancher vielleicht sagen: „Es hätte ja nicht gerade am Wochenende sein müssen! Wir wollte eigentlich grillen…“ – Sie kennen das. Irgendetwas könnte immer noch besser oder anders sein: beim Wetter, bei den Kindern, Eltern, Arbeit, Hobby. So sind wir Menschen. Meistens ist uns das gar nicht bewusst, wie schnell wir ins meckern und Nölen verfallen. Das war auch schon immer so.

Das Volk Israel war in Ägypten versklavt. Nichts war erstrebenswerter als die Freiheit. Endlich nicht mehr der Willkür der Ägypter ausgesetzt sein, einer Willkür, die nicht nur im Arbeitsalltag schwer zu ertragen war, sondern bis in die Familienplanung hineinreichte und das Töten von männlichen Babies forderte. Endlich frei sein!

Dann war das geschehen und nach kurzer Zeit ging das Jammern wieder los: In Ägypten hatten wir wenigstens regelmäßig genug zu Essen.. Später dann das versprochene Land, doch auch da war nicht alles Gold, was glänzte. So ist das auf dieser Erde und in unserem Leben: Es ist immer mit Mühe und Vergänglichkeit verbunden. Alles hat seine Zeit und die vergeht auch wieder. Schon im Alten Testament hat sich Kohelet darüber Gedanken gemacht und fasst alles zusammen: Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Also sehen Sie gelassen auf das regnerische Wetter, prägen Sie sich die Kühle gut ein, denn es kommen auch wieder andere Tage, an denen Sie den Nieselregen herbeisehnen.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

Alles hat seine Zeit:
Erschienen zu 23. 06.  2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Gute alte Zeit

This entry is part 3 of 93 in the series geistliches Wort
Gute alte Zeit

Liebe Leserinnen und Leser!
Erinnern Sie sich gerne? Die gute alte Zeit? Oder lassen Sie die Vergangenheit lieber vergangen sein und schauen nach vorn? Beides gibt es; beides ist wichtig! Wer immerzu nach hinten blickt, auf die vermeintlich gute alte Zeit, der verpasst die Chancen der Gegenwart. Denn der Blick ist dann eingeengt. Vieles, was früher gut funktioniert hat, klappt heute nicht mehr, weil sich viele andere Umstände geändert haben. In meiner Kindheit war es durchaus richtig, 20 Flaschen Ketchup zu kaufen, wenn es welches gab, heute macht das wohl niemand mehr. Es gab Zeiten, das war es sinnvoll, Geld in Lexika zu investieren…

Doch wer meint, die Vergangenheit spiele gar keine Rolle, der ist orientierungslos. Wir brauchen unsere Erfahrungen, unsere Wurzel um in die Zukunft hinein zu leben und die Gegenwart zu meistern. Deswegen ist es gut, ab und an innezuhalten und sich auch zu erinnern. So wie die Jugendlichen von einst, die heute ihre Goldene und Diamantene Konfirmation feiern. Da werden viele Erinnerungen wach, da wird über Lehrer und Mitschüler geplaudert, der eigene Lebensweg wir überdacht: was ist in diesen Jahren geschehen, welche finsteren Täler musste ich durchleben und über welche sonnigen Wiesen durfte ich gehen? Manch einer wird bei diesem Rückblick auch die Gewissheit haben, dass Gott ihn behütet hat, Tage, Wochen, Jahre und Jahrzehnte! Es ist gut, ab und zu an die gute alte Zeit zu denken.
Und, liebe Leserinnen und Leser, vergessen Sie nicht: die gute alte Zeit von morgen ist heute!

Ihr Th.-M. Robscheit

Erschienen am 28.04.2018  in der Apoldaer Ausgabe der Thüringer Allgemeinen

Verabschiedung von Conrad Neubert

2017-02-19 Conrad Neubert

Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner
Verabschiedung Conrad Neubert; (c) B. Rehder-Geßner

 

In einem sehr emotionalen Gottesdienst fand am letzten Sonntag, 19. 02. 2017, die Verabschiedung von Conrad Neubert, unserem Vikar statt. In den letzten 2 1/2 Jahren hat er das Vikariat in den Kirchengemeinde Apolda & Kapellendorf bei Pfr. Robscheit erfolgreich absolviert. Zu dem Gottesdienst in der Martinskirche in Apolda waren deswegen auch viele Besucher aus den Dörfern, in denen Herr Neubert gelernt & gewirkt hat, gekommen.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema „Liebe“ wegen der Nähe zum Valentinstag durch den Gottesdienst. In seiner Abschiedspredigt gelang Conrad Neubert auf eindrückliche Weise das besondere (Liebes-) Verhältnis Gottes zu uns Menschen zu beschreiben: „Mit dem Alten Testament haben die Menschen Gott einen Brief geschrieben: Liebst Du mich? Ja / Nein / Vielleicht.
Und Gott hat darauf geantwortet! Mit einem dicken, fetten Kreuz bei : JA!“
Neubert zeigt dabei nach oben an die Wand zum Kruzifix!
In Texten und Gebeten wurde die Liebe immerwieder thematisiert. Musikalisch festlich ausgeschmückt wurde der Gottesdienst durch Dr. Schwarz an der Trompete und Kreiskantor Nych an der Orgel.

