Worte und Wörter

Worte und Wörter

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Worte und Wörter

Können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass ein Bibelwort eine Regierung zum Handeln bringt? Ich meine nicht vor zweitausend Jahren, sondern heute. „Nein, sicherlich nicht!“, werden Sie mir antworten. Das ist doch alles zu lange her und aus einer ganz anderen Zeit! So eine Macht haben Wörter nicht.“

Wörter sicherlich nicht. Da gebe ich Ihnen recht. Die Plätschern uns den ganzen Tag um die Ohren, man nimmt sie kaum wahr. Ebenso die reflexartigen Aufschreie, sobald jemand die weichgespülte politische Korrektheit verbal verlässt. Aber Worte, das ist doch etwas anderes! Worte haben doch Bestand, enthalten ewige Wahrheiten!

„Trotzdem“, werden Sie sagen, „die Worte der Bibel bewirken doch keine politischen Entscheidungen!“

Eigentlich bin ich im ersten Moment geneigt, Ihnen recht zu geben, denn wen interessiert schon noch die Bibel? Doch dann habe ich den Predigttext für Sonntag gelesen. Es ist eine der beiden Stellen, in denen „Schwerter zu Pflugscharen“ gedacht wird. Vor gut 35 Jahren hat diese 2500 Jahre alte pazifistische Idee sehr wohl eine Regierung zum Handeln und damit unzählige junge Menschen in Haft gebracht. Nur weil sie an der Jacke einen Aufnäher mit einer Bibelstelle nebst dem Bild eines sowjetischen Denkmals an die UNO trugen!

Und heute? Auch heute erleben wir hin und wieder, dass Politiker nicht ihr Fähnchen nach der öffentlichen Meinung in den Wind hängen, sondern christlich-abendländische Werte ernst nehmen und sich damit oft heftigster Kritik aussetzen. „Was Ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ – Jesus und die Werke der Barmherzigkeit und die ganz konkrete Antwort einer Politikerin: „Wir schaffen das!“, getragen damals von unzähligen Mitbürgern, die angepackt haben, die Hungernde gespeist, Nackte gekleidet & Fremde aufgenommen haben.

Wo Wörter oft nur Schall und Rauch sind, können Worte die Welt verändern; die Worte der Bibel, aber auch unsere eigenen. Worte und Wörter, was geben sie von sich?

Ihr Pfarrer Th.-M. Robscheit

 

Erstmals erschienen in der Thüringer Allgemeinde, Ausgabe Apolda am 10. August 2019

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