Nachdem für den (ehemaligen) Vikar gebetet worden war, bedankten sich Pfr. Robscheit, Kirchenälteste und Gemeindeglieder bei Conrad Neubert für die gemeinsame Zeit.

Symbolisch schloß Pfr. Robscheit seine „Akte Vikariat“: „Eigentlich hatte ich vor, Ihnen die Akte mitzugeben, aber das mache ich nun doch nicht.“, so Robscheit. „Ich binde sie mit diesem Faden zu & wenn ich mal sentimental werde, krame ich sie wieder hervor und lese aus der guten alten Zeit!“ Mit Blick auf die Handakte fuhr er fort: „Wenn man sich die Länge der Eintragungen ansieht, merkt man, dass es allmählich immer weniger geworden ist. Ein gutes Zeichen! Pfarrer kann man nicht lernen, das hat man in sich. Ungeschliffen und verborgen vielleicht. Wie ein Rohdiamant. Ein Talent, das man entwickeln muss. Und nun, nach zwei Jahren ist dieser Diamant gewiss noch nicht als Brilliant geschliffen -das ist vielleicht soweit, wenn Sie mal in den Ruhestand gehen, ich bin für lebenslanges Lernen!-, aber an den Protokollen unserer Besprechungen kann man sehr deutlich sehen, wie immermehr Schliff & Glanz entstanden ist.“

Die Kirchenältesten bedankten sich mit einer Fotomontage der Kirchen des Kirchspiels Kapellendorf; Frau Unger, Vorsitzende des GKR Apolda hatte ein „Notfall – Pfarrhaus – Startpaket“ mit allem möglichen, was man in einer neuen Pfarrstelle gebrauchen könnte zusammengestellt. Claudia Robscheit hatte eine Kerze mit allen zehn Kirchen gestaltet und die JG bedankte sich nicht nur mit einem Geschenk für die zwei Jahre gemeinsamen Weges, sondern wünschte mit einem besonders vorgetragenen Text Gottes Segen für den weiteren Weg.

Obwohl etwas über zwei Jahre keine so lange Zeit sind, gab es doch jedem Menge zu erzählen. Der endgültige Abschluß des Vikariates steht übrigens noch bevor: die Ordination!

Conrad Neubert wird am 23. April 2017; 10:00 in der Georgenkirche in Eisenach ordiniert werden. Unsere Gemeinden organisieren eine Busfahrt dorthin. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte im Büro bei Frau Schubert.

Hier der Bericht vom Prüfungsgottesdienst im letzten Herbst

Übrigens: Wenn Sie alle Artikel, in denen Conrad Neubert vorkommt, lesen möchten, geben Sie den Namen einfach oben rechts ins Suchfenster ein. Sie erhalten dann eine Übersicht.

Zeit für einen Freund?

This entry is part 83 of 93 in the series geistliches Wort
Zeit für einen Freund?

Was machen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihr Alltag durch eine schlechte Nachricht plötzlich in Frage gestellt wird? Wie setzen Sie Prioritäten, wenn Sie erfahren, dass ein Freund schwer krank ist?

Gehört es sich da nicht, alles andere hinten an zu stellen und einen Besuch zu machen? Doch was sagt man da? Wie verhält man sich, wenn einem das Elend des anderen ins Gesicht springt? Ich habe gestern so eine schlechte Nachricht erhalten: M. Ist schwer krank. Noch habe ich nicht angerufen und bin auch noch nicht auf dem Weg zu ihm. Was ist jetzt richtig? Wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich seit Montag etwa 31 Stunden Sitzungen, Besprechungen und Verhandlungen hinter mir haben, 6 Stunden Gemeindebesuche, eine Trauerfeier und eine Hochzeit, ich werde diese und die Gottesdienste für Sonntag und Montag vorbereitet haben. Insgesamt etwa 60 Stunden „gute“ Gründe, sich um den schweren Gang zu drücken. Und jetzt am Wochenende? Jeden Tag mehrere Gottesdienste, keine Zeit, leider. Da kann ich nicht in den Thüringer Wald fahren um M. zu besuchen.

Merken Sie etwas, liebe Leserinnen und Leser? Es ist ganz einfach, sich um schwere Besuche herumzudrücken, einem Menschen nahe zu sein, dem das Leben übel mitspielt. Doch gerade da erweist sich Freundschaft, Liebe, Mitmenschlichkeit. Gerade da werden wir gebraucht, vielleicht  auch unser Glaube & unsere Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und greife jetzt mit einem mulmigen Gefühl zum Telefon.

Ihr Th.-M. Robscheit

 

Erschienen am 30. 11. 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Apolda

HAMSTERRAD-NEIN DANKE

This entry is part 6 of 93 in the series geistliches Wort

HAMSTERRAD-NEIN DANKE

Ein Hamsterrad sieht von innen auch aus wie eine Karriereleiter.“ Kennen Sie diesen Spruch? Ich habe ihn das erste Mal im Urlaub auf einer Internetseite gelesen und dachte bei mir: „Betrifft mich nicht und im Urlaub schon mal gar nicht“. Nun ist der Urlaub vorbei, die Kinder sind wieder in der Schule und ich merke, wie mein Rad sich wieder zu drehen beginnt. Die Termine häufen sich, die Aufgaben vervielfältigen sich und das Handy ist wieder mehr in der Hand als in der Jacke. Scheinbar betrifft mich dieser Spruch doch, obwohl ich gar keine Karriereleiter weiter besteigen möchte. Aber wenn ich aus der Karriere eine Alltagsleiter mache, dann stecke ich wohl mittendrin im Hamsterrad des Lebens. Kommt Ihnen das bekannt vor? Im Urlaub schwärmt man noch von der südländischen Gelassenheit und nimmt sich fest vor, diese beizubehalten. Man genießt die Ruhe in den Bergen oder am Meer und spürt wie sehr Körper und Seele diese Momente der Besinnung brauchen. Doch kaum ist der Alltag zurück, überfallen uns all die Verpflichtungen, Aufgaben und Alltagsarbeiten wieder. Eh man sich versieht, hat das Alltagshamsterrad einen fest im Griff. Der Wochenspruch für die kommende Woche lautet: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42, 3) Gott möchte nicht, dass unser Rad sich so schnell dreht, dass wir Schaden nehmen. Gönnen Sie sich doch ab und zu mal einfach eine Pause. In einer geöffneten Kirche zur Ruhe kommen, ein gutes Buch lesen (Ja, die Bibel ist zu empfehlen. Sie werden staunen wie viele gute Lebensweisheiten darin zu finden sind.) oder bei einem Spaziergang die Natur genießen. Halten Sie inne und sagen sich: HAMESTERRAD-NEIN DANKE. Gutes Gelingen wünscht

Ihr Torsten Christ (Lektor)

Der Beitrag erschien am 13. August 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Anmerkung: Torsten Christ ist ehrenamtlicher Lektor in unserem Kirchspiel

Ein Nachmittag im Paradies

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Ein Nachmittag im Paradies

„Ist das nicht paradiesisch?“, wann haben Sie sich diese rhetorische Frage zum letzten Mal gestellt? Oft verbinden wir schöne Strände oder ruhige Sommertäler mit diesem Gedanken. Doch als mufflige Deutsche ist das „Aber“ gleich in unserem Kopf präsent: „Alles nur Schein, nur für Touries; die Ausbeutung der Einheimischen, das Ökosystem…“ Die Welt ist kein Paradies haben wir im Laufe unseres Lebens lernen müssen und jetzt misstrauen wir allem was paradiesisch zu sein scheint. Aber wie eine schwache Erinnerung, ein Nachhall aus einer längst vergessenen Zeit, gibt es in uns dennoch diese Sehnsucht: Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt. Wir können sie nicht ergründen. Oft ein vages Gefühl nur. Doch dieses Sehnen kann uns Antrieb und Motivation sein, Visionen zu haben und diese Welt mit ihren Sorgen und Problemen zu einem besseren Ort für andere und für uns selber zu verändern.

Aber woher kommt die Kraft, immer wieder neu aufzubrechen? Woher der lange Atem gegen die Trägheit? Woher der Mut?

Aus dem Paradies! Wir leben nicht darin, nein, aber ein Stück davon können wir immer wieder erfahren! Wir müssen das nur zulassen & Pause machen; den Alltagstrott durchbrechen, ganz gleich ob der aus Arbeit, Arbeitslosigkeit, Schüler- oder Rentnersein besteht. Anhalten. Den lauen Sommerabend genießen, den Gesang der Nachtigall, einen Film, ein Buch oder die fröhliche Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ein Nachmittag im Paradies gibt Mut für viele Tage Alltag.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit
Juni 2016

Der Beitrag erschien am 11. Juni 2016 in der Thüringer Allgemeinen, Ausgabe Weimarer Land

Zeit

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Der Flugzeugabsturz in den Alpen hat uns, liebe Leserinnen und Leser, in dieser Woche alle beschäftigt. Erst flüchtige Nachrichten; dann Gewissheit. Schließlich erste Meldungen zur Unfallursache und inzwischen Spekulationen über das „Warum?“

Das Leben so vieler Menschen ist jäh zu Ende, wieviele Pläne oder Träume sind damit vorbei! 150 Menschen sind gestorben, Sie aber leben. Ihnen ist noch Zeit geschenkt. Hat das eine Bedeutung? Für Sie? Für jemand anderen?

Wie gehen wir mit der Lebenszeit um? Mit unserer und mit der anderer Menschen: bereichern wir diese, oder vergeuden wir sie? Trauen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende eines Tages zurückzublicken und sich Rechenschaft über die vergangenen 12 Stunden zu geben? Plätschert Zeit einfach oberflächlich dahin oder gelingt es, dem Leben Tiefe zu geben?

Vor uns liegt die Karwoche, sie sollte die ruhigste Woche des Jahres sein. Eine Woche, die uns die die Beschränktheit & Endlichkeit unseres irdischen Lebens vor Augen hält: Leiden, Tod, Sinnlosigkeit. Eine Woche, an deren Ende aber auch ein großes Versprechen steht: letztlich ist nicht die Lebenszeit entscheidend, sondern wie wir uns bemüht haben, dieser uns gesetzten Spanne Tiefe zu geben. Denn dann gibt es auch in unserem endlichen Leben Unendlichkeit.

Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

März 2015

Advent

This entry is part 60 of 93 in the series geistliches Wort

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.

Kennen Sie diese Zeilen, liebe Leserinnen & Leser? Ein Adventsgedicht? Ja, richtig.
Advent, was ist das doch für eine schöne Zeit! So beschaulich, viel Kerzenschein, man sitzt ganz ruhig und genießt die ruhigen Nachmittage. Isst Stollen und liest ausgiebig, möglichst am warmen Ofen. Schön, einfach nur schön!
„Schön wär´s!“, werden wohl einige von Ihnen jetzt wehmütig denken. Was nicht alles gerade jetzt noch erledigt werden muss! Und da sind die privaten Vorbereitungen bei manchen noch der geringste Teil! Das Adventsgedicht oben, was bedient das doch für ein albernes Klischee: der friedliche, ruhige Advent. In Wirklichkeit wird doch nochmal richtig aufgedreht!
Kann man sich dagegen wehren? Wo doch von allen Seiten Erwartungen an einem zerren werden? Kann es uns gelingen, nicht nur getrieben zu sein? Es ist doch illusorisch, in den Wochen vor Weihnachten die ganze Zeit entspannt und besinnlich zu sein!
Die ganze Zeit schon, aber jeden Tag 30 Minuten? Wäre das auch unrealistisch? Ganz bewusst den Alltag durchbrechen? Sich Zeit zu nehmen für Schönes, Besinnliches, Nachdenkliches oder auch Provozierendes!
Ich werde es jedenfalls versuchen. Meine Frau bekommt einen Adventskalender, in dem jeden Tag ein Teil eines Krimis versteckt ist. Jeden Tag 30 Minuten gemeinsam Kaffeetrinken und diese Geschichte vorlesen. Kein Telefon, keine Termine! Ob ich das durchhalte? Am 24. abends bin ich schlauer!
Ach, und das Gedicht von der heilen Adventswelt? Geben Sie einfach die erste Zeile in eine Suchmaschine ein, lassen sich den Stollen schmecken und genießen wie großartig man mit Klischees aufräumen kann. – Schon haben Sie Ihren Alltagstrott für ein paar Minuten durchbrochen!
Ihr Pfr. Th.-M. Robscheit

November 2014

schon wieder?!

This entry is part 59 of 93 in the series geistliches Wort

„Schon wieder!“, werden die regelmäßigen Leser des geistlichen Wortes vielleicht denken, wenn sie meinen Namen unter dem Artikel lesen. „Schon wieder Robscheit!“, das kann gequält sein wie: „Schon wieder Montag & früh aufstehen!“
„Schon wieder!“, kann aber auch fröhlich, erwartungsvoll sein: „Schon wieder Wochenende, schon wieder Zeit, in der ich etwas unternehmen kann, was mir gut tut!“
Es ist „schon wieder Wochenende!“. Was werden Sie sich Gutes tun? In den Veranstaltungshinweisen dieser Zeitung finden Sie viele Anregungen. Vielleicht stoßen Sie auch auf unser Gemeindefest, denken dann womöglich sogar anstelle von „schon wieder“, „endlich wieder!“ und wir sehen uns am Sonntag im Carolinenheim. Mich würde es freuen!

Übrigens, geht es mir wie allen, die etwas in dieser Zeitung schreiben: Ihr „schon wieder!“ ist hoffentlich freudig und erwartungsvoll und nicht gelangweilt!

Ihr Th.-M. Robscheit

Juni 2014